Die EM stellt für die Polizei einen enormen Kraftakt dar. Sicherheitskräfte müssen sich auf Hooligan-Krawalle vorbereiten und den Alkoholkonsum kontrollieren.
EM 2024: Bundespolizei vor größtem Einsatz in ihrer Geschichte

Die Bundesinnenministerin ist sich sicher: «Für die Polizeien von Bund und Ländern wird die EM ein enormer Kraftakt», sagte Nancy Faeser am Tag vor dem Turnierbeginn. «Die Bundespolizei steht vor dem größten Einsatz in ihrer Geschichte.»
Am ersten Wochenende der EM stehen die Sicherheitskräfte vor einer Herausforderung, die nicht mit den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs oder möglichen Cyber-Attacken vergleichbar ist: die Sorge vor Hooligan-Krawallen.
Als erstes der insgesamt 51 EM-Spiele wurde das Spiel zwischen Serbien und England am Sonntagabend in Gelsenkirchen (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) als Hochrisiko-Spiel eingestuft. 40.000 englische Fans, 8000 Serben – und das größte Problem: Etwa 500 polizeibekannte und gewaltbereite serbische Anhänger werden in der Stadt erwartet.
Nur Bier mit weniger Alkohol
Aus Sicherheitsgründen wird nicht nur der Polizei-Einsatz stark erhöht. Bei diesem Spiel ist auch nur der Verkauf einer Leichtbier-Variante mit halbem Alkoholgehalt erlaubt: 2,5 statt 4,8 Prozent, um das Eskalationsrisiko bestmöglich zu verringern.
Doch was als Nachricht durch zahlreiche europäische Medien wanderte, geht am Kern des Hooligan-Problems nach Meinung von Experten mittlerweile vorbei. Gewaltbereite Fans, die zum Stadion ziehen, sich betrinken und dann wahllos drauflos prügeln – das ist vor allem bei Hooligans aus Osteuropa und vom Balkan nur noch ein Klischee. «Die Hooligan-Szene hat sich und ihre Gewalt über die vergangenen Jahre stark professionalisiert», sagte der Fan-Forscher und Hooligan-Experte Robert Claus dem «Focus».
Der Autor sieht in Ländern wie Serbien, Kroatien, Ungarn oder Polen vor allem zwei Tendenzen: eine Überschneidung des Hooliganismus mit rechtsextremen Strukturen. Und eine straffe Organisation. «Es gibt heute kaum noch Hooligans, die keinen Kampfsport betreiben», sagte Claus. «Aus der Szene heraus sind private Fitnessstudios, Kampfsport-Events sowie Ausrüster-Firmen entstanden und somit auch Jobs.»
Hooligans stark vernetzt
Hooligans haben eine starke Vernetzung – sowohl innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen als auch darüber hinaus. Während der Massenschlägereien rund um das Finalturnier der Basketball-Euroleague am letzten Mai-Wochenende in Berlin griffen Fans von Roter Stern Belgrad und Olympiakos Piräus gemeinsam die Anhänger von Panathinaikos Athen an.
Die Serben nahmen nicht am Turnier teil. Jedoch pflegen Fangruppen von Roter Stern ihre Verbindungen zu Rechtsradikalen, zur organisierten Kriminalität und insbesondere zu prorussischen Gruppierungen. Dieser Zusammenhang führt zu den schweren Ausschreitungen bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich, dem letzten EM-Turnier vor dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Damals griffen fast 200 gut organisierte russische Hooligans mehrere tausend englische Fans in Marseille an.
Ausländische Polizisten im EM-Einsatz
Um zu verhindern, dass sich solche Szenen in deutschen EM-Städten ereignen, kooperieren die Sicherheitskräfte bei diesem Turnier eng mit ausländischen Polizisten. 580 von ihnen aus allen Teilnehmerländern werden während der EM in Deutschland aktiv sein. Serbische oder polnische Polizisten erkennen serbische oder polnische Hooligans – das ist die Strategie.
«Die internationalen Polizeikräfte sind ein Bindeglied zwischen unserer Polizei und den Fans und Gästen aus den teilnehmenden Staaten», sagte Innenministerin Faeser (SPD) am Donnerstag bei deren Begrüßung in Bamberg. «Schon die Präsenz von uniformierten Polizeibeamten aus der eigenen Heimat kann gegenüber möglichen Gewalttätern abschreckend wirken. So können wir gemeinsam zielgerichtet handeln und Gewalt verhindern.»
Um gewaltbereite Fans an der Einreise zu hindern, verstärken mehrere Bundesländer während der EM die Grenzkontrollen. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise überwacht die Bundespolizei verstärkt die Grenzübergänge nach Polen sowie die Fährhäfen nach Dänemark und Schweden – auch in enger Zusammenarbeit mit ihren polnischen Kollegen.
«Wir haben einen internationalen Datenaustausch zu gewaltbereiten Hooligans», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag im ZDF-«Morgenmagazin». «Es wird jedenfalls konsequent kontrolliert an den Grenzen. Und das ist wichtig und richtig so.»








