«Feuer mit Feuer» bekämpfen, US-Präsident Donald Trump in Verlegenheit bringen: Der Konflikt um Grönland hat auch die Fußball-WM 2026 erreicht. Wie wahrscheinlich ist ein Boykott?
Trump will Grönland: Boykottieren wir jetzt die Fußball-WM?

Mitten im Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten aufgrund von Donald Trumps Ansprüchen auf Grönland wird der Fußball von einer bekannten Debatte eingeholt. In Deutschland und Großbritannien werden in der Politik Stimmen laut über einen Boykott der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Der US-Präsident hatte das Turnier im Sommer (11. Juni bis 19. Juli) schon vor Wochen für seine Zwecke genutzt.
Wer fordert einen WM-Boykott? Und warum?
In Deutschland hatte sich unter anderem CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt ausführlich geäußert. Für den Fall einer Annexion Grönlands durch die USA könne er sich nicht vorstellen, im Sommer in den Staaten ein fröhliches Fußballfest zu feiern, sagte er im Deutschlandfunk. Eine widerrechtliche Besetzung Grönlands bedeute aus seiner Sicht, dass die Europäer überprüfen müssten, «ob man an solchen Spielen teilnehmen kann». Er gehe aber fest davon aus, dass es dazu nicht komme, sondern dass Trump von seinem Plan absehe.
In Großbritannien äußerte sich unter anderem das konservative Parlamentsmitglied Simon Hoare. Die Regierung müsse «Feuer mit Feuer» bekämpfen und Trump entschieden entgegentreten. Den geplanten Besuch von König Charles III. in den USA stellte er aus denselben Gründen infrage. Trump müsse da getroffen werden, wo es ihm wehtue – bei seinem Ego. Der US-Präsident sei «dünnhäutig» und möge es nicht, in Verlegenheit gebracht zu werden.
Wie wichtig ist die WM für Trump? Wie wichtig ist Trump für die WM?
Für Trump ist die Fußball-WM eine riesige Bühne im zweiten Jahr seiner zweiten Amtszeit – auch wenn er mit «Soccer» bislang eigentlich nicht viel zu tun hatte, die Grenze zu Co-Gastgeber Mexiko gerne komplett schließen, und Kanada am liebsten in die USA einverleiben würde. Die WM-Ausrichtung ist ein riesiges Prestigeprojekt.
Schon lange vor dem Grönland-Konflikt hatte sich zwischen dem US-Präsidenten und dem FIFA-Chef Gianni Infantino eine besondere, teilweise sehr kritisch bewertete Dynamik entwickelt. Während der Auslosung der Weltmeisterschaft im Dezember überreichte Infantino dem US-Präsidenten kumpelhaft den sogenannten FIFA-Friedenspreis, obwohl dieser lieber offiziell den Friedensnobelpreis gewonnen hätte. Viele Menschen empfanden das Schauspiel auf der FIFA-Bühne laut Kommentaren in den sozialen und klassischen Medien als befremdlich.
Die FIFA hatte zur Kritik an der Nähe zu Trump mitgeteilt, dass Infantino als Präsident «gute Beziehungen» zu den Staatschefs der Gastgeberländer haben müsse, um eine erfolgreiche Veranstaltung zu gewährleisten.
Ein wohlgesinnter Trump scheint tatsächlich eine wichtige Rolle bei der Ausrichtung des Turniers mit 48 Mannschaften zu spielen. Die Drohung, unliebsamen, demokratisch geführten Städten die Spiele zu entziehen, sorgte für Aufregung. Ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse auf Personen bezogen hatte die FIFA auch bei der WM 2018 in Russland (Wladimir Putin) und 2022 in Katar (Emir Tamim bin Hamad Al Thani) erlebt.
Wie wahrscheinlich ist ein WM-Boykott?
Heute wird die WM wie geplant mit dem Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko begonnen, genauso wie das erste deutsche Spiel am 14. Juni gegen Curaçao. Der Deutsche Fußball-Bund hat bereits negative Erfahrungen mit Boykott-Diskussionen gemacht. Auch vor der WM 2022 wurde intensiv über die Menschenrechtslage im Gastgeberland debattiert. Die deutsche Nationalmannschaft brachte die Diskussion darüber, wie man sich verhalten sollte, mit ins Turnier und schied in der Vorrunde aus.
Es gab bereits Boykotte im Weltsport – zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles. Die Sportverbände betonen jedoch stets, dass Politik und Sport getrennt voneinander betrachtet werden sollten. Boykotte gelten nicht als Lösung für geopolitische Probleme.
Treffen würde ein Boykott europäischer Mannschaften zudem auch die Fans. Die Spielpaarungen stehen seit Wochen fest, Tausende Menschen haben Tickets gekauft, teils teure und lange Reisen gebucht. «Was Boykottdrohungen im Sport angeht, bin ich generell skeptisch. Man bestraft damit die Fans und die Sportler, der Nutzen ist fragwürdig», sagte der Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner der «Süddeutschen Zeitung».








