Die Militärchefs Deutschlands und Großbritanniens schlagen Alarm: Russland bleibe trotz hoher Verluste eine ernstzunehmende Bedrohung für Europa. Sie fordern eine deutlich höhere Einsatzbereitschaft der Streitkräfte und warnen davor, die sicherheitspolitische Lage zu unterschätzen. Wie gut ist die NATO auf mögliche Eskalationen vorbereitet?
Bundeswehr und britische Armee warnen vor wachsender Bedrohung durch Russland

Angesichts der anhaltenden Spannungen in Europa haben der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, und der britische Generalstabschef Sir Patrick Sanders’ Nachfolger, General Sir Roland Walker Knighton, eindringlich vor einer zunehmenden militärischen Gefahr durch Russland gewarnt. Bei einem gemeinsamen Auftritt betonten beide Militärführer, dass Europa seine Verteidigungsfähigkeit deutlich stärken müsse, um auf mögliche Eskalationen vorbereitet zu sein.
Die Aussagen fallen in eine Phase erhöhter sicherheitspolitischer Unsicherheit, geprägt durch den andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie verstärkte militärische Aktivitäten Russlands an den Grenzen der NATO.
„Einsatzbereitschaft ist entscheidend“
Generalinspekteur Breuer unterstrich, dass es nicht ausreiche, lediglich politische Absichtserklärungen zu formulieren. Entscheidend sei vielmehr die tatsächliche Einsatzbereitschaft der Streitkräfte – personell, materiell und organisatorisch. Deutschland habe mit dem sogenannten Sondervermögen für die Bundeswehr bereits wichtige Schritte eingeleitet, doch nun gehe es darum, die Truppe schnell und nachhaltig kampffähig aufzustellen.
Auch der britische Generalstabschef betonte, dass Streitkräfte in Europa in der Lage sein müssten, innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit zu sein. Die Fähigkeit zur Abschreckung hänge maßgeblich von glaubwürdiger militärischer Stärke ab. Beide Militärs warnten davor, die Gefahr durch Russland zu unterschätzen.
Russland als strategische Herausforderung
Nach Einschätzung der Militärführung bleibt Russland trotz hoher Verluste im Ukrainekrieg eine militärisch relevante Macht. Moskau investiere weiterhin massiv in Rüstung und Mobilisierung. Gleichzeitig versuche der Kreml, westliche Gesellschaften politisch und wirtschaftlich zu destabilisieren.
Die NATO habe auf diese Entwicklungen bereits mit einer stärkeren Truppenpräsenz an der Ostflanke reagiert. Deutschland übernimmt dabei Führungsverantwortung, unter anderem in Litauen. Großbritannien engagiert sich ebenfalls verstärkt in Osteuropa und im Nordatlantikraum.
Mehr Investitionen und Reformen gefordert
Sowohl Breuer als auch Knighton machten deutlich, dass höhere Verteidigungsausgaben allein nicht ausreichen. Neben moderner Ausrüstung brauche es strukturelle Reformen, schnellere Beschaffungsverfahren und eine bessere personelle Ausstattung der Streitkräfte. Besonders im Fokus stehen Luftverteidigung, Logistik, Cyberabwehr und Munitionsvorräte.
Die militärische Führung sieht zudem die Notwendigkeit, die Gesellschaft stärker für Fragen der Landes- und Bündnisverteidigung zu sensibilisieren. Abschreckung funktioniere nur dann, wenn sie glaubwürdig und langfristig angelegt sei.
Sicherheitspolitische Zeitenwende bleibt Herausforderung
Die Warnungen der beiden Generäle verdeutlichen, dass die sicherheitspolitische „Zeitenwende“ in Europa noch lange nicht abgeschlossen ist. Während die Kämpfe in der Ukraine andauern, wächst der Druck auf NATO-Staaten, ihre Verteidigungsfähigkeit dauerhaft zu erhöhen.
Ob die politischen Zusagen und finanziellen Mittel ausreichen, um die geforderte Einsatzbereitschaft tatsächlich schnell umzusetzen, bleibt eine der zentralen sicherheitspolitischen Fragen der kommenden Jahre.








