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Bahn-Tarifverhandlungen geplatzt: Was Fahrgäste nun erwartet

Wochenlang verhandeln die Lokführergewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn hinter verschlossenen Türen in dem Tarifkonflikt – vergeblich. Auch Vermittler konnten nicht helfen.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).
Foto: Robert Michael/dpa

Nach dem Scheitern der wieder aufgenommenen Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft GDL müssen die Fahrgäste erneut mit langen Streiks im Bahnverkehr rechnen.

Ab wann drohen Arbeitskämpfe?

Ab dem nächsten Montag müssen Fahrgäste sich erneut auf mehrere Tage Streiks im bundesweiten Bahnverkehr einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte vor etwa vier Wochen beschlossen, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen und sich zu einer Streikpause bis einschließlich dieses Sonntags verpflichtet.

Die Gewerkschaft hat angekündigt, am Montag eine Pressekonferenz abzuhalten, um über den Stand der Dinge und das weitere Vorgehen zu informieren.

Was ist passiert?

Nachdem die Tarifrunde im November letzten Jahres frühzeitig gescheitert war und es zu mehreren Streiks gekommen war, haben sich beide Parteien vor etwa vier Wochen erneut zusammengerauft und sind an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Seitdem wurde intensiv hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Es gab keine Informationen nach außen – weder über die Stimmung zwischen den Verhandelnden noch über den Stand der Dinge. Ursprünglich sollten die Gespräche bis zum 3. März dauern. Heute gab die Bahn überraschend das Scheitern der Verhandlungen bekannt. Die GDL hat sie abgebrochen.

«Wir waren bereit, Schritte bei der Arbeitszeitverkürzung zu gehen, die weit über unser letztes Angebot hinausgehen», teilte DB-Personalvorstand Martin Seiler mit. «Es ist unfassbar, dass die Lokführergewerkschaft trotzdem vom Tisch aufsteht und damit für die Kunden weitere Streiks drohen.»

Die Gewerkschaft warf der Bahn am Donnerstag wiederum vor, sich an das vereinbarte Stillschweigen nicht gehalten zu haben: «Diese Informationen sind gezielt vom DB-Management durchgestochen worden, um es dann der Gewerkschaftsseite anzuhängen», teilte die Gewerkschaft mit.

Warum sind die Gespräche gescheitert?

Laut der Bahn war die Forderung der GDL nach einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden für Schichtarbeiter bei gleichbleibendem Gehalt erneut ausschlaggebend für das Scheitern. Seit Beginn der Tarifrunde im November gilt diese Kernforderung als Knackpunkt der Verhandlungen. Selbst externe Vermittler konnten in den vergangenen Wochen keinen Kompromiss erzielen.

Laut der Bahn wurden die Verhandlungen von Thomas de Maizière, dem ehemaligen Bundesinnenminister, und Daniel Günther, dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, moderiert. In vorherigen Tarifrunden hat eine ähnliche Schlichtung oft zu einer Einigung geführt. Dieses Mal war das jedoch nicht der Fall.

Wie geht es nun weiter?

«Die DB bewertet nun die aktuelle Situation und prüft die nächsten Schritte», teilte die Bahn am Donnerstag mit. Die GDL kündigte an, sich an die Vereinbarungen zu halten. Das dürfte auch die selbst auferlegte Friedenspflicht bis einschließlich diesen Sonntag einschließen.

Die Gewerkschaft plant, am Montag über das weitere Vorgehen zu informieren. Es wird erwartet, dass Streiks stattfinden. Es ist unklar, wie beide Seiten wieder zu Verhandlungen zurückkehren können.

Wie viele Streiks gab es bisher?

Die GDL hat bisher insgesamt viermal mit zwei Warnstreiks und zwei längeren Streiks weite Teile des Bahnverkehrs in Deutschland lahmgelegt. Fern-, Regional- und Güterverkehr waren über Tage zum Stillstand gekommen. Der jüngste Arbeitskampf Ende Januar wurde vorzeitig von der Gewerkschaft beendet, die überraschend an den Verhandlungstisch zurückkehrte.

dpa