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Sturmtief Elli: Profifußball in Gefahr

Extreme Wetterlage gefährdet Spiele. Wer entscheidet über Spielabsagen? Tipps für Profis und Zuschauer bei Kälte.

Was ist die richtige Spielkleidung bei Kälte und Schnee? (Archivbild)
Foto: Marcus Brandt/dpa

Das Sturmtief Elli sorgt auch im Profifußball für Aufregung. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) ist aufgrund des extremen Wetters mit starken Schneefällen, Winden und Glatteis in Alarmbereitschaft. Die Absage des für Samstagnachmittag (15.30 Uhr/Sky) geplanten Spiels in Hamburg zwischen dem FC St. Pauli und RB Leipzig könnte nur der Anfang sein. Auch die Partien Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim und Union Berlin gegen FSV Mainz 05 sind aufgrund der Wetterbedingungen gefährdet.

Was sind konkret die Probleme? Wer trifft die Entscheidung über eine Spielabsage? Und welche Hinweise sollten Spieler und Zuschauer angesichts des ungemütlichen Wetters beachten? Die wichtigsten Fragen werden von der Deutschen Presse-Agentur beantwortet.

Wann und wie kommt es zu einer Spielabsage?

Ob der Platz bespielbar oder unbespielbar ist, wird vom Schiedsrichter-Gespann vor Ort entschieden. Gemäß der DFL-Spielordnung soll die Entscheidung über die Bespielbarkeit vier Stunden vor Spielbeginn getroffen werden. Eine Unbespielbarkeit kann nur bis spätestens zwei Stunden vor Spielbeginn ausgesprochen werden, wenn sich die Bedingungen aufgrund von Witterungseinflüssen verschlechtert haben. Eine Spielabsage und Neuansetzung wird von der DFL bekannt gegeben. Aufgrund der obligatorischen Rasenheizungen sind solche Fälle in der Bundesliga jedoch selten geworden.

Das Risiko einer Spielabsage ist deutlich höher unter bestimmten Bedingungen außerhalb des Spielfeldes. Wenn die Anreise der Zuschauer oder die Umsetzung des Sicherheitskonzepts durch vereiste und verschneite Wege gefährdet ist, können die örtlichen Behörden in Absprache mit den Clubs, der DFL und den Stadionbetreibern das Spiel absagen. Auch gefährliche Glätte auf den Tribünen oder große Schneemengen auf dem Dach erhöhen das Risiko einer Absage.

Es gibt keine festgelegte Temperatur-Untergrenze. Die UEFA empfiehlt jedoch, bei Temperaturen von -15 Grad und kälter nicht zu spielen. Auch hier liegt die Entscheidung beim Schiedsrichter.

Ändern die Gästeclubs etwas an ihren Reiseplänen?

Der VfB Stuttgart ging angesichts der Ungewissheit auf Nummer sicher. «Wir haben entschieden, einen Tag vorher zu fliegen, um zu vermeiden, dass aufgrund der Witterung irgendetwas schiefläuft», sagte Trainer Sebastian Hoeneß vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen am Samstag. Die Mainzer, deren Spiel in der Alten Försterei bei Union nicht ganz sicher ist, verzichten dagegen auf eine solche Maßnahme. 

Ist es für die Profis gesundheitsgefährdend?

Generell nein. Aber: «Es braucht einen entsprechenden Wärmeschutz», sagte Prof. Dr. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln der dpa: «Es ist nicht ratsam, mit kurzen Hosen ohne Leggings drunter zu laufen. Das würde den Körper viel zu stark auskühlen, das wäre auch eine Gefahr für die Muskulatur.» Der Sportmediziner empfiehlt den Profis zudem eine Mütze, da viel Wärme über den Kopf abgegeben wird. Bei Spielern, die mit Asthma zu kämpfen haben, könnte die bei Kälte stärkere Reizung der Bronchien zu Problemen führen.

Wichtig sei, so Bloch, dass die Spieler viel trinken, «weil der Körper auch in der Kälte Wasser verliert». Außerdem sei das Infektionsrisiko nach der Belastung groß, dementsprechend sollten die Spieler nach dem Abpfiff möglichst schnell ins Warme und größere Menschenansammlungen meiden.

Was sollten Zuschauer beim Stadionbesuch beachten?

Die Tickets für gestrichene Spiele bleiben normalerweise gültig, so dass die Fans beim Ersatztermin ins Stadion gehen können. RB Leipzig betonte in seiner Erklärung zur Absage des Pauli-Spiels noch einmal ausdrücklich darauf.

Es wird empfohlen, frühzeitig zu Spielen anzureisen, um dem drohenden Verkehrschaos zu entgehen. Vereine wie Werder Bremen raten ebenfalls dazu, wenn möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Die Deutsche Bahn hat bereits witterungsbedingte Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr angekündigt.

Und wenn es die Besucher ins Stadion geschafft haben? «Den Zuschauern würde ich raten, sich dick anzuziehen und nicht unbedingt das kalte Bier zu trinken», sagte Mediziner Bloch. Die heiße Bratwurst sei dagegen ausdrücklich empfohlen: «Man braucht bei den Temperaturen deutlich mehr Energie, weil der Körper im Endeffekt auf Wärmeproduktion umsteigt.» Ob die Clubs angesichts der Minustemperaturen vermehrt warme Getränke anbieten werden, war zunächst nicht bekannt.

Warum können Fans von der Lage auch profitieren?

Für Fans, die an keine Eintrittskarten gekommen sind, tut sich eine Chance auf. Es sei wahrscheinlich, «dass der eine oder andere sein Ticket vielleicht im Zweitmarkt platziert», sagte Werder-Mediendirektor Christoph Pieper. Dort werde es eine etwas höhere Ticketanzahl als sonst geben, «weil man sich möglicherweise dazu entscheidet, aufgrund der Witterung nicht zum Spiel zu kommen». Oder – wie im Fall von Pauli-Leipzig, beim Nachholtermin keine Zeit hat. 

Wann gab es zuletzt witterungsbedingte Spielabsagen?

Im Januar 2024 wurde das Spiel in Mainz zwischen dem FSV und Union Berlin aufgrund von Sicherheitsrisiken für die Zuschauer abgesagt. Die starke Eisbildung auf der Tribüne und den Anreisewegen führte zu dieser Entscheidung. Das erhöhte Sicherheitsrisiko war auch der Grund für die Absage des Spiels der Unioner beim FC Bayern im Dezember 2023. Dort bestand zusätzlich die theoretische Möglichkeit, dass Schneelawinen vom Dach hätten abrutschen können.

dpa