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Deutsche Bahn sucht nach Sparpotenzialen für ICE-Bestellungen

Bahn-Chef Richard Lutz sucht nach Möglichkeiten, Kosten zu senken und erwägt, weitere ICE-Bestellungen zu streichen.

Bis 2030 soll das Durchschnittsalter der ICE-Flotte von derzeit 18 auf dann 12 Jahre sinken.
Foto: Sina Schuldt/dpa

Weil die Deutsche Bahn deutlich weniger Geld aus dem Bundeshaushalt bekommt als ursprünglich geplant, ist der Konzernvorstand auf der Suche nach Sparmöglichkeiten. «Bei den Sparbemühungen stehen womöglich auch die weiteren ICE-Bestellungen zur Disposition», sagte Martin Burkert, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei der Bahn und zugleich Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, der dpa. Bahn-Chef Richard Lutz sei dabei, in allen Bereichen des Konzerns nach Sparpotenzialen zu suchen. Die so entstehende Liste solle Ende März dem Aufsichtsrat der Bahn vorgelegt werden, sagte Burkert.

Bis Ende des Jahrzehnts sollen mehr als 450 ICE unterwegs sein

In den letzten Monaten hat die Bahn ihre Flotte mit vielen neuen ICEs der Baureihen ICE 4 und ICE 3neo erneuert. Bis zum Jahr 2030 soll das Durchschnittsalter der ICE-Flotte von derzeit 18 auf 12 Jahre sinken. Der Konzern hofft, dass eine jüngere Flotte zu weniger Störungen und somit zu mehr Pünktlichkeit beitragen wird.

Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen über 450 ICE des bundeseigenen Unternehmens im Netz in Betrieb sein – eine deutlich höhere Anzahl als gegenwärtig. Zudem wurde ein neuer Schnellzug entwickelt, der Geschwindigkeiten von 280 bis 300 Stundenkilometer erreicht und gleichzeitig einen barrierefreien Einstieg auf Höhe des Bahnsteigs ohne Treppen ermöglicht.

Bei Bauprojekten steht Sanierung vor Neubau

Der Konzern hat bereits damit begonnen, die zeitliche Abfolge der Bauprojekte zu überprüfen. Eine vor einer Woche bekannt gewordene Liste der neuen Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo zeigt, dass die Sanierung des bestehenden Netzes dem Ausbau vorgezogen wird.

«Die Bauprojekte für 2024 und 2025 halte ich für weitgehend gesichert. Schwieriger wird es bei den Projekten für 2026 und die weiteren Jahre», sagte EVG-Chef Burkert. Die Politik müsse nun überlegen, «ob man das so laufen lässt mit den Einsparungen und den Projekten, die möglicherweise wegfallen». Grundsätzlich sei es aber richtig, jetzt zu sagen, welche Projekte umgesetzt werden und welche nicht. «Jedem muss klar sein, was unter Umständen wegfällt», sagte Burkert. 

Aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts musste die Bundesregierung im Haushalt 2024 sowie im Klima- und Transformationsfonds Milliardenlöcher stopfen. Ursprünglich waren der Bahn bis zu 45 Milliarden Euro zugesagt worden, um in den kommenden Jahren die Infrastruktur zu modernisieren. Ein Drittel dieser Summe ist noch nicht gesichert.

Bahn und Ministerium: Projekte werden nicht gestrichen

Gemäß der Priorisierungsliste der DB InfraGo sind zum Beispiel 773 Millionen Euro für einen neuen Güterverkehrs-Korridor von Uelzen nach Halle derzeit nicht verfügbar. Die Ampel-Koalition hatte ursprünglich das Ziel, deutlich mehr Güter auf die Schiene zu verlagern. Ebenso sind nach dem Schreiben rund 16 Millionen Euro für die Digitalisierung der S-Bahn in Hamburg nicht abrufbar. Gemäß der Planung sollte ein digitales Stellwerk in Zukunft die Kapazität der S-Bahn erhöhen. Auch die Verlegung des Bahnhofs Fangschleuse in Brandenburg steht auf der Prioritätenliste weiter hinten. Das Projekt sollte dazu beitragen, das Tesla-Werk in Grünheide besser an den Güterverkehr anzubinden.

Die Bahn und das Bundesverkehrsministerium haben kürzlich betont, dass diese Projekte nicht gestrichen werden. Es ist auch nicht geplant. Die Planungen für alle Projekte werden fortgesetzt, um Verzögerungen zu vermeiden, bis die Finanzierung vollständig geklärt ist, sagte die Bahn. Ohne zusätzliches Geld dürfte sich die Umsetzung dieser Projekte jedoch deutlich verzögern.

Burkert: Mögliche Schenker-Erlöse in Schuldenabbau stecken

EVG-Chef Burkert warnte derweil, die Erlöse bei einem möglichen Verkauf der Logistiktochter Schenker in die Infrastruktur zu stecken. «Das Geld, was beim möglichen Verkauf von Schenker erlöst wird, muss komplett in den Schuldenabbau gesteckt werden», sagte Burkert. «Es besteht sonst die Gefahr, dass die Bahn mit dem Verkauf in den Kredit-Ratings absinkt. Und dann drohen höhere Zinsen.» Ein Ratingpunkt entspreche in diesem Fall mehreren Hundert Millionen Euro an Zinsen. 

Die Bahn plant den Verkauf von Schenker. Im letzten Jahr wurde ein Bieterverfahren gestartet.

dpa