Die FIFA plant die Gründung einer neuen Gesellschaft zur Vermarktung von WM-Anteilen, die potenziell jährliche Einnahmen für Verbände erheblich steigern könnte. Während einige Mitgliedsverbände, insbesondere aus Afrika, offen für die Vorschläge sind, äußern UEFA und DFB Bedenken zur Transparenz u…
Welche Chancen und Risiken birgt FIFA’s neuer Investorenansatz für den Fußball?

FIFA kündigt Gründung einer neuen Gesellschaft zur Vermarktung von WM-Anteilen an
Die Überlegungen von Gianni Infantino und der FIFA zur Finanzierung sorgen für rege Diskussionen innerhalb der Fußballgemeinschaft. Am 28. Juli 2026 wurde angekündigt, dass eine neue Gesellschaft ins Leben gerufen werden soll. Diese Gesellschaft hat das Ziel, alle kommerziellen Aktivitäten zu bündeln und die Organisation von Turnieren zu optimieren. Durch den Verkauf von Anteilen soll eine signifikante Steigerung der finanziellen Mittel erreicht werden.
Finanzielle Aussichten der Investorenstrategie
Die konkreten Beträge, die durch den Verkauf der Anteile generiert werden sollen, sind noch nicht festgelegt. Infantino präsentierte jedoch den 211 Mitgliedsverbänden der FIFA eine umfassende Prognose zu potenziellen Einnahmen. Ab 2027 könnte jeder Verband anstelle von zwei Millionen US-Dollar jährlich fünf Millionen erhalten. Diese Summe wäre für vier Jahre vorgesehen. Im Zeitraum von 2031 bis 2034 könnte der Betrag auf jährlich 5,5 Millionen US-Dollar ansteigen, und im letzten Zyklus bis 2038 wäre eine Gesamtsumme von 24 Millionen US-Dollar angedacht.
Abhängigkeit von der Zustimmung der Mitgliedsverbände
In einem Schreiben an die Mitgliedsverbände unterstrich Infantino, dass die Entscheidung über die Umsetzung des Plans deren Zustimmung bedarf. Mindestens 106 Verbände müssten zustimmen, um ab 2027 höhere Gelder zu verteilen. Der Stichtag für diese Zustimmung ist der 19. September.
Kritik aus verschiedenen Verbänden
Bereits vor der offiziellen Bekanntgabe des Plans äußerte die UEFA Bedenken. Der europäische Verband stellte klar, dass es niemandem zusteht, den Fußball zu verkaufen, und kritisierte die Intransparenz des Verfahrens. Auch andere Verbände, darunter die AFC und CONCACAF, meldeten ihre Bedenken hinsichtlich der FIFA-Vorgehensweise an.
Infantinos Verteidigung der Pläne
In einem Video verteidigte Gianni Infantino seine Vorstellungen, private Investoren an der Fußball-WM zu beteiligen. Er bezeichnete das Vorhaben als einen Vorschlag und betonte, dass es sich um eine Chance, nicht um eine Pflicht handle. Für die Gründung der geplanten Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise, die die Vermarktung und Verwaltung aller Wettbewerbe übernehmen soll, ist die Zustimmung der Mehrheit der Nationalverbände sowie des FIFA-Councils erforderlich.
Unterstützung aus Afrika
Der afrikanische Fußballverband, die Confédération Africaine de Football (CAF), zeigt sich der Investorenstrategie gegenüber aufgeschlossen und ermutigte seine Mitgliedsverbände, das Angebot zu prüfen. CAF-Präsident Patrice Motsepe kündigte eine Sitzung des Exekutivkomitees an, um die Pläne zu erörtern. Mit 54 Mitgliedsverbänden stellt die CAF einen bedeutenden Stimmenblock innerhalb der FIFA.
Reaktionen der UEFA und des DFB
Die UEFA plant eine Krisensitzung, um die Investorenstrategie der FIFA zu besprechen. Der norwegische Fußballverband gab bekannt, dass die Führungsspitzen der 55 europäischen Verbände zusammenkommen werden, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. DFB-Präsident Bernd Neuendorf übte in einem Interview scharfe Kritik an Infantino und darauf hin, dass das FIFA-Council nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden wurde. Er forderte die europäische Einheit und äußerte die Überzeugung, dass die FIFA ohne geschlossene Front der UEFA Schwierigkeiten haben könnte, Investoren zu gewinnen.
Die Unterstützung für Infantino ist fraglich
Obwohl die UEFA und andere Verbände Bedenken anmelden, könnte es ihnen schwerfallen, eine einheitliche Position zu beziehen. Einige Verbandspräsidenten, wie David Trunda aus Tschechien, sehen Vorteile in den Plänen und möchten mit Infantino kooperieren. Auch in Afrika und bei wohlhabenden Verbänden in Asien könnte Infantino auf Zustimmung hoffen.
Frühere Versuche und deren Widerstand
Bereits 2018 wurden ähnliche Pläne von Infantino initiiert, als er mit einer japanischen Großbank und dem saudi-arabischen Staatsfonds über eine Finanzierung von 25 Milliarden US-Dollar für internationale Klub-Weltmeisterschaften verhandelte. Auch damals gab es Widerstand von der UEFA, die ihre Champions League verteidigen wollte. In Deutschland wurden ebenfalls Versuche unternommen, Investoren zu gewinnen, wobei ein ähnliches Modell vorgesehen war, das die Vermarktung von Medienrechten betraf. Hans-Joachim Watzke hatte sich damals für dieses Modell ausgesprochen und bezeichnete die FIFA-Pläne als Angriff auf den Fußball.
Quellen: sportschau, manager magazin
Bildquelle: depositphotos








