Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Historischer Triumph: Bayer 04 Leverkusen erstmals deutscher Meister

Die Fans stürmten aufs Feld, Vizekusen ist endlich vorbei. Bayer 04 Leverkusen hat sein Trauma abgelegt und zum ersten Mal die deutsche Fußball-Meisterschaft gewonnen.

Bayer Leverkusen ist zum ersten Mal deutscher Fußball-Meister.
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Anhänger strömten auf das Spielfeld, Vizekusen ist endlich vorbei: Bayer 04 Leverkusen hat sein Trauma überwunden und zum ersten Mal die deutsche Fußball-Meisterschaft gewonnen. Der Werksclub sicherte sich den Triumph bereits am 29. Bundesliga-Spieltag mit einem 5:0 (1:0)-Heimsieg gegen den SV Werder Bremen und beendete damit die Serie des FC Bayern nach elf Titeln in Folge.

Die Mannschaft von Trainer-Shooting-Star Xabi Alonso, die in dieser Saison überragend war, hat auch für eine der frühesten Titelentscheidungen in Deutschland gesorgt. Nur der Rekordmeister aus München schaffte es bisher schneller, nämlich 2014 am 27. Spieltag und ein Jahr zuvor am 28. Spieltag.

Bayer führt die Tabelle nun mit 79 Punkten uneinholbar an und setzte auch einen Punkterekord zu diesem Zeitpunkt. Vor dem Ende des Spiels feierten die Fans in Leverkusen bereits ihre Mannschaft, nach dem vierten Tor liefen einige auf den Platz, wodurch das Spiel für einige Minuten unterbrochen werden musste. Nach dem fünften Tor und einem erneuten Platzsturm pfiff der Schiedsrichter ab. Torschütze Victor Boniface (25. Minute/Foulelfmeter), Granit Xhaka (60.) und Florian Wirtz (68./83./90.) mit einem Hattrick erzielten die Tore der seit 43 Spielen in allen Wettbewerben ungeschlagenen Leverkusener.

Ab jetzt gilt: «Meisterkusen»

Schon Stunden vor dem Spiel herrschte rund um die später mit 30.210 Zuschauern ausverkaufte BayArena Volksfeststimmung. Mit Böllern, Silvesterraketen und lauten Gesängen wurde der Mannschaftsbus empfangen. Mützen und Schals, auf denen «Deutscher Meister 2024» stand, wurden verkauft. Fans hielten Schilder hoch, auf denen «Meisterkusen» stand.

Das Label «Vizekusen», das dem Werksclub seit dem Beginn dieses Jahrtausends anhaftete, war durchgestrichen. «Das merkt man, dass die Euphorie heute noch mal einen Höhepunkt erreicht», sagte Leverkusens Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes beim Streamingdienst DAZN vor dem Anpfiff.

Bayer schien trotz eines deutlich größeren Anteils am Spiel zu Beginn noch etwas nervös zu sein. Alonso hatte offensichtlich auch angesichts des Viertelfinal-Rückspiels in der Europa League am Donnerstag bei West Ham United die Stars Wirtz, Jeremie Frimpong und Alejandro Grimaldo zu Beginn noch geschont, sie kamen erst nach der Pause. Stattdessen stand Jonas Hofmann wieder in der Startelf. Und ein Foul an dem ehemaligen Gladbacher nach gut 20 Minuten sorgte für den Party-Startschuss.

Ein Elfmeter leitet den Titelabend ein

Der Videoschiedsrichter Pascal Müller wies den Schiedsrichter Harm Osmers auf das Foul von Julián Malatini an Hofmann im Strafraum hin. Erst nach dem Betrachten der Zeitlupe entschied Osmers auf Elfmeter. Boniface verwandelte sicher. Es war das erste Bundesligator für den lange verletzten Nigerianer seit Dezember 2023.

Der Rest des Spiels wurde zu einem Jubellauf für Bayer. Xhakas zweiter Saisontreffer sorgte endgültig für die Erlösung und Wirtz‘ nicht unhaltbarer Weitschuss für ausgelassene Glückseligkeit. Beim zweiten Treffer von Wirtz stürmten die inzwischen aufgeputschten Bayern-Anhänger schon in Scharen aufs Spielfeld und konnten nur mit Mühe wieder zurückgedrängt werden.

Die Bayern haben ihre langanhaltende Dominanz in der Liga verloren. Der entthronte Titelverteidiger war zuletzt elfmal in Folge deutscher Meister. Zuvor hatte Borussia Dortmund 2012 als letztes Team den Titel gewonnen.

Noch zwei Titel sind drin

In dieser Saison konnten die schwächelnden Bayern Leverkusen jedoch bei weitem nicht mit den Bayern mithalten. Der Werksclub, der zuletzt 1993 mit dem Gewinn des DFB-Pokals einen Titel errungen hatte, hat in diesem Jahr sogar noch die Chance auf zwei weitere Titel. Am 25. Mai steht das Pokalfinale gegen den abstiegsbedrohten Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern an und auch in der Europa League ist Bayer noch aussichtsreich im Rennen.

Alonso, der Meistermacher, hat in seiner noch jungen Trainerkarriere mit dem Gewinn der Meisterschaft den ersten Meilenstein erreicht. Der ehemalige Weltklassespieler übernahm die Werkself am 5. Oktober 2022 als Tabellen-17. der Bundesliga, führte sie bereits in der vergangenen Saison in die Europa League und hat sie in dieser Saison endgültig zu einem Spitzenteam geformt.

Alonso kann mit seinem im vergangenen Sommer ordentlich aufgemotzten Team etwas erreichen, was den Bayern noch nie gelungen ist: Eine komplette Saison ohne Niederlage. Die 43 steht schon mal.

Die Saison der Superlative wäre jedoch ohne mehrere Volltreffer auf dem Transfermarkt im vergangenen Sommer nicht möglich gewesen. Die Zugänge Xhaka vom FC Arsenal (15 Millionen Euro), Grimaldo von Benfica Lissabon (ablösefrei) und Boniface von Union Saint-Gilloise (20,5 Millionen) erwiesen sich sofort als Leistungsträger.

Auch leichte Kritik nach Bayer-Investitionen

Insgesamt investierte Bayer gut 80 Millionen Euro in neue Spieler und damit bereits im dritten Jahr am Stück im zweistelligen Millionenbereich mehr, als durch Verkäufe eingenommen wurde. Eine solche Transferbilanz nach der Corona-Pandemie hätte kaum ein anderer traditioneller Verein ohne Investor oder Mutterkonzern realisieren können, ohne sich in arge Schwierigkeiten zu bringen. Deshalb gab es zuletzt auch vom Fan-Bündnis «Unsere Kurve» leichte Kritik. Durch die 50+1-Ausnahme seien die finanziellen Voraussetzungen bei Bayer anders als bei anderen Vereinen – insbesondere im Nachgang der Corona-Pandemie.

Der Verein, der aufgrund des deutlich geringeren Fan-Zuspruchs und des kleineren BayArena immer im Schatten von größeren Clubs wie dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach stand, könnte in dieser Saison endgültig sein Image als graue Maus loswerden.

dpa