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Andreas Wellinger gewinnt Silber bei Skisprung-WM in Trondheim

Deutschland feiert nach langer Durststrecke den Erfolg, während der Druck vom Team abfällt und die Chancen auf weitere Medaillen steigen.

Das Siegerpodium mit (v.l.): Wellinger, Lindvik, Hörl
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Andreas Wellinger wirkte nach seinem Silber-Coup im Dauerregen von Trondheim vollkommen perplex. Während der norwegische Wahnsinn mit Weltmeister Marius Lindvik um Wellinger herum tobte, fasste der Olympiasieger seinen WM-Erfolg mit einem Satz so treffend wie ungläubig zusammen: «Das ist Skispringen.» Zwei Monate Krise und Kritik, in diesem Kalenderjahr noch überhaupt kein Podestplatz und nun? Platz zwei!

«Macarena» im Dauerregen

«Ich bin mega happy. Acht Wochen lief es ziemlich beschissen. Ich habe Silber gewonnen – und definitiv nicht Gold verloren», sagte der 29-Jährige, der nur 2,3 Punkte hinter dem norwegischen Champion Lindvik landete. Bronze ging an Jan Hörl aus Österreich. Auch Bundestrainer Stefan Horngacher, der in der Kritik steht, wirkte bei dem Skisprung-Festival mit Musik-Klassikern wie «Macarena» erleichtert. 

https://x.com/FISskijumping/status/1896256306727850057

«Ich bin total leer irgendwie. Es war ein super Sprung vom Andi. Die Jungs haben einen tollen Job gemacht. Wir haben richtig gearbeitet», sagte Horngacher im ZDF. Der Chefcoach aus Österreich wurde nach dem hochklassigen Springen vom kompletten Team umarmt. Von allen fiel eine Menge Druck ab, nachdem seit der Vierschanzentournee die Misserfolge zur Regel geworden waren.

Horngacher: Belohnung «fürs ganze Team»

Noch wenige Tage vor dem WM-Einzel hatte Sven Hannawald bei «ran.de» gesagt, die Deutschen hätten große Probleme mit dem Material und der Technik. «Und deshalb springen die Deutschen im Moment wie der letzte Weihnachtsbaum», befand der TV-Experte. Horngacher sagte nun, man habe eine «extrem schwierige Zeit» hinter sich. «Das ganze Team ist belohnt worden.» Nun dürfe man «ein bissl feiern».

Viel fehlte nicht, dann hätte Deutschland sogar zwei Medaillen bejubeln dürfen. Karl Geiger belegte Rang vier und verpasste nur knapp eine große Überraschung. «Ich bin stolz auf meine Leistung. Ein vierter Platz bei der WM ist natürlich bitter», sagte Geiger. Für die weiteren Wettbewerbe sind die Chancen bei solchen Leistungen exzellent. Allerdings erfolgt nun der Wechsel auf die Großschanze.

In Wellingers ereignisreicher Laufbahn ist dies ein weiterer bedeutender Meilenstein. Bereits mit 18 Jahren wurde der Ruhpoldinger in Sotschi Teil des russischen Team-Olympiasiegers – es folgten weitere Medaillen und ein sportlicher Absturz, der mit einem Kreuzbandriss in Verbindung stand. Seine größten Erfolge feierte Wellinger bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang mit Gold im Einzel und 2023 in Oberstdorf, als er den Vierschanzentournee-Auftakt gewann. Auch die Silbermedaille im Regen von Trondheim wird unvergessen bleiben.

Hoffnung für Mixed am Mittwoch

Das deutsche Skisprung-Team hat zur Halbzeit der WM bereits drei Medaillen in drei Wettbewerben gewonnen und liegt gut im Zeitplan. Besonders gut in Form sind die Frauen um Selina Freitag, die zuerst Silber im Einzel holte und dann als Schlussspringerin das Team zu Bronze hinter Norwegen und Österreich führte. Dies lässt auch auf ein erfolgreiches Mixed am Mittwoch (16.00 Uhr) hoffen.

«Ich weiß nicht, woher die Coolness kommt. Aber es ist auf jeden Fall gerade ziemlich schön und leicht, hier zu springen», sagte Freitag nach ihrem Medaillen-Doppelpack. Neben der 23 Jahre alten Sächsin waren auch Katharina Schmid, Juliane Seyfarth und Agnes Reisch Teil des Bronze-Teams von Trondheim.

Nach dem ersten Einzel in der zweiten WM-Woche stehen für die Skispringer drei weitere Entscheidungen auf der Großschanze an. Am Donnerstag folgt das Teamspringen nach dem Mixed. Den Abschluss bildet die Suche nach dem Einzel-Weltmeister von Trondheim am Samstag.

dpa