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Deutsche Industrie steckt in zunehmender Krise – 124.000 Jobs weg

Die deutsche Industrie verliert rasant an Substanz: Innerhalb eines Jahres sind 124.000 Arbeitsplätze weggefallen – besonders stark betroffen ist die Automobilbranche. Experten warnen vor einem anhaltenden Abwärtstrend und sehen den Industriestandort Deutschland massiv unter Druck. Wie dramatisch ist die Lage – und gibt es Hoffnung auf eine Trendwende?

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Foto: NF24 / KI

Die deutsche Industrie hat im Jahr 2025 einen deutlichen Stellenabbau erlebt, wie eine aktuelle Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY belegt. Insgesamt wurden rund 124.000 Arbeitsplätze gestrichen, was einem Rückgang von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Damit fiel der Beschäftigungsabbau nahezu doppelt so stark aus wie im Jahr 2024. Ende 2025 waren noch etwa 5,38 Millionen Menschen in der Industrie beschäftigt.

Besonders stark betroffen: Automobilbranche

Ein erhebliches Gewicht beim Stellenabbau entfällt auf die Automobilindustrie. Laut EY-Analyse gingen allein in dieser Branche rund 50.000 Arbeitsplätze verloren. Gründe dafür sind unter anderem schwache Auftragseingänge, starker Wettbewerbsdruck und die Verlagerung von Produktion und Forschung ins Ausland. Viele Unternehmen investieren lieber in Standorte außerhalb Deutschlands, was die Beschäftigungszahlen zusätzlich belastet.

Umsätze sinken, Branche unter Dauerstress

Die Industrieumsätze gingen 2025 erneut zurück: Insgesamt sank der Umsatz um etwa 1,1 Prozent, das zehnte Quartal in Folge mit Verlusten. Besonders Branchen wie Papier, Textilien und der klassische Fahrzeugbau litten unter dem rückläufigen Geschäft. In einigen Segmenten konnten jedoch leichte Zuwächse verbucht werden, etwa in der Metall- und Elektrotechnikindustrie.

Langfristiger Trend setzt sich fort

Der aktuelle Rückgang ist Teil eines langfristigen Abwärtstrends in der deutschen Industrie. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 wurden rund 266.000 Stellen gestrichen – knapp 4,7 Prozent aller Industriejobs. Experten warnen, dass sich dieser Trend mittelfristig fortsetzen könnte, da strukturelle Probleme wie schwache Binnennachfrage, Konkurrenz aus dem Ausland und hohe Produktionskosten bestehen bleiben.

Aussichten für 2026

Für das laufende Jahr 2026 erwarten Analysten laut EY-Studie weitere Herausforderungen. Insbesondere eine hohe Zahl von Insolvenzen bei Zulieferern und mittelständischen Unternehmen sowie anhaltender Kosten- und Wettbewerbsdruck könnten zu weiterer Reduktion von Arbeitsplätzen führen. Einige Branchen hoffen auf Erholung, doch diese dürfte erst ab 2027 spürbar werden, wenn staatliche Investitionen und strukturelle Reformen greifen.

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

Vertreter der IG Metall und anderer Wirtschaftsverbände fordern flankierende industriepolitische Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem Anreize für Investitionen im Inland, stärkere Unterstützung bei Forschung und Entwicklung sowie Rahmenbedingungen, die Arbeitsplätze in Deutschland halten. Ansonsten drohe eine weitere Erosion wichtiger industrieller Kernkompetenzen.

Die deutschen Industriearbeitsplätze schrumpfen weiter. Der Stellenabbau 2025 war einer der stärksten der letzten Jahre, getrieben vor allem von der Autoindustrie und strukturellen Herausforderungen. Ohne politische und wirtschaftliche Gegenmaßnahmen besteht die Gefahr, dass dieser Trend anhält – mit erheblichen Konsequenzen für den Arbeitsmarkt und die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland.

bh