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Anstieg der Badeunfälle: 353 Tote bis September in deutschen Gewässern

DLRG warnt vor mangelnder Vorsicht beim Baden und Wassersport, vor allem bei älteren Menschen und Kindern.

Die Zahl der Badetoten ist im laufenden Jahr deutlich gestiegen - mindestens 353 Menschen sind ertrunken. (Symbolbild)
Foto: Stefan Sauer/dpa

Sommer, Sonne, Ferien – und dann die Vorsicht vergessen: In deutschen Gewässern sind bis zum Ende des Sommers so viele Menschen gestorben wie seit Jahren nicht. Laut einer Statistik ertranken bis zum Stichtag 10. September 353 Menschen – im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 278 tödliche Badeunfälle, 2019 waren es bis zu diesem Datum 365.

«Trotz aller Appelle und zahlreicher mahnender Beispiele waren Leute beim Baden und bei Wassersportaktivitäten immer wieder nicht vorsichtig genug», sagte die Präsidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ute Vogt. Diese «traurige Entwicklung» habe sich mitten im Sommer schon abgezeichnet: «Im heißen August sind dann nochmals deutlich mehr Menschen ertrunken als im Jahr davor.» Den Angaben zufolge starben allein in dem Monat bundesweit 80 Menschen im Wasser, 33 mehr als im August 2023. Mehr Opfer in einem Monat habe es mit 117 zuletzt im August 2020 gegeben.

6000 Rettungsschwimmer an der Küste im Einsatz

Entlang der Küsten sind laut DLRG zwischen Anfang Mai und Ende September etwa 6.000 freiwillige Rettungsschwimmer im Dienst, die die Strände sieben Tage die Woche überwachen. Zusätzlich sorgen an Wochenenden rund 49.000 Ehrenamtliche an Seen und in Schwimmbädern für Sicherheit. Die DLRG bezeichnet sich selbst als die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt und hat über 600.000 Mitglieder.

Das Eintauchen in oder unter Wasser mit lebensbedrohlichem Sauerstoffmangel wird von der DLRG als Ertrinken bezeichnet. Dies kann bei Bewusstsein oder Bewusstlosigkeit auftreten, beispielsweise nach einem Sturz oder einem Kopfsprung auf ein Hindernis unter der Wasseroberfläche.

Menschen über 50 häufiger betroffen

Vor allem unter Menschen im Alter ab 50 stieg die Zahl der Todesfälle: Laut DLRG waren 60 Prozent der Opfer mit bekanntem Alter älter als 50 Jahre – was in den fünf Jahren zuvor durchschnittlich für die Hälfte der Verunglückten zutraf. «Die immer neuen Temperatur-Rekorde sind für den Körper sehr herausfordernd», sagte Vogt. «Plötzlich auftretende Herz-Kreislauf-Probleme sind im Wasser noch viel häufiger lebensbedrohlich.» Sie riet erneut zu bewachten Badestellen, um Risiken zu vermeiden. Erneut stark gefährdet: Männer, 77 Prozent der Badetoten waren männlich.

Bis zum Ende der Sommerferien in Deutschland ertranken 12 Kinder im Alter bis 10 Jahre – 2023 waren es 13 Kinder in dem Alter. Das sei zwar ein leichter Rückgang, dennoch bereitet es den DLRG-Rettern Sorgen, weil die meisten Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit nicht sicher schwimmen könnten: «Wer das nicht mehr lernt, bleibt sein Leben lang am, auf und im Wasser gefährdet», warnte Vogt. «Denn schwimmen zu können, gehört einfach zum Leben dazu wie das Lesen, Rechnen und Schreiben.» 

Flüsse und Seen besonders gefährlich

Vogt forderte von der Politik mehr Wasserflächen und qualifizierte Lehrkräfte: «Nur die Schulen erreichen alle Kinder.» Viele Schulen setzten sich ein, um ihre Schüler zu sicheren Schwimmern auszubilden – 26 davon erhielten einen DLRG-Förderpreis. 

«Jede dieser Schulen leistet Besonderes und ist ein leuchtendes Beispiel, das hoffentlich möglichst viele andere zum Nachahmen motiviert», sagte die DLRG-Präsidentin. Die DLRG verwies etwa auf die Fasanenhofschule in Stuttgart. Die Schülerinnen und Schüler dieser Grundschule erhielten einen vierjährigen wöchentlichen Schwimmunterricht.

Die Anzahl der tödlichen Badeunfälle bei 11- bis 20-Jährigen ist im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 11 gesunken. Nicht nur beim Baden und Schwimmen, sondern auch beim Wassersport besteht ein Risiko: Bis zum Stichtag ertranken laut DLRG etwa 30 Menschen beim Stand-up-Paddling oder Kanufahren, im Vorjahr waren es 20.

Flüsse besonders gefährlich

Die meisten Todesfälle wurden von den Lebensrettern in Flüssen und Bächen gezählt, mit 134 Opfern im Vergleich zu 103 im Vorjahreszeitraum, jeweils zum Stichtag 10. September. In den Fließgewässern des Binnenlandes waren es zuletzt 2018 sogar noch mehr, nämlich 153 Tote. 133 Menschen starben in Seen und Teichen, während es 2023 noch 120 tödliche Badeunfälle gab.

Es gab auch im Meer eine signifikant höhere Anzahl von Todesfällen – gemäß der DLRG wurden in den letzten zehn Jahren 28 Todesfälle in der Nordsee (3) und Ostsee (25) nicht erfasst. Im Jahr 2023 waren es 14.

Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, fällt Bayern mit seinen zahlreichen Seen auf – dort sind im aktuellen Jahr 58 Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 50. In Nordrhein-Westfalen stieg die Anzahl der Opfer von 38 auf 52, in Baden-Württemberg von 33 auf 41.

Bis zum Stichtag gab es auch in Niedersachsen 37 Badetote – im Vorjahr waren es 26 – sowie in Mecklenburg-Vorpommern 24 nach zuvor 14 Badetoten und in Bremen: Im kleinsten Bundesland ertranken 8 Menschen, während es im gleichen Zeitraum des Vorjahres 2 waren.

Hunderte von Menschen gerettet

Immerhin gibt es auch positive Nachrichten: «Allein unsere Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer an Nord- und Ostsee befreiten bis Ende August in rund 230 Fällen in Not Geratene aus der Lebensgefahr im Wasser», sagte DLRG-Präsidentin Vogt. In der gesamten Saison 2023 wurden dort 244 Menschen gerettet. Im laufenden Jahr komme eine vergleichbare Zahl an Rettungseinsätzen im Binnenland dazu. Die genauen Zahlen dazu sollen den Angaben zufolge erst nach dem Jahreswechsel erhoben werden.

dpa