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Anzapf-Trainer Huber coacht Rathauschefs seit über 40 Jahren

Anfangs war er nur in geheimer Mission dabei: Schankmeister Helmut Huber. Er steht seit mehr als 40 Jahren dem Münchner Oberbürgermeister beim Anzapfen zur Seite.

Helmut Huber ist beim Anzapfen ganz nah beim Oberbürgermeister.
Foto: Peter Kneffel/dpa

«Ozapft is»: Wenn der Münchner Oberbürgermeister mit diesem Ruf das Oktoberfest eröffnet, ist Helmut Huber ganz nah bei ihm – seit über 40 Jahren. Die Bilder des Brauers gehen so alljährlich um die Welt, auch wenn kaum jemand weiß, wer der Mann an der Seite des Stadtoberhaupts ist. 

Der Brauer, der 83 Jahre alt ist, hat auch in diesem Jahr vor dem traditionellen Anzapfritual mit OB Dieter Reiter geübt – der jedoch professionell wieder nur zwei Schläge benötigte, bis das Bier sprudelte und er die Wiesn eröffnen konnte.

Reiter hält in gewisser Hinsicht den Rekord. Nur bei seiner ersten Wiesn 2014 und 2022 nach zwei Jahren Corona-Zwangspause brauchte er drei Schläge.

In geheimer Mission in der Anzapfboxe 

Huber hat bereits vor Reiter Georg Kronawitter und Christian Ude (beide SPD) trainiert – anfangs war sein Einsatz geheim. 1984 habe Kronawitter dann gesagt: «Sie strahlen so eine Ruhe aus, Sie stehen am Samstag neben mir», berichtet der Brauer. «Seitdem bin ich hier.»

Zu Beginn war Huber jedoch inkognito in einer geheimen Mission unterwegs: Erst Ude enthüllte das streng gehütete Geheimnis des Anzapftrainings.

Zahl der Schläge prägt Ansehen des Stadtoberhaupts mit 

Das Anzapfen auf dem Münchner Oktoberfest ist eine feste Tradition. Die Zeremonie wird live im BR-Fernsehen übertragen – und der Bürgermeister muss dabei eine gute Leistung zeigen. Die Anzahl der benötigten Schläge wird tagelang in der Stadt diskutiert und kann sein Ansehen durchaus beeinflussen.

Die Tradition des Anzapfens wurde von OB Thomas Wimmer nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt. Er fuhr auf dem Wagen der Wirte-Familie Schottenhamel zum Festgelände – und der Wirt ließ ihn angeblich spontan das Bierfass anstechen. Wimmer, der gelernter Schreiner war, benötigte jedoch einmal 19 Schläge.

Auch Ude, der als erster OB im Jahr 2005 mit nur zwei Schlägen auskam, brauchte dazu etliche Jahre und zahlte Lehrgeld. In seinem ersten Amtsjahr 1993 ertönten «Aufhören, Aufhören»-Rufe – er brauchte sieben Schläge. Um derartige Blamagen zu vermeiden, trainierte Ude vor dem Fest mit Huber – und machte das dann öffentlich. 

[Oktoberfest-Brauer: Geheimnis um Anzapftraining gelüftet],Der Brauer Helmut Huber übt seit über 40 Jahren mit Münchner Oberbürgermeistern das Anzapfritual. Eine Tradition, die auch Reiters Ansehen prägt.

dpa