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Neue Skiunfall-Trends: Mehr Knieverletzungen und Kollisionen

Die modernen Skistiefel verursachen neue Verletzungen. Kollisionen und schwere Kopf- sowie Schulterverletzungen nehmen zu.

Die Art der Skiunfälle hat sich verändert. (Symbolbild)
Foto: picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Früher war der Beinbruch die typische Folge eines Skiunfalls, aber heute müssen sich Ärzte meist um andere Verletzungen wie Knie, Schulter und Kopf kümmern.

Mehr als jede fünfte Verletzung durch Kollision

Die Auswertungsstelle der Arag Versicherung meldet einen Anstieg der Knieverletzungen und Kollisionen bei Ski-Unfällen. Die Daten basieren auf Unfallmeldungen von DSV aktiv Mitgliedern. „Über 20 Prozent der Verletzungen wurden durch Kollisionen verursacht, mehr als je zuvor“, so David Schulz, Leiter der Auswertungsstelle.

Verglichen mit der Saison 1979/80 ist die Anzahl der verletzten Skisportler im Winter 2023/2024 um etwa 52 Prozent gesunken. Im Vergleich zur vorherigen Saison gab es eine Zunahme auf das Niveau vor der Pandemie. Mehrere Medien, darunter der Bayerische Rundfunk, hatten darüber berichtet.

Viele Patienten auch aus dem Ausland landen nach Skiunfällen in der BG Unfallklinik Murnau im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. «Die bei uns in der Klinik behandelten typischen Verletzungen nach Skiunfällen sind inzwischen – neben den Bandverletzungen des Kniegelenkes – die Tibiakopffraktur, also der Bruch im Bereich des Schienbeinkopfs, Schulterverletzungen und das Schädel-Hirn-Trauma», berichtet der Ärztliche Direktor Fabian Stuby. 

Schienbeinkopf statt Schienbein 

Warum treten heute andere Verletzungen auf? Einer der Gründe laut Stuby ist die veränderte Ausrüstung. Aufgrund der modernen, höheren Skistiefel verlagern sich die Kräfte nach oben in Richtung Knie. Früher war der Drehbruch des Schienbeins der Klassiker, heute ist die Verletzung am Schienbeinkopf. Und diese ist oft komplizierter und dauert länger in der Heilung, sagt Stuby.

Durch neue Bindungssysteme, Skihelme oder Rückenprotektoren sei das Skifahren zwar sicherer geworden, aber auch schneller, erläutert der Mediziner weiter. «Kollisionen sind daher eine ganz häufige Ursache für schwere Verletzungen, gerade im Kopfbereich. Der Helm schützt zwar, verhindert aber kein Schädel-Hirn-Trauma, wenn der Kopf auf der harten Piste aufschlägt.»

Mehr Schulterverletzungen beim Carven 

Auch Zusammenstöße mit Bäumen oder Skiliftstützen kommen immer wieder vor, zum Beispiel wenn Fahrer die Kontrolle über ihre Skier verlieren. Auch Kinder sind betroffen. In der Klinik erinnert man sich zum Beispiel an ein kleines Mädchen, das gegen eine Lifthütte stieß und dabei schwere innere Verletzungen erlitt.

Die steigende Zahl der Schulterverletzungen führt der Arzt auch auf die moderne Carving-Technik zurück. «Der Körper liegt in den Kurven nah an der Piste – und im Falle eines Sturzes findet der Erstkontakt mit dem Boden dann über die Schulter statt.» 

Kunstschnee wird schneller hart und eisig 

Kunstschnee wird durch den hohen Anteil an Wasser schneller zu Eis. Daher sind die Pisten härter und eisiger. Damit seien Skifahrer – gerade mit den Carving Skiern – schneller unterwegs, erläutert Stuby. Zudem sei häufig nur die Piste beschneit, während – auch wegen des zunehmenden Schneemangels durch den Klimawandel – direkt daneben Steine herausschauen. «Bei einem Sturz sind dann Kopf und Schulter, aber auch der Rücken stark gefährdet.»

Verbände raten zum Helm-Tragen

Auch für Langläufer gilt dies. Die Loipen sind oft eisiger als früher, was zu härteren Stürzen führt. Kopf und Schulter sind auch hier stark gefährdet – insbesondere bei älteren Wintersportlern sind Hüftfrakturen keine Seltenheit.

„Rücksicht sowie an Können und Pistenverhältnisse angepasste Fahrweise sind grundlegende Regeln zur Vermeidung von Unfällen. Verbände wie der Deutsche Alpenverein empfehlen außerdem das Tragen eines Helms.“

dpa