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Kleine deutsche Lichtblicke bei Sarrazin-Coup in Kitzbühel

In Bormio und Wengen wurden die DSV-Abfahrer zuletzt blamiert. Auch auf der Streif reicht es nicht für weit vorn – doch es gibt Hoffnungsschimmer. Der Shootingstar aus Frankreich bleibt in Topform.

Cyprien Sarrazin hat die Abfahrt in Kitzbühel gewonnen.
Foto: Barbara Gindl/APA/dpa

Deutschlands Abfahrer wurden auch in Kitzbühel überholt – jedoch haben zwei Außenseiter dem in letzter Zeit stark geprüften Speed-Team zumindest die nächste Blamage erspart. Dominik Schwaiger als 14. und Simon Jocher einen Platz dahinter haben auf der berühmten Streif Schadensbegrenzung betrieben und konnten – im Gegensatz zu ihren erfahreneren Ski-Kollegen – vor zehntausenden Fans zufrieden ins Ziel fahren.

Beim Sieg des aufstrebenden französischen Stars Cyprien Sarrazin vor Florian Schieder aus Südtirol (+0,05 Sekunden) und dem dominierenden Schweizer Weltcup-Fahrer Marco Odermatt (+0,34) waren die deutschen Skirennfahrer natürlich weit entfernt von einem Platz auf dem Podium. Vor sechs Jahren hatte Thomas Dreßen noch im österreichischen Skigebiet Tirol triumphiert – am Samstag (11.30 Uhr/ARD und Eurosport) wird der von Verletzungen und Operationen gezeichnete und erschöpfte Sportler aus Oberbayern seine Karriere bei der zweiten Hahnenkamm-Abfahrt beenden. Am Freitag hat der Athlet vom SC Mittenwald auf einen Start verzichtet.

Jocher sorgt für eine kleine Überraschung

Als Ehrengast im Starthaus konnte sich Dreßen über die Fahrten von Schwaiger und Jocher freuen. Jocher (+1,36) feierte sein drittbestes Abfahrts-Ergebnis im Weltcup, in Kitzbühel schaffte er es noch nie so weit nach vorne. «Super happy» war der 27-Jährige nach der Überraschung und sprach von «Erleichterung, dass man mal wieder Fuß fassen kann da vorne».

Jetzt gelte es, «den Drive mitzunehmen», meinte Jocher. «Ich denke und hoffe, dass es der gesamten Mannschaft hilft, wenn der Dominik und ich da heute Gas geben.» Während er erst seine vierte Schussfahrt in Kitzbühel absolvierte, spielte Schwaiger (+1,35) seine Erfahrung von einem Dutzend Streif-Wettkämpfen aus – und das, obwohl er sich erst im November am Knie verletzt hatte. 

Bei den Teamkollegen herrschte indes Frust. Andreas Sander etwa – vor drei Jahren noch Fünfter und Sechster – landete auf dem desaströsen Platz 48, den er «schnell vergessen» will. «Schlimmer kann es nicht werden», haderte er vor dem zweiten Rennen am Samstag, bei dem er nun «mit einer anderen, einer Scheiß-drauf-Stimmung» antreten will. Auch die Routiniers Romed Baumann (37./+2,32) und Josef Ferstl (40./+2,60) sowie die jungen Luis Vogt (39./+2,44) und Jacob Schramm (50./3,43) verpassten die Punkteränge.

Sarrazin feiert vierten Podestplatz in Folge

Die Rivalen an der Spitze fahren derzeit in einer anderen Liga als die Deutschen – allen voran Sarrazin, der seinen zweiten Saisonsieg und den vierten Podestplatz in Serie feierte, sowie Odermatt. «Was Odermatt und Sarrazin machen, ist traumwandlerisch», meinte Baumann staunend. «Die kannst du um 3.00 Uhr in der Früh wecken und die fahren trotzdem noch alles auf Zug da runter.»

Im Januar 2018 gelang es auch Dreßen, die Streif zu erobern. Am Samstag sagt der Familienvater dann auf der Piste Servus – ob es noch einmal eine sportlich ambitionierte Fahrt sein wird oder doch eher ein Schaulaufen, das wusste der 30-Jährige nicht.

Seine Kollegen werden ihn vermissen, wie Sander einräumte. «Das hat mich emotional dann doch sehr getroffen», berichtete er von dem Moment, als Dreßen dem Team von seinem Rücktritt erzählte. «Wir werden sehen, wie es sich dann anfühlt ohne ihn. Er wird sicher eine größere Lücke hinterlassen, die wir dann versuchen zu schließen.»

dpa