Der erste Tag im Prozess um die Entführung der Block-Kinder im neuen Jahr steht an. Der erbitterte Sorgerechtsstreit wird im Mittelpunkt stehen. Dazu werden drei Zeuginnen erwartet.
Block-Prozess – Mitarbeiterinnen des Jugendamts als Zeugen

Nach einer dreiwöchigen Weihnachtspause wird am Donnerstag der Prozess um die Entführung der Block-Kinder fortgesetzt. Zum 28. Mal werden die Prozessbeteiligten im Hamburger Landgericht zusammenkommen. Es sollen drei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes Hamburg als Zeuginnen aussagen. Dabei dürfte es um den jahrelangen Sorgerechtsstreit der früheren Eheleute Christina Block und Stephan Hensel gehen.
Hauptangeklagte in dem Prozess ist die Unternehmerin Christina Block (52). Ihr wird vorgeworfen, den Auftrag zur Entführung ihrer beiden damals 10 und 13 Jahre alten Kinder gegeben zu haben. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, bestreitet das. Ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (66) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator hat erklärt, er habe nichts Unrechtes getan.
Kinder mutmaßlich von israelischer Sicherheitsfirma entführt
Die Kinder waren im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in Dänemark nach Hamburg zurückgekehrt. Es gab danach so gut wie keinen Kontakt zur Mutter, hatte die Angeklagte im Prozess berichtet. In der Silvesternacht 2023/2024 waren der Junge und das Mädchen mutmaßlich von einer israelischen Sicherheitsfirma am Wohnort ihres Vaters in Dänemark entführt und nach Deutschland gebracht worden.
Christina Block sah ihre Kinder am 1. Januar 2024 auf einem Bauernhof in Baden-Württemberg wieder, wie sie vor Gericht aussagte. Am nächsten Tag wurden sie mit ihren Kindern nach Hamburg gebracht. Am 5. Januar 2024 entschied das Hanseatische Oberlandesgericht, dass die Kinder zu ihrem Vater nach Dänemark zurückkehren müssen.
Anklage gegen Vater wird nicht mitverhandelt
Aufgrund der Schläge und Verletzungen durch die Entführer nimmt Hensel als Nebenkläger am Prozess teil. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat jedoch auch Anklage gegen ihn und seine neue Ehefrau erhoben, die möglicherweise in einem separaten Prozess verhandelt wird. Der Vorwurf lautet Entziehung Minderjähriger bzw. Beihilfe zur Entziehung Minderjähriger.
Das Gericht lehnte kurz vor Weihnachten den Antrag von Blocks Verteidiger Ingo Bott ab, beide Verfahren zusammenzulegen. Eine Gerichtssprecherin erklärte, dass im Falle einer Verbindung der beiden Verfahren zahlreiche Beweiserhebungen wiederholt werden müssten, was zu einer erheblichen Verzögerung des Verfahrens führen würde.
Der Fall von Christina Block muss schnell vor Gericht verhandelt werden, da einer der sieben Angeklagten in Untersuchungshaft sitzt. Der 36-jährige Israeli wurde Ende September 2024 auf Zypern verhaftet und sitzt seit 14 Monaten in Hamburg im Gefängnis. Ein Antrag auf Haftentlassung wurde vom Gericht kurz vor Weihnachten abgelehnt, da im Falle einer Verurteilung eine nicht bewährungsfähige Gefängnisstrafe droht, was einen starken Anreiz zur Flucht darstellt, so eine Gerichtssprecherin.
Sicherheitsmanager im Fokus
An drei Tagen im Dezember wurde der vermeintliche Anführer der Entführer befragt. Der CEO eines israelischen Sicherheitsunternehmens soll die Entführung aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/24 organisiert und durchgeführt haben.
Er ist auch in diesem Fall ein Beschuldigter und war bis zum letzten Herbst mit einem Haftbefehl gesucht worden. Die Ermittlungsbehörden sicherten ihm sicheres Geleit für seine freiwillige Aussage zu. Der 68-Jährige ist jedoch nicht einer der sieben Angeklagten im aktuellen Prozess. Es ist noch unklar, wann er weiter befragt werden soll.
Am letzten Verhandlungstag im Dezember hat die Vorsitzende Richterin, Isabel Hildebrandt, eine sogenannte Selbstleseanordnung angekündigt. Die Verfahrensbeteiligten sollen mehrere Hundert Dokumente aus den Akten selbst lesen, um den aktuellen Prozess zu beschleunigen. Die Strafkammer hat bis Ende Juni 19 weitere Termine festgelegt.








