Am frühen Morgen brennt eine Kabelbrücke über den Teltowkanal am südwestlichen Stadtrand der Hauptstadt. Die Folgen sind verheerend. Was steckt dahinter?
Zehntausende in Berlin ohne Strom und Heizung

Eine Passantin steht am Samstagmorgen ratlos vor einem geschlossenen Aldi-Markt in Berlin-Lichterfelde. Seit dem frühen Morgen ist für gut 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe im Südwesten der Hauptstadt wegen des Brands an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal der Strom ausgefallen. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung. Und wieder zeigt sich: Ohne Elektrizität läuft im Alltag wenig.
Die Ampeln funktionieren nicht, die Supermärkte sind geschlossen – nicht nur der Aldi am S-Bahnhof Sundgauer Straße, sondern auch die Märkte der Konkurrenz nebenan. Die Polizei ist mit Lautsprecherwagen unterwegs und informiert die Anwohner mit Ansagen. Ausgerechnet an diesem Morgen fällt Schnee in Berlin.
Alles dunkel
Früh am Morgen fällt zuerst auf, wie dunkel es ohne Beleuchtung in Häusern und Straßen sein kann. Bei Tageslicht wirkt alles fast idyllisch. Einige Passanten in Lichterfelde vertreiben sich die Zeit mit einer Schneeballschlacht. Doch für die meisten Betroffenen ist das alles kein Spaß.
«Aufgrund des Stromausfalls kann es auch zu Heizungsausfällen kommen», schreibt die Polizei auf der Plattform X. «Prüfen Sie daher, ob Sie die Möglichkeit haben, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen. Nutzen Sie Mobiltelefone sparsam. Denken Sie an ältere oder hilfsbedürftige Personen und bieten Sie Hilfe an. Halten Sie für die Abendstunden Taschenlampen oder batteriebetriebene Leuchten bereit.»
Bewohner von Pflegeheimen ziehen um
Feuerwehr-Sprecher Vinzenz Kasch sagt, dass die Situation herausfordernd ist, da mehrere Pflegeheime und Krankenhäuser in dem von dem Stromausfall betroffenen Gebiet Steglitz-Zehlendorf liegen. Die Feuerwehr hat bereits Bewohner und Patienten von zwei Heimen in andere Einrichtungen verlegt. Nun wird überprüft, was noch erforderlich ist. Die gesamte Situation ist sehr dynamisch.
Die Feuerwehr warnt davor, nun gasbetriebene Heizgeräte in Innenräumen zu verwenden. Wenn das Telefonnetz gestört ist, können Sie sich im Notfall an die nächste Feuerwache oder Polizeiwache wenden. Auch bei Busfahrern können Sie einen Notruf absetzen. Berliner in anderen Stadtteilen sollten prüfen, ob Verwandte in den betroffenen Gebieten leben und möglicherweise Hilfe benötigen.
Wie lange dauert die Reparatur?
Der Betreiber Stromnetz Berlin kann zunächst nicht genau sagen, wann der Strom in den betroffenen Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde wieder fließen wird. Sprecher Henrik Beuster erklärt, dass Teams dabei sind, die Versorgung so schnell wie möglich schrittweise wiederherzustellen.
Es ist schnell klar, was den Schaden verursacht hat: Der Brand der Kabelbrücke über den Kanal zum Kraftwerk Lichterfelde am äußersten südwestlichen Stadtrand. Aber was steckt dahinter? Laut Feuerwehr brannte zunächst ein Baucontainer unter der Kabeltrasse, die zum Kraftwerk Lichterfelde über den Teltowkanal führt.
Polizei prüft Verdacht
Die Polizei hat schnell bekannt gegeben, dass sie wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt. Einsatzkräfte wurden um 6.45 Uhr von einem Zeugen über den Brand informiert. Ein Sprecher vor Ort sagte, dass die Kriminalpolizei die Untersuchungen übernimmt. Abhängig von den Ergebnissen könnte auch der Staatsschutz hinzugezogen werden, der für politische Straftaten zuständig ist.
Die Frage nach einem möglichen politischen Hintergrund bleibt aber zunächst offen. «Wir sind ganz am Anfang der Ermittlungen», sagt der Sprecher. «Es geht jetzt hier am Ort darum, die Erkenntnisse zu verdichten. Eine Tatortgruppe des Landeskriminalamtes wird jetzt hier zum Einsatz kommen und wir werden dabei auch Drohnentechnik einsetzen.»
Ähnlicher Fall im September war Brandanschlag
Laut Stromnetz Berlin ist die Größe dieses Stromausfalls vergleichbar mit einem ähnlichen Vorfall im September im Südosten Berlins. Auch damals waren etwa 50.000 Kunden betroffen und der Stromausfall dauerte mehrere Tage. Der Grund war damals ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten.








