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Wie geht es im DFL-Investoren-Streit weiter?

Die anhaltenden Proteste gegen den Investoren-Einstieg zeigen erste Wirkung. Die Fanszenen wollen dran bleiben, einige Clubs für mehr Transparenz sorgen.

Die Debatte im deutschen Fußball über einen Investoren-Einstieg hält an.
Foto: Michael Schwartz/dpa

Während die Debatte über eine mögliche neue Abstimmung intensiv geführt wird, könnten in den Stadien erneut Tennisbälle als Protest gegen den Investoren-Einstieg bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) fliegen.

Ein Finanzinvestor soll der DFL eine Milliarde Euro zahlen, um sich an den TV-Erlösen prozentual zu beteiligen. Im Dezember hatten die 36 Proficlubs diesem Vorschlag zugestimmt. Allerdings protestieren Fans seit Wochen in den Stadien dagegen und führen zu längeren Spielunterbrechungen. Sie kritisieren die mangelnde Transparenz und befürchten die Folgen einer Investorenbeteiligung.

Wie positionieren sich die Vereine?

In der Mitte der Woche äußerte sich Claus Vogt, der Präsident des VfB Stuttgart, dafür, dass eine erneute Abstimmung stattfinden solle. Er erklärte dem Pay-TV-Sender Sky, dass dies eine mögliche Maßnahme zur Beruhigung der Fan-Proteste sein könnte.

Union Berlins Dirk Zingler unterstützte die Idee in der «Welt» ebenfalls: «Denn ohne sattelfeste Legitimation gibt es keine Akzeptanz.» Auch die Zweitligisten Hertha BSC und der Karlsruher SC zeigten sich offen für ein neues Votum. Der VfL Osnabrück bemängelte die mangelnde Transparenz bei der Abstimmung im Dezember.

Der Großteil der Clubs aber hat sich bislang nicht zu den Forderungen geäußert. Der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel sagte über die Proteste, dass die Kritik einiger Fans angekommen sei. «Man sollte es irgendwann aber mal beenden, sonst hat das mit Fußball nicht mehr viel zu tun.»

Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann kritisierte in der Debatte eine «gewisse Scheinheiligkeit» bei den Anhängern. Der deutsche Fußball drohe, den Anschluss im europäischen Wettbewerb zu verlieren.

Könnte es überhaupt eine neue Abstimmung geben?

Nach Einschätzung des Sportrechtlers Paul Lambertz ist das möglich. «Vom Grundsatz her könnten sie noch mal eine Abstimmung machen. Es braucht dafür eine Mitgliederversammlung», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung könnte etwa das DFL-Präsidium aus wichtigem Grunde einberufen, «oder es gibt ein Minderheitenbegehren, wenn zehn Mitglieder der DFL das verlangen», so der Sportrechtler. Er sagte jedoch auch: «Der Beschluss ist meines Erachtens rechtmäßig zustande gekommen.»

Warum ist die Abstimmung aus dem Dezember umstritten?

Beim geheimen Votum der 36 Proficlubs für den Deal gab es genau die 24 Ja-Stimmen, die für eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig waren. Zwölf Clubvertreter gaben später öffentlich an, entweder mit Nein gestimmt oder sich enthalten zu haben. Wenn alle dabei die Wahrheit gesagt haben, hätte der Geschäftsführer des Profifußballs, Martin Kind, für Hannover 96 mit Ja gestimmt, obwohl ihm die Führung des Muttervereins Hannover 96 e.V. angewiesen hatte, gegen den Antrag zu stimmen.

Im vorliegenden Fall hätte das Kind dem umstrittenen Antrag zur Mehrheit verholfen und auch gegen die 50+1-Regel im deutschen Profifußball verstoßen. Der Unternehmer selbst verweist auf die geheime Abstimmung und macht keine Angaben zu seiner Stimmabgabe.

Wie reagiert die DFL?

Der Liga-Verband lud am Donnerstag Vertreter der Fanszenen zu Gesprächen ein. «Einhergehend mit dem Recht der Mitsprache müssen wir uns alle der Verantwortung stellen, sich intensiv auch mit kritischen Themen auseinanderzusetzen», hieß es in einem Statement, allerdings auch: «Nicht jeder Austausch kann garantieren, dass alle Gesprächspartner im Anschluss einer Meinung sind.» Bereits im November gab es laut DFL einen solchen Austausch zwischen der Geschäftsführung und Fan-Vertretern.

Die DFL versuchte in der Mitteilung, Bedenken der Fanszenen zu entkräften. «Es gibt keinen «Ausverkauf», keinen Kontrollverlust und keinen Abschied von 50+1 – und daher auch keinen Anlass für Horrorszenarien.» Zu Forderungen aus einigen Clubs nach einer neuen Abstimmung äußerte sich der Liga-Verband nicht.

Warum lehnen die Fan-Vertreter das Angebot ab?

Sie sehen in dem Gesprächsangebot keine echte Chance auf ein Entgegenkommen der DFL. «Das jetzige Dialog-Angebot ist kein Umdenken. Es ist ein Feigenblatt. Denn es enthält kein Angebot für Verhandlungen», teilten verschiedene Fan-Organisationen in einem gemeinsamen Statement mit.

Dazu sieht die Fan-Seite erste Wirkung der Proteste durch das Umdenken bei einigen Clubs. «Wir – alle bundesweiten Fanorganisationen – fordern die DFL-Führung auf, endlich die Proteste in den deutschen Stadien ernst zu nehmen und in daraus folgender Konsequenz umgehend eine offene und damit transparente Neuabstimmung zum DFL-Investoren-Deal einzuleiten», hieß es.

Was ist am Wochenende in den Stadien zu erwarten?

Die Aktionen werden weitergehen. Ein erster Spielabbruch erscheint möglich. «Ein weiteres Aussitzen der Proteste ist keine Option. Je länger die Proteste ignoriert werden, desto geschlossener werden wir für eine Neu-Abstimmung einstehen», stand in der Mitteilung der Fan-Vertreter.

Auch ein Fan-Vertreter von Hannover 96 kündigte an, die Proteste fortzusetzen und möglicherweise auch einen Spielabbruch in Kauf zu nehmen. Man habe sich «für diese Form des Protests entschieden. Und solange der Investoren-Einstieg nicht vom Tisch ist, werden wir weitermachen», er der «Neuen Presse».

dpa