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Anwalt kritisiert nach Sparkassen-Coup Sicherheitsmängel

Rund einen Monat nach dem Gelsenkirchener Einbruch mit Millionen-Beute hat ein Anwalt einen Sachverständigen eingeschaltet und wirft der Bank Sicherheitsmängel vor. Darauf zielen drei erste Klagen.

Der Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann - hier bei einer Infoveranstaltung für Geschädigte - hat nach dem Gelsenkirchener Sparkassen-Einbruch nach eigenen Angaben erste Klagen gegen die Bank eingereicht. (Archivbild)
Foto: Christoph Reichwein/dpa

Rund vier Wochen nach dem Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse erhebt der Geschädigten-Anwalt Daniel Kuhlmann scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen. Ein renommierter Sachverständiger für Sicherungssysteme in Banken komme zu dem Schluss, dass der Einbruch mit «an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» hätte verhindert werden können, wenn die Bank Schutzvorkehrungen auf dem Stand der Technik gehabt hätte, sagte Kuhlmann. 

Laut dem Sachverständigen gehören zu den aktuellen Sicherheitsmaßnahmen beispielsweise Bewegungsmelder für den Tresorraum und ein Wandschutz. Dieser besteht aus einer netzartigen Innenauskleidung des Tresorraums, die sofort Alarm auslöst, wenn sie durchbohrt wird. Alternativ oder zusätzlich könnten auch stündliche Patrouillengänge rund um den Tresorraum durchgeführt werden, so Kuhlmann.

Drei Musterklagen erhoben

Die Sparkasse hatte bisher Kritik zurückgewiesen. DieFiliale mit dem Schließfachraum sei «nach dem anerkannten Stand derTechnik gesichert», hatte sie betont. Zu den konkreten Vorwürfen nahm die Bank zunächst keine Stellung. Die Bank äußere sich «grundsätzlich zu anwaltlichen Äußerungen nicht», antwortete die Sparkasse laut «Stern» auf eine ähnliche Nachfrage.

Der Anwalt hat laut eigenen Angaben beim Landgericht Essen drei Musterklagen eingereicht. Er verlangt im Namen der Mandanten von der Bank die volle Haftung für die entstandenen Schäden, wie er der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Ein Sprecher des Landgerichts konnte den Eingang vorerst nicht bestätigen. Zuerst müssen die Klagen an die Beklagte zugestellt werden.

Weiter keine heiße Spur von den Tätern

Die Täter überwanden mehrere Sicherheitssysteme und bohrten sich direkt in den Tresorraum der Filiale, um rund 3.100 Kundenschließfächer zu leeren. Der Gesamtschaden wurde von der Polizei kurz nach dem Einbruch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, könnte aber noch höher sein. Die Ermittlungen laufen weiterhin auf Hochtouren. Die Polizei verfolgt etwa 600 Hinweise, hat aber derzeit keine heiße Spur, wie ein Polizeisprecher sagte.

Versichert sind nur 10.300 Euro pro Schließfach

Der Inhalt jedes Schließfachs ist über die Sparkasse nur bis zu einem Wert von 10.300 Euro versichert, es sei denn, die Kunden haben zusätzliche private Versicherungen abgeschlossen. Laut Anwalt enthielten die Schließfächer in den drei Klagefällen tatsächlich höhere Werte: Im Fall eines Klägers handelte es sich um fast 400.000 Euro, die aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung stammten und die einzige Altersabsicherung der betroffenen Person darstellten.

Die beiden anderen Kläger gaben im zweiten Fall Bargeld, eine Rolex-Uhr und Schmuck im Gesamtwert von etwa 120.000 Euro an, im dritten Fall Gold im Wert von knapp 50.000 Euro. Alle drei Fälle sind gut dokumentiert mit Quittungen und teilweise mit Augenzeugen für die Einlagerung.

Warum ging kein Einbruchsalarm los?

Die Täter hatten sich mindestens mehrere Stunden in der Bank aufgehalten, ohne Alarm auszulösen. Wie ihnen dies gelang, ist eine zentrale Frage bei den Ermittlungen. Der Anwalt hat angegeben, dass er mit etwa 600 Opfern des Einbruchs in Kontakt steht. Sein Ziel ist nicht eine Klagewelle, sondern eine Einigung oder möglicherweise ein gerichtliches Mediationsverfahren. Die Mandanten möchten schnellstmöglich entschädigt werden.

dpa