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Handball-Star Juri Knorr vor Abschied: Druck zu groß, Wechsel nach Dänemark?

Der 23-jährige Spielmacher steht im Fokus, verlässt wohl die Rhein-Neckar Löwen. Hohe Erwartungen und Druck könnten ihn zum dänischen Spitzenclub Aalborg Handbold ziehen lassen.

Deutschlands Handball-Star Juri Knorr verlässt die Rhein-Neckar Löwen im Sommer 2025 und wechselt wohl ins Ausland.
Foto: Tom Weller/dpa

Natürlich wird Juri Knorr am Dienstag erneut im Mittelpunkt stehen. Wenn die Handballer der Rhein-Neckar Löwen im Viertelfinal-Hinspiel Sporting Lissabon empfangen, könnte es der letzte Auftritt des viel diskutierten Nationalspielers in der European League vor heimischem Publikum sein.

In der nächsten Saison sind die abstürzenden Mannheimer nur in Deutschland unterwegs. Im Sommer 2025 verlässt Knorr den zweimaligen Pokalsieger – wahrscheinlich in Richtung Dänemark.

Seit seinem beeindruckenden Auftritt bei der WM im vergangenen Jahr ist der 23-jährige Spielmacher das Gesicht des deutschen Handballs. Hoffnungsträger, Anführer, Publikumsliebling. Die Erwartungen sind hoch. Entsprechend groß ist der Druck. Wenn das DHB-Team gewinnt, wird Knorr als Held gefeiert. Wenn Knorr jedoch nicht überzeugt, wird die kritik gnadenlos auf den introvertierten Ballverteiler einprasseln.

Bundesliga verliert ihr Aushängeschild

Zu viel für den schüchternen Jungen aus dem Norden, der doch einfach nur Handball spielen möchte? «Der Druck (…) ist für ihn, so wie er sein Leben leben möchte, zu groß», hatte Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar vermutet. 

Gerüchten zufolge plant Knorr einen Wechsel zum dänischen Top-Club Aalborg Handbold, der ab Sommer vom ehemaligen Flensburger Trainer Maik Machulla geleitet wird. Weniger Druck, weniger Ligaspiele, die Nähe zur Familie und dennoch Spiele in der Champions League sind Gründe, die für einen Wechsel sprechen.

Viele Experten deuten den Abgang als Flucht aus dem Rampenlicht. «Zu den Gründen meiner Entscheidung kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch wenig sagen. Ich werde dies aber tun, sobald es möglich ist», äußerte Knorr. 

Selbstkritisch, schüchtern, bodenständig

Die Bundesliga verliert in Knorr ihren prominentesten Akteur. Niemand schreibt so viele Autogramme wie der schüchterne Flensburger. Niemand muss so viele Selfies knipsen. «Klar freue ich mich, dass die Aufmerksamkeit gestiegen ist. Aber es war in den letzten Monaten auch ein bisschen viel. Ich bin kein Typ, der das komplett genießt», hatte Knorr rund um die Heim-EM im Januar gesagt. 

Ein Sprecher ist der bodenständige Rückraumspieler nicht. Knorr spricht leise, ist extrem selbstkritisch. Seine Worte wählt er mit Bedacht. Nach der EM-Niederlage gegen Kroatien hatte er sich völlig niedergeschlagen beim Publikum für seine Leistung entschuldigt.

Sportpsychologe warnt vor gesundheitlichen Folgen

Der Sportpsychologe Jürgen Walter ist sich bewusst, dass introvertierte Sportler in der Regel mehr Probleme haben, sich vom Druck zu lösen. «Sie sind mehr nach innen gerichtet, sie hinterfragen mehr, sie reflektieren mehr und kommen dadurch auch leichter ins Grübeln», sagte der Experte der Deutschen Presse-Agentur.

Walters Erfahrungen zeigen jedoch, dass der Druck größtenteils selbstgemacht ist. «Jeder Sportler entscheidet selbst, wie gelassen er mit Fehlern oder Rückschlägen umgeht.» Walter forderte Athleten auf, sich mental stark zu machen. «Eigenlob stimmt. Wenn ich das Positive an der Sache sehe, führt das zu einem Druckabbau. Die Freude auf den Erfolg muss der Sorge vor dem Misserfolg immer überwiegen.»

Gidsel: Druck in Dänemark nicht weniger

Wie viel Druck Knorr wirklich verspürt und welche Gründe ausschlaggebend für den Wechsel sind – das weiß der Weltklasse-Handballer nur selbst. Klar ist aber, dass ihm der Wechsel nicht einfach fällt. «Ich weiß, dass mit dieser Entscheidung ein sehr besonderes Kapitel in meiner Karriere enden wird», schrieb er auf Instagram. Viel einfacher dürfte es aber auch in Aalborg nicht werden. «Denn in Dänemark ist Handball die Sportart Nummer 1 und der Druck ist da nicht weniger», sagte Welthandballer Mathias Gidsel.

dpa