Die Menschen flüchten auf die Straßen, Hochhäuser stürzen ein. Die Lage ist ruhig, aber ungewohnt.
Panik in Bangkok: Erdbeben erschüttert die Stadt
Es ist Mittagszeit in Bangkok. Cafés, Garküchen und Restaurants sind voll besetzt, als plötzlich die Erde in Thailands Hauptstadt zu wackeln beginnt. Die Menschen schauen sich zunächst über die Tische hinweg fragend an, keiner scheint so recht zu wissen, was gerade passiert oder was er tun soll. Denn Erdbeben in Bangkok sind selten, und sehr starke Beben noch seltener. Aber als die Erdstöße stärker werden, beginnt die große Flucht.
Stadtteil Silom. Hier stehen viele Hochhäuser, die Gegend gilt als «Wall Street» von Bangkok mit unzähligen Büros und Shopping Malls. Innerhalb von wenigen Minuten füllt sich die Hauptstraße Silom Road mit vielen Tausend Menschen. Aus allen Gebäuden rennen sie auf die Straßen, manche schreien panisch. Denn die Erde scheint sich gar nicht mehr beruhigen zu wollen.
Epizentrum lag 1.300 Kilometer entfernt
Laut der US-Erdbebenwarte USGS wurde das Beben mit einer Stärke von 7,7 in geringer Tiefe von nur zehn Kilometern gemessen. Das Epizentrum befand sich nicht in Thailand, sondern im benachbarten Myanmar, in der Nähe der Millionenstadt Mandalay – etwa 1.300 Kilometer entfernt. Es wird berichtet, dass dort mehrere Menschen ums Leben gekommen sind.
Das ehemalige Birma hat seit vielen Jahren schwer gelitten: Das Militär hat sich 2021 erneut an die Macht geputscht und regiert das Land seitdem mit harter Hand und brutaler Gewalt.
In Bangkok gibt es auch starke Erschütterungen. Im Gegensatz zu beliebten Touristenzielen wie der größten Insel Phuket im Süden des Landes. Eine Deutsche berichtet, dass dort überhaupt nichts zu spüren war.
Neubau stürzt ein
Im Stadtteil Chatuchak in Bangkok, der für seinen großen Wochenendmarkt auch bei Touristen bekannt ist, stürzt ein noch im Bau befindliches Hochhaus ein. Laut Medienberichten werden später drei Tote entdeckt, während am Nachmittag noch 40 weitere Menschen vermisst werden.
Die Menschen stehen ratlos und ängstlich auf den Straßen der Glitzermetropole – jedoch herrscht eine ruhige und geordnete Atmosphäre, wie es typisch für Thailand ist. Patienten aus den Krankenhäusern werden vorsichtshalber in Rollstühlen auf die Bürgersteige geschoben.
«Wie krass! So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt der Australier David, der Freunde in der Stadt besucht. «Das hätte ich in Bangkok nie erwartet.» Um ihn herum versuchen unzählige Thais, ihre Familienangehörigen telefonisch zu erreichen – aber teilweise gibt es kein Netz mehr, weil die Leitungen so überlastet sind.
Sirenen und große Angst
Der Verkehr ist jetzt vollständig zum Stillstand gekommen, auch der Skytrain – eines der beliebtesten öffentlichen Verkehrsmittel Bangkoks – steht still. Rettungskräfte eilen herbei und fordern die Menschen auf, unbedingt auf den Straßen zu bleiben. Auch anderthalb Stunden nach dem Erdbeben befürchten sie noch Nachbeben. Das stärkste, das ein paar Minuten nach dem Hauptbeben auftrat, wurde immerhin mit 6,4 gemessen.
Später hört man noch stundenlang Sirenen. Die Ausmaße der Schäden in der Megametropole sind zunächst unklar – jedoch scheint die bei Urlaubern aus aller Welt beliebte Stadt nach einem dramatischen Tag recht glimpflich davongekommen zu sein.