Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Von Leverkusen dominiert: Bayerns Meisterstück mit Makel

Die Meisterschaft haben die Bayern so gut wie sicher. Trotzdem hinterlässt die Nullnummer in Leverkusen ein ungutes Gefühl. Der Noch-Meister führte den FCB vor. Bald könnte es wieder zum Duell kommen.

Gesenkte Köpfe trotz Punktgewinns in Leverkusen: Die Leistung der Bayern war wenig meisterlich.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Dieser Denkzettel auf dem Weg zur 34. deutschen Meisterschaft saß. Das Titel-Comeback in der Fußball-Bundesliga ist dem FC Bayern München nach dem glücklichen 0:0 beim bärenstarken Noch-Meister Bayer Leverkusen zwar kaum mehr zu nehmen. Doch mit Blick auf den Weg ins Champions-League-Finale «dahoam» erwächst ausgerechnet dem Rekordmeister gerade eine neue «Bestia Negra» (schwarze Bestie). 

So wurden die Bayern einst selbst in Spanien als höchst unbequemer Gegner für Real Madrid bezeichnet. Der frühere Real- und Bayern-Profi Xabi Alonso ist nun nichts anderes mit seinem Team für die Münchner. Der Meistercoach blieb auch im sechsten Spiel als Bayer-Trainer gegen die Bayern unbesiegt. Mehr noch. Seine Schützlinge demonstrierten am Samstagabend im Bundesliga-Gipfel eindrucksvoll, wer aktuell die formstärkste deutsche Mannschaft ist.

Die Bayern sind es trotz acht Punkten Vorsprung in der Tabelle nicht. «Leverkusen war am Punkt da, die waren richtig, richtig intensiv unterwegs und die haben es sehr, sehr gut gemacht», ächzte Münchens Sportdirektor Christoph Freund nach einem Spiel, in dem die Bayern laut Statistik historisch unterlegen war. Und schon in gut zwei Wochen könnte es im Champions-League-Achtelfinale erneut zum Aufeinandertreffen kommen. 

Eine Halbzeit ohne Torschuss, das erste Schüsschen erst nach mehr als 70 Minuten – so etwas gab es seit entsprechender Datenerhebung vor mehr als 30 Jahren nicht. «Es ist vielleicht glücklich heute», gab Torhüter Manuel Neuer am Sky-Mikrofon zu. «Wichtig war, dieses Spiel nicht zu verlieren. Natürlich wäre es besser gewesen zu gewinnen. Aber das hätten wir heute auch nicht verdient gehabt.»

Müller spricht von «wunderbarem Punkt»

Im Hinblick auf die Meisterschaft konnten sich die Bayern etwas Trotz erlauben. Der gegen die übrige nationale Konkurrenz erspielte Vorsprung blieb bestehen. Niemals zuvor verspielte ein Team in der Liga einen Vorsprung von acht Zählern zu diesem Zeitpunkt. «Wir haben ein gutes Ergebnis mit nach Hause genommen und werden unseren Weg weitergehen», beharrte Thomas Müller. «Deswegen, es war für uns ein wunderbarer Punkt. Weiter geht es.»

Auch Trainer Vincent Kompany, der vor seinem Meisterstück in der Premierensaison steht, reagierte fast etwas unwirsch auf die Kräfteverhältnisse auf dem Platz. «Wir haben fast 100 Tore geschossen», sagte der Belgier mit Blick auf alle bisherigen Pflichtspiele unter ihm. «Wir waren in fast jedem Spiel immer dominant. Heute nehmen wir diesen Punkt mit und haben gut verteidigt.»

Aber auch bisher konnte er Alonsos Leverkusener nicht besiegen. Auch im sechsten Duell als Bayer-Trainer hatte der Basker etwas gegen die Münchner vorbereitet. Ohne nominelle Spitze – die Torjäger Patrik Schick und Victor Boniface blieben überraschend auf der Bank – hatte Bayer im Mittelfeld mehr Dominanz. Außerdem übte Alonsos Team starken Druck aus und Innenverteidiger Jonathan Tah stand Topstar Jamal Musiala teilweise schon weit jenseits der Mittellinie auf den Füßen.

Im März droht Leverkusen den Bayern erneut als Gegner

«Also wir müssen das Spiel, glaube ich, ganz klar gewinnen. Das war offensichtlich mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben, mit der Dominanz, wie wir gespielt haben», sagte Tah nach dem absurd anmutenden Ergebnis angesichts von 16:2 Torschüssen. Die ausgeruhtere Werkself brachte deutlich mehr Energie auf den Platz als die Bayern, die sich am Mittwoch in der Champions League noch zu einem 2:1 bei Celtic Glasgow gemüht hatten.

Als bestes deutsches Team der Champions-League-Vorrunde hat Leverkusen die Achtelfinal-Playoffs vermieden. In gut zwei Wochen könnte es jedoch in der Runde der letzten 16 wieder zu einem Treffen der beiden Teams kommen. Für die Bayern, die am 31. Mai unbedingt das Finale in der Allianz Arena spielen wollen, ist dies derzeit alles andere als attraktiv.

dpa