Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Betäubt, vergewaltigt und gefilmt? Prozess in München

Der Fall Gisèle Pelicot, die in Frankreich von ihrem Mann betäubt und von ihm und anderen Männern vergewaltigt wurde, machte weltweit Schlagzeilen. In München wird nun ein ähnlicher Fall verhandelt.

Artikel hören

Der Student verbarg sein Gesicht zu Beginn des Prozesses.
Foto: Malin Wunderlich/dpa

Die Vorwürfe gegen einen chinesischen Studenten sind schockierend: Der 27-Jährige wird unter anderem wegen versuchten Mordes in sieben Fällen, gefährlicher Körperverletzung, besonders schwerer Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge angeklagt.

Der Prozess gegen ihn hat begonnen am Landgericht München I. Sein Anwalt sagte, dass sein Mandant sich irgendwann im Laufe des Prozesses zu den Vorwürfen äußern werde. «Aber nicht heute und nicht morgen.»

Der Beschuldigte wird beschuldigt, seine Freundin betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt zu haben. Die Staatsanwaltschaft betrachtet es als reinen Zufall, dass sie aufgrund der verabreichten Medikamente nicht gestorben ist. Das Gericht hat 18 Verhandlungstage für den Prozess angesetzt, das Urteil könnte Ende März fallen.

Betäubungsmittel über Telegram bestellt

Der Student soll laut den Ermittlungen gefilmt haben, wie er seine sedierte Nachbarin und Freundin, die ebenfalls aus China stammt, missbrauchte. Die Betäubungsmittel bestellte er unter anderem über den Messenger-Dienst Telegram. Die Taten erstreckten sich gemäß der Staatsanwaltschaft über mehrere Monate im Jahr 2024. Da der Mann in Kauf genommen haben soll, dass die betäubte Frau sterben könnte, lauten die Vorwürfe auch auf versuchten Mord.

Vergewaltigungs-Chats im Internet

Zusätzlich soll er im Internet mit anderen Chinesen kommuniziert haben, die ähnliche sexuelle Fantasien über solche Verbrechen an Frauen hatten. Er soll ihnen auch Bilder der Taten geschickt haben – er hat sie laut den Ermittlern an eine gemeinsame Chat-Gruppe gesendet. Die Staatsanwaltschaft München I gibt auf Anfrage keine Informationen darüber, wie viele weitere Tatverdächtige es gibt oder wie die Taten entdeckt wurden. Es wird jedoch gegen mindestens einen weiteren Beschuldigten ermittelt.

Der Fall erinnert an die Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. Ihr Ex-Mann wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen 3 und 15 Jahren.

dpa