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Cold Case nach 40 Jahren gelöst – dank «Jahrhundertunwetter»

Im vorigen Herbst wurde Spanien von verheerenden Unwettern heimgesucht. Mehr als 230 Menschen kamen ums Leben, die meisten in Valencia. Einer dieser Todesfälle sorgt nun für große Aufmerksamkeit.

Die Schäden waren im vergagenen Herbst immens. (Foto Archiv)
Foto: Alberto Saiz/AP/dpa

Seit über 40 Jahren galt Miguel Morales Molina in Spanien als vermisst. Im Jahr 2016 wurde der Mann aus Durcal, Andalusien, auf Antrag seiner Familie offiziell für tot erklärt. Jetzt stellte sich jedoch heraus, dass dies viel zu früh war.

Der Vater von zwei Töchtern war bis vor kurzem noch am Leben. Er wurde nun als eines der über 230 Todesopfer des verheerenden Unwetters identifiziert, das im vergangenen Herbst in der Region Valencia stattfand. Seine Leiche wurde im November, kurz nach den historischen Flutwellen vom 29. Oktober 2024, in einem überschwemmten Orangenhain in der Nähe von Valencia gefunden, etwa 500 Kilometer nordöstlich seines Heimatortes.

Über die ungewöhnliche Lösung des Vermisstenfalls berichteten am Wochenende unter anderem die Zeitungen «El País» und «El Mundo». Die Identität des Opfers – des Mannes, «der zweimal starb», wie «El País» titelte – sei anhand von Fingerabdrücken zweifelsfrei bestätigt worden, hieß es unter Berufung auf die Behörden. 

Seine beiden Töchter Jessica und Sara waren erst fünf und zwei Jahre alt, als der damals 34-Jährige im August 1984 in Durcal in der Provinz Granada spurlos verschwand. Nach Angaben von Bekannten lebte Miguel jahrelang als Obdachloser unter einer Brücke in Valencia. Er sei nicht aufgefallen, weil er keine Papiere gehabt, offenbar nie einen Arzt aufgesucht und zum Beispiel auch nie Geld von einer Bank abgehoben habe.

Frau reichte kurz vor Verschwinden Scheidung ein

Der Anruf der Polizei mit der Nachricht, ihr wie vom Erdboden verschluckter Mann sei erst jüngst gestorben, ließ Maria Montserrat weitgehend kalt, sagte seine ehemalige Partnerin und pensionierte Reinigungskraft zu «El Mundo». Miguel habe Drogen konsumiert und sie mehrfach misshandelt. «Er hat mich ein ums andere Mal verprügelt. Sogar seine Eltern sagten zu mir: Trenne dich oder er bringt dich um.»

Montserrat habe lange ausgehalten, aber kurz vor seinem Verschwinden habe sie die Scheidung eingereicht – nachdem er sie mit einem Messer attackiert habe, obwohl sie gerade eines der beiden Kinder in den Armen hielt. «Irgendwie haben wir diese ganze Zeit immer gedacht, dass er noch am Leben sei», sagte Tochter Sara im Interview von «El País». «Ich habe ihn aber nie suchen wollen.»

dpa