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Deutschlands Top-Unternehmen leiden unter Gewinnrückgang

Die schwache Wirtschaftslage führt zu einem dritten Gewinnrückgang in Folge. Umsatz zeigt leicht positives Signal, aber Beschäftigungszahlen sinken.

Gut jedes zweite der 100 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland machte von Januar bis September weniger Gewinn. (Symbolbild)
Foto: Jan Woitas/dpa

Die schwache Wirtschaftslage setzt Deutschlands führenden Börsenunternehmen weiterhin stark zu. In den ersten neun Monaten sank der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) der 100 umsatzstärksten Konzerne auf 102 Milliarden Euro – ein Rückgang von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies geht aus einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Laut den Angaben erzielte etwa die Hälfte der Unternehmen weniger Gewinn als im Vorjahr. Der negative Trend setzte sich somit fort. Es handelt sich um den dritten aufeinanderfolgenden Gewinnrückgang.

Beim Umsatz zeigt sich erstmals seit zwei Jahren wieder ein leicht positives Signal. Der Gesamterlös der Top-100-Unternehmen stieg um 0,6 Prozent auf rund 1,55 Billionen Euro. Das Wachstum lag jedoch unter der aktuellen Inflationsrate. Immerhin: 58 Prozent der Unternehmen steigerten ihre Erlöse.

EY-Experte Jan Brorhilker teilte mit: «2025 war ein weiteres Krisenjahr für die deutsche Wirtschaft». Die Konjunktur schwächele, geopolitische Konflikte und die US-Handelspolitik sorgten für Zurückhaltung bei Investitionen. Außerdem drängten zunehmend chinesische Firmen auf den Weltmarkt, was zusätzlichen Wettbewerbs- und Kostendruck bedeute. «Gerade die stark exportorientierten deutschen Industrieunternehmen hatten es im Jahr 2025 nicht leicht.»

Konzerne stehen bei Neueinstellungen auf der Bremse

Auch auf dem Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der angespannten Situation spürbar. Bei 39 der analysierten Unternehmen sank die Anzahl der Mitarbeiter, während 47 einen Anstieg der Beschäftigung verzeichneten. Der Rest machte keine Angaben. Insgesamt gingen von Januar bis September etwa 17.500 Arbeitsplätze verloren, was einem Rückgang von 0,4 Prozent auf insgesamt rund 4,24 Millionen Beschäftigte weltweit entspricht. Seit 2023 hat die Gesamtzahl der Beschäftigten somit um etwa 100.000 Stellen abgenommen. Volkswagen bleibt der größte Arbeitgeber mit rund 633.000 Beschäftigten, gefolgt von der DHL Group (etwa 537.000 Beschäftigte) und Siemens (etwa 318.000 Beschäftigte).

Bei Neueinstellungen stünden viele Top-Konzerne auf der Bremse. Vor allem in der Verwaltung werden Stellen abgebaut – gerade im Inland, wie Brorhilker erklärte. «Dabei sehen wir auch Auswirkungen der zunehmenden Implementierung von KI-Technologien. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte angespannt bleiben, gerade für Berufseinsteiger.»

Autobauer trotz herber Abstriche weiter an der Spitze

An der Spitze des Umsatzrankings stehen wie in den Vorjahren die Autobauer Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz. An den Zahlen zeigt sich jedoch auch die Krise der deutschen Kernbranche: Der Gesamtumsatz der drei Konzerne sank im Vorjahresvergleich zwar nur um zwei Prozent auf rund 437,2 Milliarden Euro. Der Gewinn im Tagesgeschäft sackte in den ersten neun Monaten hingegen um 46 Prozent auf rund 17,8 Milliarden Euro ab, wobei die Zahlen je nach Hersteller unterschiedlich stark zurückgingen.

Die Top-Chemiekonzerne wurden am stärksten von einem Gewinneinbruch um 71 Prozent getroffen. Im Gegensatz dazu entwickelte sich der Technologiesektor deutlich besser. IT-Firmen konnten ihren Gewinn fast verdoppeln, während der Gesundheitssektor ein kräftiges Gewinnwachstum von 40 Prozent verzeichnete. An der Spitze der profitabelsten Unternehmen steht die Telekom, die in den ersten neun Monaten einen operativen Gewinn von 19,4 Milliarden Euro (plus neun Prozent) erzielte. Auf den Plätzen folgen Siemens, BMW und SAP.

Die verschiedenen Krisen träfen die Unternehmen unterschiedlich stark. «Der Finanzbranche geht es relativ gut, Technologieunternehmen ebenfalls, die Rüstungsbranche boomt», teilte Brorhilker mit. Viele hätten außerdem in den vergangenen Jahren ihr Geschäftsmodell transformiert, sich grundlegend neu aufgestellt und sich teils auch neuen Märkten zugewandt. 

Tal der Tränen durchschritten?

Trotz der schwierigen Ausgangslage blickt Brorhilker vorsichtig optimistisch in die Zukunft. «Von der deutschen Autoindustrie gab es im Jahr 2025 vor allem schlechte Nachrichten. Aber die strategische Neuausrichtung und starke neue Modelle auch und gerade im Elektrosegment bieten durchaus Chancen, dass das Tal der Tränen bald durchschritten sein wird», teilte er mit. 

Zum Wachstumsmotor werde die deutsche Industrie aber wohl auch im neuen Jahr nicht. Diese Rolle komme weiter anderen Branchen zu, beispielsweise dem Technologiesektor, so Brorhilker. «Eine Beruhigung der geopolitischen Lage, verbunden mit dem Investitionspaket der Bundesregierung könnte aber eine konjunkturelle Trendwende einleiten, von der viele Branchen profitieren dürften.»

dpa