Die Bundeswehr plant die Anschaffung sogenannter Kamikaze-Drohnen, die sich gezielt auf feindliche Ziele stürzen. Der Schritt gilt als Reaktion auf moderne Bedrohungslagen – sorgt politisch aber auch für Kritik und eine neue Debatte über Ethik und Aufrüstung.
Bundeswehr beschafft „Kamikaze“-Drohnen

Die Bundeswehr wird künftig mit sogenannten „Kamikaze-Drohnen“ ausgerüstet. Diese angetriebenen Flugkörper, die sich bei Einsatz absichtlich auf Ziele stürzen, sind Teil der jüngsten Rüstungs- und Modernisierungs-Pläne des Verteidigungsministeriums. Die Beschaffung wurde in Verteidigungs- und Sicherheitsexpertenkreisen bereits bestätigt und soll die Fähigkeiten zur Abwehr moderner Bedrohungen stärken.
Was sind Kamikaze-Drohnen?
„Kamikaze“-Drohnen, im Fachjargon auch loitering munitions genannt, sind unbemannte Fluggeräte, die sich über einem Zielgebiet positionieren, dort kreisen und bei Bedarf gezielt auf einen Angriffspunkt stürzen. Anders als herkömmliche Drohnen, die nach dem Einsatz zurückkehren, dienen sie gleichzeitig als Waffe und Trägersystem – sie explodieren beim Einschlag und verursachen Schäden am Ziel.
Solche Systeme sind bereits bei verschiedenen Armeen im Einsatz, etwa bei den USA, Israel oder der Ukraine, und werden zunehmend als Teil moderner Konfliktführung betrachtet. Sie kombinieren Eigenschaften von Raketen und Drohnen und ermöglichen flexible, präzise Angriffe.
Grund für die Beschaffung
Nach Angaben von n-tv und weiteren Medien soll der Schritt Teil einer strategischen Aufrüstung sein, mit der die Bundeswehr besser auf mögliche Bedrohungsszenarien reagieren kann. Insbesondere die Erfahrung aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat gezeigt, wie wichtig mobile und präzise Luftabwehr- und Angriffsoptionen sind.
In der Debatte um die neue Drohnentechnologie heißt es, dass herkömmliche Systeme wie Flugabwehrraketen oder Artillerie nicht in allen Situationen optimal einsetzbar seien. Kleine, bewegliche „loitering munitions“ könnten in bestimmten Konfliktlagen schneller und gezielter reagieren.
Kritik aus Politik und Gesellschaft
Die geplante Anschaffung ist nicht unumstritten. Kritiker aus Reihen der Oppositionsparteien wie Grüne und Linke warnen vor einer Eskalation der Rüstungsdynamik und möglichen völkerrechtlichen Problemen. Sie argumentieren, dass der Einsatz solcher Waffen die Schwelle zur Gewaltanwendung weiter senkt und die Hemmschwelle für militärische Einsätze reduziert werden könnte.
Auch Ethik- und Friedensforscher äußern Bedenken. Sie weisen darauf hin, dass autonome oder semi-autonome Waffensysteme schwierige rechtliche und moralische Fragen aufwerfen, etwa wenn es um die Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten geht oder um die Verantwortlichkeit bei Fehlzielen.
Befürworter verweisen auf Verteidigungsaspekte
Befürworter der Beschaffung betonen, dass moderne Bundeswehr-Ausrüstung mit aktuellen Bedrohungen Schritt halten müsse. In Anbetracht der Lage an Europas Ostgrenzen und der Zunahme asymmetrischer Kriegführung sei es wichtig, technologisch auf dem neuesten Stand zu bleiben. „Kamikaze-Drohnen“ könnten – so ihre Argumentation – zur Abschreckung beitragen und in Verteidigungsszenarien präzise Wirkung entfalten, etwa zur Vernichtung gegnerischer Luftabwehrstellungen oder gepanzerter Fahrzeuge.
Zeitplan und Ausblick
Konkrete Angaben zu Anzahl, Hersteller oder Lieferzeitpunkt der Drohnen hat die Bundesregierung bislang nicht gemacht. Medienberichten zufolge befindet sich die Planung noch in einer frühen Phase der Beschaffungsvorbereitung und soll in den kommenden Monaten durch das Verteidigungsministerium weiter ausgearbeitet werden.








