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Deutschland siegt gegen Holland im Fußball-Sommermärchen

Die DFB-Elf zeigt Turnierreife und gewinnt verdient mit 2:1 dank spätem Joker-Tor von Füllkrug gegen Erzrivalen Holland.

Deutschland setzte sich in Frankfurt gegen die Niederlande durch.
Foto: Christian Charisius/dpa

Deutschland kann nach einem späten Joker-Tor von Niclas Füllkrug und der Sieg-Zugabe gegen den Erzrivalen Holland auf ein neues Fußball-Sommermärchen hoffen. 80 Tage vor dem Eröffnungsspiel bei der Heim-EM gewann die von Bundestrainer Julian Nagelsmann neuformierte DFB-Elf nach dem 2:0 in Frankreich auch den zweiten großen Test gegen Oranje mit 2:1 (1:1).

Das deutsche Team zeigte mit seiner Spielbegeisterung, dem Engagement und dem verdienten Siegtor von Füllkrug (85.) die lange vermisste Turnierreife. Unter der Leitung des ehrgeizigen Nagelsmanns entwickelt sich etwas.

Im ausverkauften Frankfurter EM-Stadion war das erneut von Rückkehrer Toni Kroos geleitete deutsche Team bei der Premiere im pinken Trikot spielerisch überlegen. Und es zeigte nach dem frühen Rückstand durch Joey Veerman (4. Minute) zudem Reaktionsstärke: Der Stuttgarter Maximilian Mittelstädt glich mit einem wunderschönen Distanzschuss unter die Latte aus (11.). Nagelsmann hat in nur einer Woche eine Formation gefunden, der nach Jahren der Tristesse bei der EM viel zuzutrauen ist – vielleicht sogar alles. Vor dem Turnier-Ernstfall am 14. Juni in München gegen Schottland kann Nagelsmann im Trainingslager und den Tests gegen die Ukraine und Griechenland noch am Feinschliff arbeiten.

Schweigeminute vor dem Anstoß

Vor dem Anpfiff wurde zu Ehren der gestorbenen Weltmeister Franz Beckenbauer und Andreas Brehme eine Schweigeminute abgehalten. Rudi Völler war davon besonders berührt. Kurz davor hatte der DFB-Sportdirektor über das Stadionmikrofon den Fans versprochen: «Wir wollen den Schwung mitnehmen und nachlegen.» Nagelsmann schickte dafür dieselbe Startelf wie beim überzeugenden Start ins EM-Jahr aufs Feld. Doch zunächst lief die Partie anders als gegen Frankreich.

Diesmal war es nicht das deutsche Team, das früh in Führung lag, sondern schnell zurück lag. Nach einem schwachen Rückpass von Mittelstädt zögerte Innenverteidiger Jonathan Tah gegen Memphis Depay. Der niederländische Angreifer konnte relativ ungehindert nach innen flanken, wo Veerman ungedeckt per Volleyschuss sehenswert abschloss.

Die DFB-Mannschaft ließ sich davon nicht beeindrucken – ganz im Gegenteil. Die schnelle Antwort kam ausgerechnet von Mittelstädt, der mit einem kraftvollen Linksschuss unter die Latte nach einer kurz ausgeführten Ecke von Kroos und Vorlage von Jamal Musiala seinen Fehler vor dem 0:1 korrigierte. Ähnlich wie gegen Frankreich beim Rekordtor von Florian Wirtz nach nur acht Sekunden direkt nach dem Anstoß, erzielte die DFB-Elf nach einer einstudierten Aktion ein Tor.

Neue DFB-Torhymne

Das erste Tor im zweiten Länderspiel des Stuttgarter Linksverteidigers Mittelstädt feierten die Fans «völlig losgelöst»: Im Nachbarduell erfüllte der DFB den Wunsch vieler Anhänger, «Major Tom» von Peter Schilling bei eigenen Toren zu spielen. Bis zum Abschluss einer Online-Petition waren knapp 70.000 Stimmen dafür zusammengekommen.

Nach dem 1:1 beherrschte Deutschland das Spiel weitgehend. Im defensiven Mittelfeld war Rückkehrer Kroos erneut der sichere Ballverteiler, eine Art Quarterback, der sich immer wieder von der Manndeckung durch Tijjani Reijnders lösen konnte. Musiala und Florian Wirtz ließen vor Kroos ihre Klasse aufblitzen. Sie rotierten viel und waren für die niederländische Verteidigung schwer zu fassen. Nach einem feinen Pass von Musiala hatte Ilkay Gündogan in der 18. Minute die Chance zum 2:1. Doch der Abschluss des Kapitäns bereitete Gäste-Torhüter Verbruggen keine Probleme.

In seinem 75. Länderspiel war Gündogan insgesamt besser im Spiel als zuletzt in Frankreich. Der Profi des FC Barcelona verhinderte zudem in der 33. Minute den zweiten Oranje-Treffer, als er nach einer Kopfballvorlage des Münchners Matthijs de Ligt vor dem einschussbereiten Dortmunder Donyell Malen zur Ecke rettete. Die Niederländer versuchten zunehmend, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen, um den Rhythmus des deutschen Spiels zu brechen.

Niederlande nach der Pause zunächst besser

Die Gäste kamen nach der Halbzeitpause etwas stärker aus der Kabine, während die Deutschen in der Abwehr, wie bei der Großchance von Depay (61.), gelegentlich anfällig wirkten. Nach etwa einer Stunde wechselte Nagelsmann gleich zweimal: Für Gündogan und Robert Andrich kamen Chris Führich und Pascal Groß. Dennoch setzte Mittelstädt das erste deutsche Ausrufezeichen der zweiten Halbzeit erneut, als er Verbruggen mit einem kräftigen Distanzschuss prüfte (65.).

Insgesamt verschlechterte sich das Spiel auf rutschigem Rasen. Nagelsmann reagierte, indem er Thomas Müller und Niclas Füllkrug als frische Offensivkräfte einwechselte, da das Unentschieden ihm nicht genug schien. Die Spieler auf dem Feld schienen die Botschaft verstanden zu haben und erhöhten den Druck. Zunächst scheiterten Musiala (76.) und Müller (83.) mit guten Chancen an Oranje-Torhüter Verbruggen, bevor Füllkrug zuschlug: Nach einer Ecke von Kroos bugsierte der Dortmunder den Ball mit der Schulter ins Tor.

dpa