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Die Deutsche Bahn setzt nach tödlichem Angriff auf mehr Bodycams und Sicherheitsmaßnahmen

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter verschärft die Deutsche Bahn ihre Sicherheitsmaßnahmen. Künftig sollen deutlich mehr Mitarbeitende freiwillig mit Bodycams ausgestattet werden. Reicht das aus, um Gewalt im Bahnverkehr wirksam einzudämmen?

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Foto: NF24 / KI

Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters bei einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz hat die Deutsche Bahn angekündigt, ihre Sicherheitsstrategie zu intensivieren und Beschäftigte besser auszustatten. Bei einem von der Bahn einberufenen Sicherheitsgipfel in Berlin verständigten sich Vertreter aus Bund, Ländern, Gewerkschaften und Verkehrsverbünden darauf, Maßnahmen zu ergreifen, um Übergriffe auf Mitarbeitende künftig besser zu verhindern und im Ernstfall zu dokumentieren. Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund zahlreicher Angriffe auf Zugpersonal und anhaltender Debatten über Sicherheit im öffentlichen Verkehr.

Hintergrund: Tödlicher Angriff und Debatte um Sicherheit

Anfang Februar wurde ein 36-jähriger Zugbegleiter bei einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalzug nahe Kaiserslautern von einem Fahrgast so schwer attackiert, dass er später im Krankenhaus starb. Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft. Der Vorfall löste bundesweit Entsetzen aus und rückte die Arbeitsbedingungen von Bahnbeschäftigten in den Fokus.

Mehr Bodycams für Zugpersonal geplant

Als eine der ersten Maßnahmen kündigte Bahnchefin Evelyn Palla an, dass noch im Jahr 2026 alle Bahnbeschäftigten mit direktem Kundenkontakt – sowohl im Fernverkehr als auch an Bahnhöfen – freiwillig mit Bodycams ausgestattet werden sollen. Diese tragbaren Kameras sollen helfen, Übergriffe besser zu dokumentieren und im Nachgang rechtlich verwertbare Aufnahmen zu liefern. Die Maßnahme basiert auf Forderungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die flächendeckenden Einsatz von Bodycams auch mit Tonaufnahme verlangt, um nicht nur körperliche, sondern auch verbale Gewalt gegen Beschäftigte festzuhalten.

Bodycams sind keine neue Erfindung: Schon seit einigen Jahren nutzt die Bahn in Teilen ihres Regionalverkehrs freiwillig Kameras, die Mitarbeitende bei Konfliktsituationen einschalten können. Laut Konzernberichten zeigen diese Geräte eine deeskalierende Wirkung und liefern im Ernstfall aussagekräftige Beweise für Polizei und Justiz.

Gewalt gegen Bahnmitarbeiter bleibt ein Thema

Zugbegleiter und andere Bahnbeschäftigte sehen sich seit Jahren einer steigenden Zahl von Übergriffen ausgesetzt. Nach Angaben der Bahn ereigneten sich allein 2025 mehr als 3.000 Angriffe auf Mitarbeiter, darunter verbale Beschimpfungen, körperliche Attacken und Gewalt bei Fahrkartenkontrollen. Trotz vorhandener Sicherheitskräfte und Videotechnik – tausende stationäre Kameras sind bereits in Zügen und an Bahnhöfen installiert – bleibt das Risiko hoch.

Forderungen nach weitergehenden Schutzmaßnahmen

Über Bodycams hinaus verlangen Gewerkschaften und Betriebsräte weitere Schutzmaßnahmen für Beschäftigte. Dazu zählen u. a. Doppelbesetzungen in Regionalzügen, verstärkte Präsenz von Sicherheitsteams und Polizei sowie der Ausbau weiterer Überwachungs- und Alarmtechniken. Kritiker sehen in der flächendeckenden Ausstattung mit Bodycams und anderen Technologien einen wichtigen Schritt, doch auch strukturelle Änderungen in der Arbeitsorganisation werden als notwendig erachtet.

Fazit: Sicherheit im Bahnverkehr im Fokus

Der tödliche Angriff hat eine breite Diskussion über die Sicherheit im deutschen Bahnverkehr ausgelöst und den Druck auf die Verantwortlichen erhöht, konkrete Schutzkonzepte zu entwickeln. Der freiwillige Einsatz von Bodycams für viele Bahnbeschäftigte ist ein erster Schritt – doch die Debatte über weitergehende Maßnahmen zur Prävention von Gewalt, zur Entlastung der Mitarbeitenden und zur Stärkung des Sicherheitsgefühls von Kunden und Personal wird anhalten.

bh