83 Prozent Ballbesitz, aber kein Sieg: Mario Basler gefällt überhaupt nicht, was er aktuell vom FC Bayern sieht.
„Schlafwagenfußball!“ Basler warnt Bayern vor bösem Champions-League-Erwachen

Eigentlich müsste bei einem Spiel mit 83 Prozent Ballbesitz vieles richtig gelaufen sein. Für Mario Basler ist das allerdings überhaupt kein Argument. Der frühere Bayern-Profi schaut nicht nur auf Statistiken, sondern darauf, was eine Mannschaft daraus macht. Und was er zuletzt von seinem ehemaligen Klub gesehen hat, gefällt ihm überhaupt nicht.
In der neuen Folge des Basler Ballert Podcast spricht Basler gemeinsam mit Oliver Dütschke über ein turbulentes Fußball-Wochenende. Von der 3. Liga über den HSV und Gladbach bis zur Champions League gibt es reichlich Gesprächsstoff.
Doch ausgerechnet beim FC Bayern wird Basler besonders laut.
Basler nennt Bayern-Spiel „Schlafwagenfußball“
Basler hatte die Münchner zuvor bereits live beim Pokalspiel in Osnabrück beobachtet. Schon dort gefiel ihm die Spielweise nicht. Beim folgenden 0:0 auf Schalke erkennt er dieselben Probleme wieder.
Sein Urteil fällt entsprechend drastisch aus:
„Das ist ein Schlafwagenfußball.“
Was Basler stört, ist vor allem das fehlende Tempo. Bayern habe zwar enorm viel den Ball, bewege ihn seiner Meinung nach aber viel zu häufig quer, zurück und über kurze Distanzen.
Der Gegner bekomme dadurch genügend Zeit, sich defensiv zu organisieren.
Genau deshalb kann Basler auch wenig mit dem Argument anfangen, Schalke habe extrem tief verteidigt. Für ihn provoziert Bayern diese Situation teilweise selbst.
Kimmich und Pavlovic geraten in Baslers Fokus
Zwei Spieler stehen dabei besonders im Zentrum seiner Kritik: Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic.
Schon nach seinem Stadionbesuch in Osnabrück sagt Basler, er verstehe nicht, wie die beiden zusammen funktionieren sollen.
Seiner Beobachtung nach wollen beide häufig den Ball tief abholen. Gleichzeitig fehle es anschließend an Pässen, die das Spiel wirklich schnell nach vorne bringen.
Über Pavlovic sagt Basler sinngemäß, dass dessen hohe Zahl an Ballkontakten auch damit zusammenhänge, dass er viele sehr kurze Pässe spiele.
Kimmich nimmt er teilweise aus dieser Kritik heraus, weil dieser zumindest gelegentlich versuche, mit Chipbällen hinter die gegnerische Abwehr zu kommen.
Grundsätzlich ist Baslers Botschaft aber eindeutig: Bayern braucht mehr Geschwindigkeit im Spiel nach vorne.
„Der Bayern-Fußball geht mir jetzt schon auf die Nerven“
Beim 0:0 auf Schalke wurde Baslers Ärger noch größer.
Die Münchner dominierten zwar den Ballbesitz, konnten daraus nach seiner Einschätzung aber viel zu wenig Gefahr entwickeln.
Basler bringt die Problematik auf einen Satz:
„83 Prozent Ballbesitz und spielst 0:0.“
Für ihn zeigt dieses Ergebnis, wie wenig reine Ballbesitzwerte über die tatsächliche Qualität eines Auftritts aussagen.
Noch deutlicher wird er wenig später:
„Dieser Bayernfußball, boah, der geht mir jetzt schon auf die Nerven.“
Basler erzählt sogar von einem Besuch bei einem Bayern-Fanclub in Minden. Auch dort sei die Unzufriedenheit über das langsame Spiel groß gewesen.
Seine bildhafte Beschreibung: Teilweise habe ein Angriff so lange gedauert, dass man auf dem Weg vom eigenen Tor bis nach vorne eine Zigarette hätte rauchen können.
Basler warnt vor Problemen in der Champions League
Damit könnte man die Diskussion als Kritik an zwei schwächeren Auftritten abhaken. Basler tut genau das nicht.
Er sieht ein grundsätzliches Problem – und verbindet es direkt mit der Champions League.
„Da wird auch der FC Bayern international ein Problem kriegen, bin ich fest und voll überzeugt.“
Das ist eine bemerkenswerte Prognose. Schließlich hatte Basler den FC Bayern in den vorherigen Spezialfolgen noch als klaren Meisterschaftsfavoriten bezeichnet und den Münchnern eine starke Champions-League-Saison zugetraut.
Nun warnt er davor, dass die aktuelle Art des Fußballs gegen internationale Topgegner nicht funktionieren könnte.
Seine Argumentation: Wenn Bayern langsam aufbaut und dem Gegner ausreichend Zeit zur defensiven Ordnung gibt, wird es gegen stärkere Mannschaften noch schwieriger, klare Chancen herauszuspielen.
Basler erinnert an Otto Rehhagel
Passend dazu greift Basler auf einen Satz seines früheren Trainers Otto Rehhagel zurück.
Sinngemäß lautet die Botschaft: Was bringt moderner Fußball, wenn man am Ende verliert? Lieber altmodisch spielen und 3:0 gewinnen.
Genau diesen Gedanken überträgt Basler auf die Münchner.
Statistische Dominanz allein interessiert ihn wenig. Entscheidend sind Tore und Ergebnisse.
Schalke habe dagegen genau das getan, was ein Außenseiter gegen Bayern tun müsse: leidenschaftlich verteidigen, alles in die Zweikämpfe werfen und auf einen starken Torhüter vertrauen.
Basler lobt ausgerechnet Schalke
Dass Basler am Ende sogar zufrieden darüber war, dass Bayern nicht doch noch den Siegtreffer erzielte, zeigt, wie sehr ihn Schalkes Auftritt beeindruckt hat.
„Deswegen hat es mich gefreut, dass Schalke diesen Punkt geholt hat.“
Besonders Loris Karius bekommt Lob. Basler bezeichnet ihn als stabilen Torhüter, der seiner Mannschaft Punkte retten könne.
Schalke habe sich das Unentschieden durch seine Leidenschaft verdient.
Für Bayern ist das allerdings gleichzeitig ein Warnsignal. Viel Ballbesitz, viel Kontrolle und trotzdem kein Durchkommen – genau dieses Muster möchte Basler nicht häufiger sehen.
Auch bei Lennart Karl hebt Basler den Zeigefinger
Neben dem grundsätzlichen Spielstil beschäftigt Basler eine weitere Bayern-Personalie besonders: Lennart Karl.
Basler betont ausdrücklich, dass er den jungen Spieler weiterhin für ein großes Talent hält. Seine jüngsten Auftritte gefallen ihm allerdings überhaupt nicht.
Beim Pokalspiel in Osnabrück habe Karl nach seiner Einwechslung zahlreiche unsaubere Aktionen gezeigt.
Basler bezeichnet dessen Auftreten dabei sogar als „arrogant“ und „überheblich“.
Auch im folgenden Spiel habe er keine deutliche Verbesserung erkannt.
Die schwere Verletzung aus der Vergangenheit lässt Basler als Erklärung nur begrenzt gelten. Karl habe die Vorbereitung mitgemacht. Wenn er nicht vollständig fit wäre, argumentiert Basler, würde Vincent Kompany ihn nicht einsetzen.
Droht Karl sogar eine Leihe?
Basler geht bei seiner Prognose überraschend weit.
Mit der Konkurrenz in Bayerns Offensive könnte es für Karl schwer werden, dauerhaft ausreichend Spielzeit zu erhalten. Im Podcast werden dabei unter anderem Jamal Musiala sowie weitere Offensivspieler als Konkurrenz genannt.
Basler glaubt deshalb, dass irgendwann sogar eine Leihe zum Thema werden könnte.
„Es könnte ein Problem werden bei Bayern, dass er vielleicht irgendwann nochmal auch diesen Weg suchen muss, dass er ausgeliehen wird.“
Eine endgültige Abschreibung ist das keineswegs. Basler bezeichnet Karl weiterhin als großes Talent. Er zweifelt momentan aber daran, dass der Spieler kurzfristig wieder jene Unbeschwertheit erreicht, mit der er zuvor für Begeisterung gesorgt hatte.








