Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Umweltschützer protestieren: Kontroverse um päpstlichen Weihnachtsbaum in Rom

Der geschmückte Baum wird feierlich illuminiert, doch Umweltschützer kritisieren die Fällung der Rotfichte aus Ledro.

Eine 29 Meter hohe Rotfichte aus dem Dorf Ledro in den Dolomiten wird auf dem Petersplatz aufgestellt.
Foto: Gregorio Borgia/AP

Dort steht er also, der 29 Meter hohe und fast 60 Jahre alte Weihnachtsbaum, über den so viel gesprochen wurde. Etwas kahl und noch nicht geschmückt, steht er seit ungefähr zwei Wochen auf dem Petersplatz im Vatikan und wartet darauf, mit Lichtern und Baumschmuck geschmückt zu werden. Wie jedes Jahr strömen viele Besucher und Pilger zur Weihnachtszeit nach Rom – auch um den glitzernden Christbaum vor dem Petersdom zu bewundern.

Während der Adventszeit und an den Feiertagen sind er und die Weihnachtskrippe dort die wichtigsten Attraktionen. Am Samstag (7. Dezember) ist es endlich soweit: Der geschmückte Baum wird feierlich beleuchtet. Allerdings wird die weihnachtliche Stimmung durch eine hitzige Debatte um den großen Tannenbaum getrübt. Umweltschützer aus der Region des Baumes, einer Rotfichte, haben sich über Wochen hinweg gegen seine Abholzung eingesetzt.

«Sinnloses Massaker» an Millionen Bäumen

Ein «sinnloses Massaker» nannten die Aktivisten aus der Gemeinde Ledro am Gardasee im Norden Italiens das Fällen des Baumes. Aber auch ein Symbol für die «Millionen anderer Bäume», die jedes Jahr für die Weihnachtszeit geschlagen würden. In einer Internet-Petition sammelten sie rund 50.000 Unterschriften für den Erhalt der Rotfichte von Ledro. All ihre Mühe war umsonst – der Baum wurde gefällt und gen Süden nach Rom geschickt.

Enttäuscht von «Umwelt-Papst» Franziskus

Vor allem von Papst Franziskus sind die Umweltschützer enttäuscht. Kaum eine Gelegenheit lässt der 87 Jahre alte Pontifex aus, um die weltweite Umweltzerstörung anzuprangern und für Nachhaltigkeit zu werben. Scharfe Worte richtet Franziskus an die großen Industrienationen, die er energisch zur «ökologischen Umkehr» aufruft. «Umwelt-Papst» nennen ihn daher manche.

Jedes Jahr müssen tatsächlich viele Millionen Tannen und Fichten gefällt werden, um dann mit Weihnachtskugeln, Lametta und Lichterketten geschmückt in heimischen Wohnzimmern platziert zu werden – oft nur für einige Tage oder Wochen, bevor sie austrocknen und nadelnd im Müll landen. In Italien sind es jährlich etwa drei Millionen, in Deutschland jedoch viel mehr: Rund 25 Millionen Bäume werden jedes Jahr für diesen Brauch gefällt.

Die Aktivisten aus Ledro schrieben Franziskus sogar einen Brief. Den Baum «für den kurzlebigen Gebrauch, für bloße Werbezwecke und für ein paar lächerliche Selfies» fällen zu lassen, sei eine «frevelhafte Entscheidung», schrieben sie. 

Vatikan um Schadensbegrenzung bemüht

Die Rotfichte ist nicht der einzige Baum aus Ledro für den Vatikan. Insgesamt wurden 39 weitere kleinere Tannenbäume aus dem Trentino abgeholzt und nach Rom geschickt – als Dekoration für Gebäude des Heiligen Stuhls.

Der Vatikan reagierte überraschend auf die Vorwürfe der Aktivisten und betonte, dass der Baum nicht nur aus ästhetischen Gründen ausgewählt wurde, sondern auch aus ökologischen Gründen. Die gefällte Rotfichte hätte sowieso für die ordnungsgemäße und nachhaltige Bewirtschaftung des Ledro-Waldes im Trentino abgeholzt werden müssen.

«Ein bisschen schmal, ein bisschen ärmlich»

Über die Ästhetik scheiden sich jedoch die Geister. «Er ist ein bisschen schmal, ein bisschen ärmlich. Ich hoffe, er wird noch entsprechend geschmückt, dass er ein bisschen schöner wird», sagte ein deutscher Rom-Tourist auf dem Petersplatz. Momentan sei der Weihnachtsbaum noch etwas kahl und schlicht. «Also der Baum ist recht groß dieses Jahr, aber wir hätten ihn uns tatsächlich auch etwas voluminöser vorgestellt», sagte ein anderer Besucher.

Zank um Papst-Weihnachtsbaum fast schon Tradition

Es ist nicht das erste Mal, dass der päpstliche Weihnachtsbaum im Mittelpunkt einer Kontroverse steht. Bereits 1989 kam es zu ersten Protesten gegen die Fällung eines Baumes aus Österreich. Mehr als dreißig Jahre später hatten Aktivisten 2022 Erfolg mit ihrem Protest: Die eigentlich zur Abholzung freigegebene Weißtanne aus dem Apennin wurde nach dem Widerstand der Aktivisten gegen eine junge Tanne aus einer Baumschule ausgetauscht.

Es gehört zur Tradition, dass der Baum gespendet wird. Zuletzt kamen die Bäume aus Italien. Im Jahr 2028 soll es ein deutscher Baum sein – aus Deggendorf. Es ist unwahrscheinlich, dass es dann auch in der niederbayerischen Stadt Proteste geben wird. Als der Auftrag des Vatikans vor sieben Jahren bekannt gegeben wurde, war die Vorfreude riesig. Aber man weiß ja nie.

dpa