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Autobahnbrücken in Deutschland in bedenklichem Zustand

Experten warnen vor akuter Gefahr für Standsicherheit und Verkehrssicherheit bei 43 Brücken über 50 Metern.

Viele Autobahnbrücken sind in die Jahre gekommen
Foto: Thomas Frey/dpa

Viele Autobahnbrücken in Deutschland sind nach einer Datenauswertung von Bauexperten in einem bedenklichen Zustand. 43 Autobahnbrücken mit einer Länge von mehr als 50 Metern hätten einen «ungenügenden» Zustand, heißt es in einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Analyse der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken. Das bedeute, die Standsicherheit, die Verkehrssicherheit oder beides seien erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben.

Die Politik und die Autobahngesellschaft des Bundes müssten jetzt handeln, so Marco Götze, Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft. «Gerade bei Autobahnbrücken dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass das nächste Unglück so glimpflich verläuft wie der Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden.»

Daten von rund 3800 Brücken 

Laut eigenen Angaben hat die Bundesgütegemeinschaft diejenigen identifiziert, die deutschlandweit die schlechtesten Zustandsnoten von 3.786 Autobahnbrücken mit mindestens 50 Meter Länge haben. Die Untersuchung basierte auf der regelmäßig veröffentlichten Brückenstatistik der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Von den 100 am schlechtesten bewerteten Brücken mit einer Länge von mindestens 50 Metern befinden sich die meisten in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Diese Bundesländer, zusammen mit Niedersachsen, haben insgesamt die meisten Autobahnbrücken.

Die Bewertung basiert auf Zustandsnoten, die akute Schäden und Abnutzungserscheinungen angeben. Außerdem gibt es den sogenannten Traglastindex, der die Leistungsfähigkeit der Brücke gemessen an Alter und Material bewertet.

Jede zehnte Brücke «nicht ausreichend»

Von den 3.786 Autobahnbrücken mit einer Mindestlänge von 50 Metern hätten 1.382 die Zustandsbewertung «noch ausreichend» bekommen, bei 378 werde der Bauwerkszustand als «nicht ausreichend». Jede fünfte von Deutschlands 100 am stärksten angeschlagenen Autobahnbrücken stehe in NRW.

Im März 2022 präsentierte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ein Maßnahmenpaket zur beschleunigten Modernisierung von Brücken. Die intensive Nutzung in den vergangenen Jahrzehnten, insbesondere durch den zunehmenden Schwerverkehr, hat bei vielen Brücken Spuren hinterlassen. In den nächsten Jahren sollen jährlich 400 Brücken saniert werden. Ein Beispiel auf Bundesebene ist die Autobahnbrücke Rahmede an der Sauerlandlinie (A45), die aufgrund schwerer Schäden gesperrt und mittlerweile gesprengt wurde. Ein Neubau ist geplant.

dpa