Der Mythos «Titanic» ist 39 Jahre nach dem Fund des Schiffswracks ungebrochen. Doch die jüngste Tauchexpedition zeigt: Auch in seinem Meeresgrab ist der Luxusliner nicht unverwüstlich.
Bug-Reling weggebrochen: Die «Titanic» zerfällt langsam

Die «Titanic» verfällt unaufhaltsam in ihrem Meeresgrab – deutlich sichtbar ist das am Bug des Schiffes, wie Fotos und Videoaufnahmen von der jüngsten Tauch-Expedition zum Wrack im Nordatlantik zeigen. Die vordere Spitze des 1912 gesunkenen Luxusliners ist durch James Camerons Schiffsdrama «Titanic» fast schon ikonisch verewigt worden. Millionen Zuschauer kennen das rührige Bild von Rose (Kate Winslet) und Jack (Leonardo DiCaprio) mit ausgestreckten Armen am Bug des Schiffes und Jacks Freudenruf «Ich bin der König der Welt» – vorn am Geländer des Ozeanriesen. Dort klafft nun auf der Backbordseite des Schiffs ein großes Loch.
Der Bug habe mittlerweile einen rund viereinhalb Meter langen Teil seiner Reling eingebüßt, der nun auf dem Meeresboden liege, erklärte das Unternehmen RMS Titanic, Besitzer des wohl berühmtesten Schiffswracks der Welt, in einem X-Post. Jahrzehntelang sei er ein Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit der «Titanic» gewesen. Die drastische Veränderung auf den Bildern erinnere daran, dass das Schiff tatsächlich zerfalle. «Nach 112 Jahren auf dem Grund des Nordatlantiks fordert die feindliche Ozeanumgebung ihren Tribut», bilanziert das Unternehmen.
Zwei Millionen Fotos und wertvolle Funde
Während der Expedition im Juli und August – der ersten seit 2010 – wurden angeblich über zwei Millionen Fotos des Wracks aufgenommen. Der Luxusdampfer, der als unsinkbar angepriesen wurde, kollidierte auf seiner Jungfernfahrt 1912 von Southampton nach New York mit einem Eisberg und sank. Dabei kamen etwa 1.500 der über 2.200 Menschen an Bord ums Leben. Das Wrack wurde im Jahr 1985 südöstlich der kanadischen Provinz Neufundland in einer Tiefe von etwa 3.800 Metern im Meer gefunden.
Das Trümmerfeld an der Stelle der tragischen Katastrophe ist für Forscher jedoch auch eine Fundgrube. Laut RMS Titanic wurden bei der Expedition unzählige Artefakte entdeckt, die in zukünftigen Missionen geborgen werden sollen. Darunter befindet sich ein Schatz, dessen Wiederentdeckung die Forscher regelrecht erfreute: Es handelt sich um eine etwa 60 Zentimeter hohe Bronze-Statue der römischen Göttin Diana, die einst auf dem Kaminsims einer Erste-Klasse-Lounge stand.
Die Kabine sei beim Sinken des Schiffes aufgebrochen und die Statue herausgespült worden, heißt es in einer Mitteilung. Am letzten Tag des jüngsten Tauchgangs sei sie in dem Trümmerfeld gesichtet und fotografiert worden. Jetzt seien Dianas «wunderschöne und filigrane» Details erstmals seit 112 Jahren wieder zu sehen.
Zerfall besorgt die Forscher
Der schleichende Verfall des Wracks bereitet den Forschern schon seit geraumer Zeit Sorgen. Mikroorganismen zersetzen das Metall, aus dem das Schiff gebaut wurde, wie RMS Titanic schon 2010 mitteilte. Laut der Firma mit Sitz in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia setzen neben den Bakterien, die sich durch die Schiffshülle fressen, auch Rost und Ozeanströmungen dem Wrack zu.
In den frühen 90er Jahren hatte das Unternehmen die Rechte zur Verwaltung der Wrackstelle erworben und seitdem mehrere Expeditionen organisiert. Bisher wurden hauptsächlich technische Geräte, Schmuck, Münzen und andere Erinnerungsstücke geborgen, restauriert und teilweise ausgestellt.
Trotz aller Anstrengungen: Laut dem Unternehmen ist der Zerfall des Wracks unvermeidlich. Dies motiviert jedoch die Forscher weiterhin in ihrer Mission, die Überreste der Vergangenheit zu dokumentieren und zu bewahren, bevor es zu spät ist.








