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Hamiltons Zukunft bei Mercedes ungewiss

Hamiltons Zukunft bei Mercedes ist ungewiss. Trotz schwieriger Saison und Wechsel zu Ferrari bleibt sein Ehrgeiz ungebrochen.

Seit zweieinhalb Jahren hat Lewis Hamilton (M.) kein Formel-1-Rennen mehr gewonnen.
Foto: Federico Basile/Ipa Sport/IPA via ZUMA Press/dpa

Fast ausschließlich die Erinnerung an vergangene Zeiten kann derzeit die Stimmung von Lewis Hamilton wirklich verbessern. «Es war ein echter Traum, der wahr wird», kommentierte der Formel-1-Rekordweltmeister diese Woche auf Instagram drei Fotos aus dem Jahr 2007.

Die Bilder zeigen ihn jubelnd nach seinem ersten Rennsieg in Montreal. Mit erst 22 Jahren war der Brite damals, im McLaren, bereits im sechsten Grand Prix ganz vorne. Nun kehrt er zurück nach Kanada, an einen für Hamilton besonderen Ort. Doch in seiner letzten Saison für Mercedes könnten die Vorzeichen für den einstigen Dominator kaum schlechter sein.

«Ich gehe davon aus, dass ich auch den Rest des Jahres hinter George Russell liegen werde», sagte der 39-jährige Brite zuletzt nach der Qualifikation in Monaco. Es sind Worte, in denen Frust steckt – und die großes Zoff-Potenzial haben. Der Altmeister fühlt sich bei den Silberpfeilen offenbar benachteiligt. Nach zwölf Jahren wechselt er 2025 zu Rivale Ferrari. Ob Mercedes seinem Superstar deswegen schon jetzt das bestmögliche Auto verwehrt und stattdessen Teamkollege Russell bevorzugt? Teamchef Toto Wolff bestreitet das natürlich vehement, doch die Situation beim einstigen Dauerweltmeister ist explosiv.

Hamilton mit riesigem Rückstand auf die Spitze

«Als Team verfolgen wir ausschließlich das Ziel, unseren beiden Fahrern zwei großartige Autos zur Verfügung zu stellen, die bestmöglichen Fahrzeuge, die beste Strategie und die beste Unterstützung zu geben», sagte Wolff. Der 52-jährige Österreicher zeigte aber Verständnis für Hamiltons Aussagen. Die Fahrer seien manchmal etwas skeptisch, «aber ich glaube, als Team haben wir bewiesen, dass wir selbst beim härtesten Duell unserer Fahrer alles daran setzen, dass alles ausgeglichen, transparent und fair abläuft».

Hamilton ist nicht nur hinter seinem Landsmann Russell, sondern auch weit von der Spitze entfernt. Sein Dienstwagen funktioniert schon wieder nicht gut genug, um mit Max Verstappen mitzuhalten. Der Niederländer wurde bereits dreimal in Folge Weltmeister im Red Bull und hat auch nach acht von 24 WM-Läufen einen großen Vorsprung. Vor dem Grand Prix in Kanada am Sonntag (20.00 Uhr/Sky) liegt Hamilton nur auf dem achten Platz und ist bereits 127 Punkte hinter Verstappen.

Ob es in Kanada zu einer Wende kommt? Die Strecke auf der Île Notre-Dame im Sankt-Lorenz-Strom liegt Hamilton. Schon sieben Mal konnte er auf dem Kurs gewinnen, so oft wie sonst nur Michael Schumacher. «Wir müssen weiterhin hart und fleißig arbeiten, um uns in die Spitzengruppe zu kämpfen», sagte Wolff. Seine Piloten werden ein verbessertes Auto bekommen, unter anderem mit einem neuen Frontflügel. Ob das reicht, um zu Red Bull, Ferrari und McLaren aufzuschließen? «Das Feld ist näher zusammengerückt, und wir machen uns keine Illusionen darüber, dass andere sich weiter verbessern werden», sagte Wolff.

Der Chef der Silberpfeile steht derzeit vor vielen Herausforderungen. Er muss den frustrierten Hamilton zufriedenstellen, da dieser mit seiner Erfahrung bei noch 16 ausstehenden Rennen wichtige Impulse geben kann, um den Wagen zu verbessern. Gleichzeitig ist es wichtig, bereits für das kommende Jahr Entwicklungen voranzutreiben. Dabei kann Hamilton kaum eine tragende Rolle spielen, da er dann für die Konkurrenz fährt.

Wer fährt ab 2025 im Mercedes?

Und es muss auch das frei werdende Cockpit besetzt werden. Der deutsche Autobauer würde gerne Verstappen verpflichten. Aufgrund seines Vertrags mit Red Bull bis Ende 2028 scheint dies trotz anhaltender Spekulationen um eine mögliche Ausstiegsklausel unrealistisch zu sein. Verstappen strebt danach, im besten Auto zu fahren – und das kann Mercedes derzeit nicht bieten. Der Favorit für den Platz neben Russell soll das italienische Supertalent Andrea Kimi Antonelli sein. Der 17-Jährige ist noch in der Nachwuchsserie Formel 2 aktiv.

Hamilton plant, im Ferrari auf die Jagd nach seinem achten WM-Titel zu gehen. Obwohl er im Januar 40 Jahre alt wird, ist sein Ehrgeiz ungebrochen, als erster Fahrer diese Marke zu erreichen und Schumacher (sieben Titel) zu übertrumpfen. Seinen letzten Sieg von insgesamt 103 holte Hamilton jedoch bereits Ende 2021 in Saudi-Arabien, danach musste er Verstappen wegen seines schwächelnden Wagens die Spitze überlassen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass er bis heute das Gesicht der Formel 1 geblieben ist. Hamilton ist der globale Superstar der wichtigsten Rennserie der Welt. Als Kämpfer gegen Rassismus und für Gleichberechtigung sowie Verfechter einer veganen Lebensweise setzt er sich auch für wichtige Themen neben der Rennstrecke ein. Doch seine sportlichen Ziele bleiben unverändert. «Ich will immer gewinnen», sagt Hamilton immer wieder.

dpa