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Bürgermeister blickt wehmütig auf Sprengung von Kühltürmen

Vor 50 Jahren begann der Bau des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld. 2015 war mit der Stromerzeugung dann Schluss. Und nun sollen auch die markantesten Zeichen der Anlage verschwinden.

Die Kühltürme des stillgelegten Kernkraftwerks sollen gesprengt werden.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Erster Bürgermeister von Grafenrheinfeld, Christian Keller (CSU), blickt wenige Stunden vor der Sprengung der markanten Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerkes ein wenig wehmütig auf die beiden Kolosse. «Das ist eine Landmarke, die wir seit vielen Jahrzehnten kennen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist etwas Besonderes.» Viele Bürgerinnen und Bürger seiner Gemeinde in Sichtweite des Kraftwerks hätten dort gearbeitet. «Wir haben es immer gesehen, wir haben es vor Augen gehabt», sagte Keller. «Und wenn das dann fehlt, dann wird man mal sehen, was das mit uns macht.» Für ihn werde die für den Abend angesetzte Sprengung ein emotionaler Moment.

Tausende Schaulustige erwartet

50 Jahre nach dem Beginn des Baus der Anlage sollen die beiden markantesten Symbole der einstigen Hochrisikotechnologie gegen 18.30 Uhr gesprengt werden. Die Polizei ist mit zahlreichen Einsatzwagen rund um die Sperrzone des Kraftwerks präsent. Es wird erwartet, dass tausende Schaulustige kommen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Stunden vor der Sprengung haben die ersten Menschen Kameras unter Bäumen aufgestellt, um möglichst gute Bilder und Videos des Ereignisses festzuhalten.

Auch Keller erwartet zahlreiche Zuschauer, vor allem aus der Region. Viele Menschen hätten ihm erzählt: «Das war doch immer für uns alle ein ganz wichtiger Fixpunkt, wenn wir zum Beispiel aus dem Urlaub zurückgekommen sind. Man hat von weitem die Türme gesehen. Man hat dann immer gewusst: Da ist daheim.»

Seit 2018 läuft der Rückbau

Das Atomkraftwerk südlich von Schweinfurt war bis zu seiner Stilllegung das älteste noch in Betrieb befindliche Atomkraftwerk in Deutschland. Der Bau des Kraftwerks begann im Jahr 1974. Die erste Kettenreaktion wurde Ende 1981 ausgelöst und ab Juni 1982 floss Strom ins Netz. Es war 33 Jahre lang bis 2015 in Betrieb. Seit 2018 läuft der Rückbau des Kraftwerks, der voraussichtlich weitere zehn Jahre dauern wird.

Die Kühltürme haben eine Höhe von jeweils 143 Metern. Der Durchmesser am Boden beträgt ungefähr 105 Meter, während es am oberen Ende etwa 64 Meter sind.

dpa