Die VSG Altglienicke gehört längst zu den spannendsten Fußball-Adressen Berlins. Der traditionsreiche Klub aus dem Südosten der Hauptstadt hat sich von den unteren Berliner Spielklassen bis in die Regionalliga Nordost gearbeitet. Im DFB-Pokal 2026 fehlte gegen den VfL Wolfsburg nur denkbar wenig zur großen Sensation.
VSG Altglienicke: Berlins Fußball-Geheimtipp fordert die Großen heraus

Ein Berliner Verein mit einer besonderen Geschichte
Wenn über Fußball in Berlin gesprochen wird, fallen meistens zuerst die Namen Hertha BSC und 1. FC Union Berlin. Doch abseits der beiden großen Hauptstadtklubs hat sich in den vergangenen Jahren ein Verein etabliert, der sportlich längst weit über seinen Stadtteil hinaus für Aufmerksamkeit sorgt: die VSG Altglienicke.
Der offizielle Name lautet Volkssport Gemeinschaft Altglienicke e.V. Der heutige Mehrspartenverein wurde am 1. Januar 1946 gegründet. Seine sportlichen Wurzeln reichen allerdings deutlich weiter zurück. Bereits Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Altglienicke verschiedene Sportvereine. Fußball wurde im Ortsteil spätestens seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts organisiert gespielt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Entwicklung, aus der die heutige VSG hervorging. Aus der SG Altglienicke wurde zunächst der Altglienicker Sport Verein, ehe am 1. Juli 1952 der Name „Volkssport Gemeinschaft Altglienicke“ eingeführt wurde. Seit dem 27. Januar 1992 ist die VSG als eingetragener Verein organisiert.
Die Vereinsfarben sind Blau und Weiß.
Vom Berliner Amateurfußball bis in die Regionalliga
Über viele Jahrzehnte spielte die Fußballabteilung der VSG überwiegend in den unteren Berliner Spielklassen. Gerade deshalb ist die sportliche Entwicklung der jüngeren Vergangenheit bemerkenswert.
Schritt für Schritt arbeitete sich Altglienicke nach oben. 2012 wurde die VSG Berliner Meister, 2016 gelang dieses Kunststück erneut. Ein Jahr später folgte der nächste große Meilenstein: 2017 gewann Altglienicke die Meisterschaft in der Oberliga Nordost, Staffel Nord, und stieg in die Regionalliga Nordost auf.
Dort trifft der Verein inzwischen regelmäßig auf traditionsreiche Gegner und ehemalige Profiklubs.
Für einen Verein, der über Jahrzehnte hauptsächlich im Berliner Amateurfußball zuhause war, ist diese Entwicklung bemerkenswert. Aus einem Stadtteilverein ist ein ambitionierter Regionalligist geworden.
2020 folgt der große Berliner Pokal-Triumph
Einen weiteren Höhepunkt seiner jüngeren Vereinsgeschichte erlebte Altglienicke im Jahr 2020. Damals gewann die VSG erstmals den Berliner Landespokal.
Damit durfte sich der Klub auch auf der großen Bühne des DFB-Pokals präsentieren.
Gerade diese Auftritte zeigen, wie weit sich Altglienicke sportlich entwickelt hat. Die VSG ist längst kein Verein mehr, den höherklassige Gegner im Vorbeigehen schlagen können.
Wie gefährlich die Berliner tatsächlich sein können, zeigte sich im August 2026 eindrucksvoll.
VSG Altglienicke bringt Wolfsburg an den Rand des Ausscheidens
Am 24. August 2026 erlebte die VSG eines der spektakulärsten Spiele ihrer jüngeren Geschichte.
In der ersten Runde des DFB-Pokals traf der Regionalligist auf den VfL Wolfsburg. Rund 5.000 Zuschauer sahen im Amateurstadion von Hertha BSC einen Pokalkrimi, in dem Altglienicke den favorisierten Gegner mehrfach ins Wanken brachte.
Schon in der sechsten Minute brachte Jonas Nietfeld die VSG mit 1:0 in Führung. Wolfsburg glich nach der Pause durch Maximilian Arnold aus, doch Altglienicke antwortete erneut: Jonas Saliger erzielte in der 71. Minute das 2:1.
Wieder kam Wolfsburg zurück. Arnold traf zum 2:2 und erzwang damit die Verlängerung.
Doch selbst dort war Altglienicke nicht kleinzukriegen.
Mehmet Ibrahimi brachte die Berliner in der 109. Minute zum dritten Mal an diesem Abend in Führung. Erst in der 117. Minute gelang Wolfsburg durch Hauke Wahl erneut der Ausgleich.
Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen.
Und dort hatte die VSG sogar die Möglichkeit, die große Sensation perfekt zu machen. Am Ende setzte sich Wolfsburg jedoch mit 6:5 im Elfmeterschießen durch.
Mattuschka prägt den ambitionierten Kurs
Eine der prominentesten Figuren rund um die Mannschaft ist Torsten „Tusche“ Mattuschka. Der frühere Profi des 1. FC Union Berlin ist als Sportlicher Leiter für die VSG tätig.
Nach dem dramatischen Pokal-Aus gegen Wolfsburg zeigte er sich vor allem stolz auf die Leistung des Vereins. Die Mannschaft habe sich über 120 Minuten hervorragend präsentiert, gleichzeitig sei die Organisation eines solchen Großereignisses für den Klub Neuland gewesen.
Genau dieses Spiel könnte für Altglienicke trotz des Ausscheidens noch wichtig werden.
Denn die VSG bewies vor großer Kulisse, dass sie sportlich auch gegen einen deutlich höherklassigen Gegner bestehen kann. Wolfsburg musste dreimal einen Rückstand aufholen, ehe der Favorit erst im Elfmeterschießen weiterkam.
Altglienicke mischt 2026 wieder oben mit
Auch der Start in die Regionalliga-Saison 2026/27 unterstreicht die Ambitionen.
Nach einem 3:1-Auswärtserfolg beim Greifswalder FC gewann die VSG ebenfalls mit 3:1 gegen Hertha BSC II. Anschließend folgte ein 2:1 gegen den Halleschen FC. Mit diesem Erfolg sprang Altglienicke nach dem fünften Spieltag auf Tabellenplatz drei.
Damit deutet sich erneut an, dass mit der VSG in der Regionalliga Nordost zu rechnen ist.
Der Klub hat sich inzwischen eine Position erarbeitet, in der Erfolge gegen namhafte Gegner keine außergewöhnlichen Überraschungen mehr darstellen.
Das Stadionproblem begleitet den sportlichen Aufstieg
Eine Besonderheit der VSG ist die Diskrepanz zwischen sportlicher Entwicklung und Infrastruktur.
Das Volksstadion Altglienicke besitzt für den Verein eine enorme historische Bedeutung. Die Anlage entstand Anfang der 1950er-Jahre und wurde 1951 eröffnet. In den Jahren 2004 und 2005 erfolgte ein größerer Umbau.
Die Anforderungen des höherklassigen Fußballs haben die VSG allerdings immer wieder vor infrastrukturelle Herausforderungen gestellt. Das ist ein Thema, das exemplarisch für viele ambitionierte Regionalligisten steht: Sportlich wächst ein Verein schneller als die Infrastruktur in seinem Umfeld.
Gerade für die langfristige Entwicklung bleibt die Stadionfrage deshalb ein wichtiger Faktor.
80 Jahre Fußball bei der VSG Altglienicke
Das Jahr 2026 besitzt für die VSG zudem eine besondere historische Bedeutung.
Der organisierte Fußballbetrieb in Altglienicke wurde bereits unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen. Die heutige VSG betrachtet den 1. Januar 1946 als Ausgangspunkt ihrer Vereinsgeschichte. Damit blickt die Fußballabteilung 2026 auf 80 Jahre zurück. Gleichzeitig jährt sich die Eröffnung des Volksstadions zum 75. Mal.
Aus einem Verein, dessen Fußballer jahrzehntelang überwiegend in unteren Spielklassen unterwegs waren, ist inzwischen eine feste Größe im nordostdeutschen Regionalligafußball geworden.
Und das Pokaldrama gegen Wolfsburg hat gezeigt, welches Potenzial in diesem Klub steckt.
Die VSG will mehr als nur Regionalliga-Mittelmaß
Altglienicke ist ein interessantes Beispiel dafür, wie sich die Berliner Fußballlandschaft verändert hat. Hinter Hertha BSC und Union Berlin gibt es eine Reihe ambitionierter Vereine, die ihren eigenen Weg verfolgen.
Die VSG gehört inzwischen zweifellos dazu.
Meisterschaften auf Berliner Ebene, der Aufstieg in die Regionalliga, der Gewinn des Berliner Landespokals und Auftritte im DFB-Pokal markieren die Entwicklung der vergangenen Jahre.
Der dramatische Pokalabend gegen Wolfsburg dürfte dabei einen besonderen Platz in der Vereinsgeschichte bekommen. Altglienicke war nur wenige Momente davon entfernt, einen deutlich höherklassigen Gegner aus dem Wettbewerb zu werfen.
Ausgerechnet zum 80-jährigen Jubiläum der Fußballabteilung hat die VSG damit deutschlandweit gezeigt, dass im Südosten Berlins längst ambitionierter Fußball gespielt wird.








