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Wieder mehr Star-Einkäufe und «Wettbewerbsverzerrung»

Der Transfermarkt nähert sich nach der großen Corona-Krise langsam wieder dem alten Niveau an. Die Bayern und der BVB ersetzen prominente Abgänge mit neuen Stars. Ein Trainer sieht das Transferfenster kritisch.

Sieh das ausgedehnte Transferfenster kritisch: Leipzig-Coach Domenico Tedesco.
Foto: Jan Woitas/dpa

Die Superstürmer Robert Lewandowski und Erling Haaland sind weg, Sadio Mané, Karim Adeyemi und weitere neue Top-Attraktionen sorgen in der Bundesliga jetzt für Action: Vor allem Bayern München und BVB nutzten das Transferfenster in diesem Sommer für hochkarätige Einkäufe.

Allein die beiden Branchengrößen gaben zusammen knapp 230 Millionen Euro für neue Fußballer aus und nahmen rund 200 Millionen Euro ein. Auch am letzten und traditionell besonders hektischen Tag der Transferperiode wechselten noch namhafte Spieler ihre Arbeitgeber.

So spielt Manuel Akanji nun wie Haaland nicht mehr für den BVB, sondern für Manchester City. Dessen Lokalrivale Manchester United gab noch einmal eben fast 100 Millionen Euro für den Brasilianer Antony aus. In der Bundesliga waren Nationalspieler Julian Weigl, den Borussia Mönchengladbach von Benfica Lissabon auslieh, und Abdou Diallo, der auf Leihbasis von Paris Saint-Germain zu RB Leipzig wechselte, die prominentesten Neuverpflichtungen des Schlusstages.

FC Bayern bei Einnahmen und Ausgaben an der Spitze

Bei immer geringeren Auswirkungen der Corona-Krise und unter dem Eindruck wieder steigender Zuschauereinnahmen investierten die Vereine mehr Geld in neue Profis als zuletzt. Das Volumen des Rekordsommers 2019 mit Ausgaben der Bundesligisten von knapp über 700 Millionen Euro wurde zwar auch diesmal klar nicht erreicht. Ein deutlicher Trend ist aber zu sehen: Nach rund 270 Millionen 2020 und knapp 400 Millionen 2021 gaben die 18 Clubs nun knapp 480 Millionen Euro für neue Fußballer aus. Wie schon in den beiden Vorjahren erwirtschafteten sie bei Einnahmen von gut 520 Millionen Euro dabei sogar noch ein Plus.

Wie in der aktuellen sportlichen Tabelle liegen die Bayern auch bei Einnahmen und Ausgaben an der Spitze. Mit Matthijs de Ligt, der für 67 Millionen Euro von Juventus Turin kam, leisteten sie sich den teuersten Zugang aller Erstligisten. Auf der Einnahmeseite wurde der Transfer von Robert Lewandowski für 45 Millionen Euro zum FC Barcelona nur von Dortmunds Haaland übertroffen, den sich Englands Meister Man City 75 Millionen Euro kosten ließ.

Als Haaland-Ersatz holte Dortmund neben Adeyemi Mittelstürmer Sébastien Haller von Ajax Amsterdam. Wegen eines bösartigen Hodentumors gibt es für den 28-Jährigen allerdings derzeit Wichtigeres als Fußballspielen.

Vielbeachtet war zudem RB Leipzigs Rückholaktion von Nationalstürmer Timo Werner. Am wenigsten von allen Bundesligisten, nämlich weniger als eine Million Euro, gab der VfL Bochum für Spieler aus. Der VfL ist derzeit punktlos Tabellenletzter.

Transfergebaren des FC Barcelona sorgte für Unverständnis

Noch mehr Geld als die Bayern investierte unter anderen der spanische Spitzenclub Barcelona. Das Transfergebaren der Katalanen sorgte international für reichlich Aufmerksamkeit und Unverständnis. Der hochverschuldete Verein verpflichtete nicht nur Weltfußballer Lewandowski, sondern unter anderen auch den Brasilianer Raphinha von Leeds United und Jules Koundé vom FC Sevilla. Die drei kosteten Barça mehr als 150 Millionen Euro Ablöse. «Es ist der einzige Club in der Welt, der kein Geld hat, aber jeden Spieler kauft, den er will», hatte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann im Juli gesagt. «Es ist irgendwie komisch, irgendwie verrückt.»

Wie immer war das geöffnete Transferfenster auch die Zeit für wilde Gerüchte und jede Menge angebliche Insider-Informationen. Wie immer galt: Manchmal stimmte es, häufig stimmte es nicht. Reichlich Wirbel verursachten beispielsweise Spekulationen über die Zukunft von Superstar Cristiano Ronaldo. Unter anderen wurden der FC Bayern und der BVB als mögliche neue Verein des Portugiesen gehandelt. Letztendlich blieb Ronaldo bei Manchester United.

RB-Coach Tedesco beklagt «Wettbewerbsverzerrun»

Neben möglichen Wechseln war auch die Transferphase selbst Gegenstand von Debatten. Der durch die Weltmeisterschaft im November und Dezember bedingte frühe Ligastart in Kombination mit dem lange geöffneten Transferfenster sorgte für Diskussionen und Planungsschwierigkeiten bei den Clubs.

«Ich wünsche mir schon, dass das Transferfenster nicht so lang ist», sagte Leipzigs Trainer Domenico Tedesco. Man hätte dann mehr Ruhe. «Die Spieler selbst wissen manchmal nicht, was passiert heute noch mit mir. Hinzu kommt der Punkt Wettbewerbsverzerrung.» Als Beispiel nannte er die Partie seines Teams beim VfB Stuttgart (1:1). «Wir spielen in Stuttgart und haben Sasa Kalajdzic verteidigen müssen, Kalajdzic ist jetzt bei Wolverhampton. Die ersten drei Gegner vom VfB haben Sasa Kalajdzic verteidigen müssen, die restlichen halt nicht.»

Hertha-BSC-Geschäftsführer Fredi Bobic freut sich, dass der heftigste Stress nun bis zum kommenden Winter vorbei ist. «Der Großteil ist geschafft, jetzt kann ich endlich mal wieder zum Friseur», sagte er.

dpa