Alexander Zverev untermauert seine Titelambitionen mit einem verdienten Sieg gegen den Rekordchampion. Rafael Nadal verabschiedet sich so früh wie nie in Paris – und vermutlich für immer.
Zverev besiegt Nadal im Erstrunden-Showdown der French Open

Alexander Zverev schaute fast schuldbewusst über das Netz zum geschlagenen Sandplatzkönig und verzichtete auf jede Jubelgeste. «Das ist nicht mein Moment, das ist Rafas Moment», sagte Zverev. Der deutsche Tennisstar hat das mit Spannung erwartete Sand-Spektakel bei den French Open gegen Rafael Nadal gewonnen und dem Rekordchampion bei dessen vermutlich letztem Auftritt in Paris einen bitteren Abschied beschert.
Der 27-jährige Zverev setzte sich in Nadals «Wohnzimmer» Court Philippe Chatrier beim packenden Erstrunden-Showdown mit 6:3, 7:6 (7:5), 6:3 gegen den spanischen Sandplatzkönig durch. In der zweiten Runde trifft Zverev auf den Sieger des Matches zwischen dem Belgier David Goffin und Giovanni Mpetshi Perricard aus Frankreich. Doch sein gewonnenes Duell mit Nadal dürfte noch lange nachwirken.
Zverev hat nach 3:05 Stunden seinen ersten Matchball gegen den 14-maligen Turniersieger verwandelt und damit deutlich seine Ambitionen auf den Titel unterstrichen. Der Hamburger hat außerdem erfolgreich Revanche für das Halbfinal-Drama 2022 genommen. Damals hatte er zunächst dem späteren Sieger Nadal auf Augenhöhe gegenübergestanden, war dann aber auf der roten Asche umgeknickt und schließlich mit dem Rollstuhl vom Platz geschoben worden.
Karriereende naht
Der 37-jährige Nadal erlebte bei seinem 19. French-Open-Start sein erstes Erstrunden-Aus. Es war sein insgesamt 116. Match und erst das vierte Mal, dass er bei seinem Lieblingsturnier, das er fast zwei Jahrzehnte geprägt hat wie kein Zweiter, verlor. Seine ruhmreiche Karriere wird nach der Saison höchstwahrscheinlich enden.
Das «Popcorn»-Match, wie die Veranstalter den Showdown angekündigt hatten, wollten sich auch die Weltranglistenersten Novak Djokovic und Iga Swiatek nicht entgehen zu lassen. Der Serbe und die Polin, die sogar Erinnerungsfotos machte, sahen auf der Tribüne genau wie die anderen rund 15.000 Zuschauer einen intensiven Schlagabtausch.
Nadal begann nervös. Ein kleiner Fehler beim Stopp, ein Doppelfehler und eine Rückhand ins Netz – sofort gab er das Break zum 0:1 ab. Nach dem ersten Spielgewinn zum 1:2 wurde der Publikumsliebling frenetisch gefeiert, aber Zverev blieb unbeeindruckt und nahm Nadal ein zweites Mal den Aufschlag zum ersten Satzgewinn ab.
Nadal heizt die Fans an
Nachdem Nadal im zweiten Satz zwei Breakbälle erfolgreich abgewehrt und zum 2:2 ausgeglichen hatte, feuerte Nadal das Publikum an. Er sprang in die Luft und ermutigte die Fans zu noch mehr Stimmung. Auch Ehefrau Xisca Perelló feuerte lautstark mit. Es hatte die gewünschte Wirkung: Euphorisiert breakte Nadal im Anschluss seinen deutschen Gegner. Als er beim Stand von 5:4 zum Satzgewinn aufschlug, zeigte jedoch wieder Zverev sein Können, der auch im Tiebreak die Nerven behielt.
«Spiele gegen den Spieler und nicht gegen den Mythos!», hatte Tennis-Ikone Boris Becker der deutschen Nummer eins vor dem Match geraten. Zverev blieb zumindest cool, als Nadal im dritten Satz ein Break zum 2:0 holte. Am Ende machte sich die bessere Fitness beim Deutschen deutlich bemerkbar. Mit einem sensationellen Rückhand-Passierball holte er sich das vorentscheidende Break zum 4:3.
Möglich wurde das frühe Top-Duell, weil Nadal – aktuell nur die Nummer 275 der Welt – aufgrund seiner langen Ausfallzeit wegen diverser Verletzungen erstmals ungesetzt in sein Lieblingsturnier ging und dem Weltranglisten-Vierten Zverev zugelost wurde. Das entspräche zwar den Regeln, sei aber «verrückt», wetterte der frühere Tennisstar John McEnroe.
Einmal dürfte Nadal noch mal nach Roland Garros zurückkommen, wenn hier in der ersten Olympia-Woche das Tennisturnier der Sommerspiele von Paris stattfindet. Doch ein 20. Start bei den French Open scheint nahezu ausgeschlossen, wie Nadal selbst am vergangenen Samstag bestätigte. Die Wahrscheinlichkeit sei «sehr, sehr groß, dass es mein letztes Mal in Roland Garros ist», sagte er.








