Vom Smartphone-Hersteller zum Autobauer: Xiaomi feiert auf der IFA 2026 in Berlin seine große Premiere und macht dabei deutlich, wohin die Reise geht. Neben Hunderten Technikprodukten stehen ausgerechnet die Elektroautos im Rampenlicht. Schon 2027 sollen Xiaomi-Fahrzeuge auch in Deutschland verkauft werden. Die ersten Partner für Vertrieb und Werkstätten stehen bereits fest.
Xiaomi greift Deutschland an: Smartphone-Gigant zeigt auf der IFA 2026 seine Elektroautos

Xiaomi feiert seine große IFA-Premiere
Xiaomi ist 2026 erstmals mit einem eigenen großen Auftritt auf der IFA in Berlin vertreten. Und der chinesische Technologiekonzern lässt sich bei seiner Premiere nicht lumpen.
Auf mehr als 3.300 Quadratmetern präsentiert Xiaomi nach eigenen Angaben über 380 Produkte, Technologien und Live-Demonstrationen. Besucher bekommen Smartphones, Haushaltsgeräte, Smart-Home-Produkte, künstliche Intelligenz und erstmals auch die Elektroautos des Unternehmens zu sehen.

Damit zeigt Xiaomi in Berlin, wie stark sich der Konzern in den vergangenen Jahren verändert hat. Das Unternehmen ist längst nicht mehr ausschließlich für Smartphones, Tablets oder Smartwatches bekannt.
Ein Geschäftsbereich steht auf der IFA besonders im Mittelpunkt: Xiaomi Auto.
Xiaomi-Autos kommen 2027 nach Deutschland
Für deutsche Autofahrer ist der Auftritt besonders interessant. Xiaomi hat bestätigt, seine Elektroautos ab 2027 in Deutschland und weiteren europäischen Ländern anbieten zu wollen.
Der Konzern bereitet diesen Schritt bereits konkret vor.
Auf der IFA wurden Absichtserklärungen mit acht deutschen Autohandelsgruppen unterzeichnet. Dazu gehören Emil Frey Germany, die Ernst-Dello-Gruppe, Autohaus Dinnebier, Hahn Automobile, die Lueg-Mobility-Gruppe, Fett & Wirtz, SPT Avior und Penske-Jacobs.

Über diese Kooperationen soll ein Verkaufs- und Servicenetz entstehen. Xiaomi setzt beim europäischen Markteintritt damit auch auf etablierte Autohändler und deren bestehende Infrastruktur.
Yu Liguo, Vice President von Xiaomi Auto und verantwortlich für das Auslandsgeschäft, betonte im Zusammenhang mit dem Europastart, dass das Unternehmen langfristig in Europa investieren wolle.
Ein Forschungs- und Entwicklungszentrum betreibt Xiaomi bereits in München.
SU7 Ultra wird zum Hingucker auf der IFA
Wer wissen möchte, wie ernst Xiaomi das Autogeschäft nimmt, bekommt auf der IFA einen Vorgeschmack.
In Berlin zeigt das Unternehmen unter anderem den Xiaomi SU7 Max und den besonders leistungsstarken SU7 Ultra.

Der SU7 Ultra ist eines der technologischen Aushängeschilder des Konzerns. Das Elektroauto sorgte bereits auf der Nürburgring-Nordschleife für Aufmerksamkeit. Im April 2025 stellte das Serienmodell dort einen offiziellen Rundenrekord in der Kategorie der elektrischen Oberklassefahrzeuge auf.
Damit versucht Xiaomi, seine Autos nicht ausschließlich über digitale Funktionen und Vernetzung zu positionieren. Auch Leistung und Fahrdynamik sollen eine wichtige Rolle spielen.
Elektro-Hypercar sorgt für Aufsehen
Noch spektakulärer sieht ein weiteres Fahrzeug am Xiaomi-Stand aus.
Mit dem Xiaomi Vision Gran Turismo präsentiert das Unternehmen eine futuristische Elektro-Hypercar-Studie. Das Konzept entstand für die Rennspielserie „Gran Turismo“.

Das Fahrzeug zeigt, welche Vorstellungen Xiaomi bei Themen wie Aerodynamik, Design und digitaler Interaktion verfolgt.
Ein unmittelbar bevorstehendes Serienfahrzeug ist das Vision Gran Turismo allerdings nicht. Vielmehr handelt es sich um eine Zukunftsstudie, mit der Xiaomi demonstriert, wie weit der Konzern inzwischen über klassische Unterhaltungselektronik hinausdenkt.
Mehr als 700.000 Xiaomi-Autos bereits ausgeliefert
Dass der Einstieg in die Autoindustrie längst mehr als ein Experiment ist, zeigen die Verkaufszahlen aus China.
Xiaomi brachte seine erste SU7-Limousine im März 2024 auf den chinesischen Markt. Seitdem hat das Unternehmen nach eigenen Angaben auf dem chinesischen Festland mehr als 700.000 Fahrzeuge ausgeliefert.
Damit hat Xiaomi innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit eine bedeutende Position im chinesischen Elektroautomarkt aufgebaut.
Das Unternehmen konzentriert sich dabei nicht auf besonders günstige Kleinwagen. Xiaomi versucht vielmehr, sich mit Technologie, Leistung und Ausstattung im höherwertigen Marktsegment zu etablieren.
Smartphone, Wohnung und Auto sollen miteinander sprechen
Die Autos sind gleichzeitig ein entscheidender Bestandteil einer viel größeren Xiaomi-Strategie.
Das Unternehmen nennt sein Konzept „Human × Car × Home“. Dahinter steckt die Idee, Smartphone, Auto und das vernetzte Zuhause zu einem gemeinsamen digitalen Ökosystem zu verbinden.
Ein Beispiel dafür zeigt Xiaomi auf der IFA.
Während ein Nutzer mit seinem Fahrzeug nach Hause fährt, könnten Informationen wie Standort, Uhrzeit oder Wetter genutzt werden, um bereits vor der Ankunft bestimmte Funktionen im Haus zu aktivieren. Beleuchtung oder Klimatisierung könnten entsprechend vorbereitet werden.
Das Auto wäre damit nicht länger ein isoliertes Produkt, sondern ein weiterer Bestandteil des persönlichen Techniksystems.
Die Grundlage dafür bildet unter anderem Xiaomis HyperOS-Plattform.
Über eine Milliarde Geräte sind bereits vernetzt
Xiaomi verfügt für diese Strategie über eine enorme Ausgangsbasis.
Nach Angaben des Unternehmens umfasst seine AIoT-Plattform weltweit inzwischen mehr als 1,16 Milliarden vernetzte Geräte.
Vom Smartphone über Fernseher und Wearables bis zum Staubsauger, Haushaltsgerät und künftig auch Auto möchte Xiaomi möglichst viele Bereiche des Alltags miteinander verbinden.
Künstliche Intelligenz soll dabei eine immer wichtigere Rolle übernehmen.
Das Unternehmen präsentiert seinen IFA-Auftritt entsprechend unter dem Motto „Die aufkommende Welle der KI“.
Auch Mijia soll in Europa größer werden
Neben den spektakulären Autos baut Xiaomi sein Geschäft mit Haushaltsgeräten weiter aus.
Die Marke Mijia soll in Europa stärker etabliert werden. Xiaomi bietet darunter zahlreiche Produkte für den Haushalt an und versucht, diese möglichst eng in sein digitales Ökosystem einzubinden.
Auf der IFA demonstriert das Unternehmen damit, dass die Strategie weit über Smartphones und Elektroautos hinausgeht.
Auch bei Halbleitern will Xiaomi unabhängiger werden. Der Konzern arbeitet mit der XRING-Reihe an eigenen Chips und möchte diese Technologie ebenfalls weiterentwickeln.
Xiaomi fordert Samsung, Apple und jetzt auch Autobauer heraus
Der IFA-Auftritt macht deutlich, wie ungewöhnlich breit Xiaomi inzwischen aufgestellt ist.
Im Smartphone-Geschäft gehört das Unternehmen bereits zu den größten Herstellern der Welt. Nach Samsung und Apple liegt Xiaomi bei den weltweiten Smartphone-Verkäufen in der Spitzengruppe.
Nun versucht der Konzern, ein ähnliches Erfolgsmodell auf andere Produktbereiche zu übertragen.
Dabei trifft Xiaomi plötzlich auf völlig andere Konkurrenten. Bei Smartphones sind es Samsung und Apple, bei Haushaltsgeräten etablierte Marken wie Bosch, Siemens oder Miele und im Elektroautomarkt Hersteller wie Tesla, Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz sowie zahlreiche chinesische Wettbewerber.

Der deutsche Automarkt wird für Xiaomi entscheidend
Der geplante Verkaufsstart 2027 dürfte deshalb zu einem wichtigen Test für die internationale Auto-Strategie werden.
Deutschland ist nicht nur einer der größten Automärkte Europas, sondern gleichzeitig Heimat einiger der bekanntesten Fahrzeughersteller der Welt.
Xiaomi muss hier beweisen, dass sich der Erfolg aus China auf europäische Kunden übertragen lässt.
Dabei geht es nicht allein um Beschleunigung, Reichweite oder digitale Funktionen. Für einen nachhaltigen Markterfolg braucht Xiaomi ein zuverlässiges Werkstattnetz, Ersatzteilversorgung, Service und Ansprechpartner vor Ort.
Die Kooperation mit den acht deutschen Handelsgruppen ist deshalb ein wichtiger Schritt.
IFA wird plötzlich auch zur Automesse
Dass Xiaomi ausgerechnet die IFA für diesen Auftritt nutzt, zeigt gleichzeitig, wie stark sich die Grenzen zwischen klassischer Unterhaltungselektronik und Autoindustrie verschieben.
Moderne Elektroautos bestehen längst nicht mehr nur aus Motor, Batterie und Fahrwerk. Software, Displays, Apps, künstliche Intelligenz und die Vernetzung mit anderen Geräten werden immer wichtiger.
Für einen Konzern wie Xiaomi ist das Auto deshalb die konsequente Erweiterung eines bereits bestehenden Technologie-Ökosystems.
Auf der IFA 2026 in Berlin können Besucher nun erstmals selbst sehen, wie diese Strategie aussehen soll. In Halle 6.2 präsentiert Xiaomi seine Produkte und Technologien.
Und während Smartphones, Smart-Home-Produkte und Haushaltsgeräte weiterhin einen großen Teil des Standes ausmachen, dürfte für viele Besucher vor allem eine Frage spannend sein: Wie gut sind die Xiaomi-Autos, die bereits 2027 auf deutschen Straßen fahren sollen?








