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Was das Scheitern des Investoren-Deals der DFL bedeutet

Der geplante Investoren-Einstieg bei der Deutschen Fußball Liga ist auch im zweiten Anlauf vom Tisch. Woher soll frisches Geld kommen? Und enden nun die Fan-Proteste?

Ob die Fan-Proteste nun enden bleibt vorerst offen.
Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa

Die Deutsche Fußball Liga hat aufgrund von langanhaltenden und starken Protesten vieler Fans beschlossen, die Verhandlungen zum Einstieg eines Investors abzubrechen.

Am kommenden Wochenende wird sich in den Stadien der 1. und 2. Liga zeigen, ob die Spiele nun wieder ohne Unterbrechungen ablaufen. Die stark beschädigte DFL-Spitze muss nach neuen Geldquellen suchen, um die geplanten Modernisierungsprojekte zu finanzieren. Die Absage des Milliardengeschäfts wirft auch Fragen nach dem Erhalt der Einheit des Profifußballs auf.

Wie sahen die DFL-Pläne zum Einstieg eines Investors aus?

Vor etwa einem Jahr wurden erstmals Pläne der DFL bekannt, 12,5 Prozent der Anteile an einer neuen Tochtergesellschaft für 20 Jahre zu verkaufen. Dorthin sollten Medienrechte ausgelagert werden, ein Investor sollte für seinen Einstieg zwei Milliarden Euro zahlen. Die Hoheit der 36 Proficlubs sollte unangetastet bleiben. Nachdem die Pläne bekannt wurden, gab es bereits Proteste der Fans, bei der Mitgliederversammlung am 24. Mai verfehlten die Pläne die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit unter den Vereinen.

Im September gab es erste Anzeichen für einen erneuten Versuch in reduzierter Form. Der Investor sollte eine Milliarde Euro für eine geringere Beteiligung zahlen. Am 11. Dezember stimmten 24 der 36 Clubs – also genau zwei Drittel – dafür. Es ist unklar, ob Hannovers Geschäftsführer Martin Kind entgegen der Anweisung des Muttervereins zugestimmt hat. Die Fan-Proteste gegen den Beschluss nahmen stark zu, während die DFL weiter verhandelte, zuletzt mit dem Unternehmen CVC. Am Mittwoch stoppte das Präsidium die Verhandlungen, nachdem die Mehrheit dafür schwand.

Wie reagieren die Fans am Wochenende?

Dass die Proteste enden, könne er nicht garantieren, sagte Thomas Kessen, der Sprecher des Fan-Dachverbandes «Unsere Kurve» der Deutschen Presse-Agentur. «Dieser Protest wurde lokal sehr individuell gestaltet, wurde vorangetrieben, und es gab nicht die zentrale Orchestrierung – dementsprechend gibt es auch keine zentrale Orchestrierung, wie man das jetzt feiert.» Das «eine oder andere lustige Plakat» werde man am Wochenende bestimmt sehen, von weiteren provozierten Unterbrechungen von teils über 30 Minuten geht Kessen aber nicht aus: «Ich wäre zumindest sehr überrascht, wenn das jetzt noch jemand macht.»

Die Position der Fans scheint nach dem Sieg in dieser Machtprobe mit der DFL vorerst gestärkt. Das könnte die organisierten Anhänger bestärken, auch für andere Ziele mit ähnlichen Aktionen in die Konfrontation mit Clubs und Liga-Chefs zu gehen. «Die DFL kann gerne weiter sich Gedanken machen über Investoren oder sonstige Weiterentwicklungspotenziale, entscheidend ist, dass sie lernt, dies alles mit den Mitgliedern der Vereine zu diskutieren», mahnte Kessen.

Was bedeutet das Ende der Verhandlungen für die DFL-Spitze?

Für die DFL ist dies eine weitere herbe Niederlage. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Hans-Joachim Watzke – auch Geschäftsführer von Borussia Dortmund – unterstützte die Idee eines Investors, der frisches Kapital für die Modernisierung bereitstellen und die Vermarktung im Ausland vorantreiben sollte. Auch die beiden noch vergleichsweise neuen DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und Steffen Merkel hatten bis zuletzt nachdrücklich für die Pläne geworben. Der erste Versuch war noch unter ihren Interims-Vorgängern Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt und Oliver Leki vom SC Freiburg gescheitert.

Vor allem aus der Fanszene gab es massive Kritik an der Liga-Führung wegen schlechter Kommunikation und mangelnder Transparenz beim Investoren-Prozesses. «Der Fehler lag bei der DFL dahingehend, dass man Fans und Mitglieder gar nicht erst mitgenommen hat», kritisierte Kessen. Die Frage ist nun, wie sehr die Bosse durch das Scheitern des Projekts beschädigt sind und ob sich das Vertrauen in die DFL-Spitze wieder herstellen lässt.

Wie will die Liga nun an frisches Geld kommen?

Das bisherige Modell mit einer Minderheitsbeteiligung an einer Tochtergesellschaft ist laut Watzke vom Tisch. «Dieser Prozess ist ad acta gelegt. Wir müssen mal ganz neu anfangen», sagte der 64-Jährige. Es sollen Gespräche mit den Clubs darüber folgen, auf welchen anderen Wegen frisches Kapital in die Liga fließen könnte.

Vereine könnten zur Finanzierung von Modernisierungsmaßnahmen Schulden aufnehmen. Über eigene Kredite wären sie unabhängig von einem Investor. Viele Fans schenkten den Bekundungen der Liga keinen Glauben, wonach ein Geldgeber in entscheidenden Fragen wie Spielplänen oder Anstoßzeiten kein Mitspracherecht bekommen sollte.

Droht womöglich eine Abspaltung der Bundesliga?

Nach der ersten – gescheiterten – Abstimmung wurde die Kluft zwischen großen und kleinen Clubs sehr deutlich, international spielende Branchenführer wie der FC Bayern München und Borussia Dortmund fürchteten offen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die größeren Clubs würden sich «sicherlich auch darüber Gedanken machen, wie es für sie weitergeht», sagte Watzke im vorigen Mai und fügte hinzu, mit «Solidaritätsthemen» solle ihm «bitte die nächste Zeit niemand mehr» kommen. Die Trennung der Ligen sei aber nur die «ultima ratio», also das allerletzte Mittel, schränkte Watzke ein. Noch viel heftigere Fan-Proteste wären erwartbar die Folge eines solchen Schritts.

Bislang werden die Einnahmen des Profifußballs bei den Medienrechten über die Zentralvermarktung der DFL generiert und an die 36 Clubs ausgeschüttet. Geschäftsführer Michael Ströll vom FC Augsburg erklärte nach dem Ende der Verhandlungen nun, der Zusammenschluss der beiden Ligen sei ein großes und wichtiges Gut des deutschen Fußballs. «Wichtig ist, dass diese Entscheidung jetzt nicht von den Befürwortern dafür genutzt wird, die Spaltung der Ligen zu forcieren. Das wäre in der jetzigen Situation völlig deplatziert», betonte Ströll.

dpa