Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Wird «heiß hergehen»: Bayer rechnet mit provokanten Römern

Es wird sicher kein Halbfinal-Rückspiel wie im Vorjahr werden. Aber wohl ein auf andere Weise aufgeladenes und emotionales Duell zwischen Leverkusen und Rom.

Florian Wirtz (l) und Co. gewannen das Hinspiel in Rom 2:0.
Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

Es ist unwahrscheinlich, dass es dieses Mal Zeitverzögerungen und Schauspielerei geben wird. Das unsportliche Verhalten der AS Rom im Halbfinal-Rückspiel der Europa League im letzten Jahr hat viele bei Bayer Leverkusen verärgert und vor dem Hinspiel der Neuauflage für Emotionen gesorgt.

Trotz einer möglichen Veränderung der Philosophie nach dem Abgang von Trainer José Mourinho werden die Römer am Donnerstag in Leverkusen (21.00 Uhr/RTL) nicht so provokant auftreten können, wie zuvor. Der deutsche Meister hat dafür gesorgt, dass die Italiener nach dem 2:0-Sieg in Rom nun selbst in die Offensive gehen müssen. In Leverkusen bereitet man sich jedoch verstärkt auf Nickeligkeiten und Provokationen vor.

Hitzige Römer, coole Leverkusener

«Sicher werden sie nicht von Anfang an so auf Zeit spielen wie im Vorjahr», sagte Sportchef Simon Rolfes. Und ergänzte mit einem Lachen: «Ob es viel ruhiger wird, weiß ich aber nicht.» Denn schon im Hinspiel war zu spüren, dass mit der Erfahrung des Vorjahres bei Bayer noch eine Rechnung offen ist. Und dass die Roma mit ihren Mitteln dagegenhielt. «Wir haben die Provokation gut in Energie umgemünzt und sind nicht dumm geworden», sagte Nationalspieler Robert Andrich, Schütze des zweiten Tores: «Aber ich denke, im Rückspiel wird es auch noch mal heiß hergehen.»

Man habe «grundsätzlich schon gemerkt, dass die Roma versucht hat, sich ein paar Fouls sozusagen zu erschleichen», sagte Rolfes, und dem sonst so gemäßigten Geschäftsführer ist durchaus noch Ärger und Skepsis anzumerken. Der Schiedsrichter habe im Gegensatz zum Vorjahr aber «besser reagiert», sagte er deshalb nicht ohne Unterton, «weil er nicht auf die Sachen eingegangen ist, die Provokationen beruhigt hat und nicht jedes Hinfallen als Foul gewertet hat. So ist das Spiel am Ende auch vernünftig und mit Sportgeist über die Bühne gegangen.»

Alonsos Warnung

Mit welchen erlaubten bis grenzwertigen Mitteln das leidenschaftliche Roma-Team arbeitet, ließ Trainer Daniele De Rossi, selbst einst ein sehr körperlicher Spieler, nach dem Hinspiel ungeniert durchblicken. «Die erste Halbzeit hat mir gefallen», hatte die im Januar zum Chefcoach beförderte Vereinsikone gesagt: «Da waren wir aggressiv und haben sie zum Treten gezwungen.» Und vor dem Rückspiel kündigte er an: «Wir müssen mehr attackieren und eine ähnliche Leistung wie in der ersten Halbzeit zeigen.»

Da muss Bayer wie im Hinspiel dagegenhalten, denn ein frühes Gegentor könnte die gute Ausgangsposition schnell ins Wanken bringen. Auch deshalb warnte Trainer Xabi Alonso – als Spieler eleganter, aber ähnlich zweikampfresistent wie De Rossi – sein Team eindringlich davor, den Finaleinzug als Formsache anzusehen. «Sie haben nichts zu verlieren, wir haben alles zu verlieren», sagte er: «Manchmal ist das eine schwere Situation. Ich habe schon viele Comebacks gesehen. Aber wir sind bereit.»

Bayer bereit für Historisches

Für beide Teams steht viel auf dem Spiel und für Bayer sogar Historisches. Nachdem sie vorzeitig die erste deutsche Meisterschaft gewonnen haben, streben sie nach dem Endspiel des DFB-Pokals am 25. Mai gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern auch das drei Tage zuvor stattfindende Europa-League-Finale gegen Olympique Marseille oder Atalanta Bergamo (Hinspiel 1:1) in Dublin an. Das Ziel ist das Triple.

«Wir haben in jedem Wettbewerb noch große Ziele zu erreichen», sagte Alonso, die Bundesliga wegen der möglichen Unschlagbarkeit bis zum Saisonende bewusst einbeziehend: «Das ist ein großes Spiel für uns. Wir haben die Chance, in ein Europa-League-Finale einzuziehen. Und wir sind sehr nahe dran.»

dpa