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Feuerwehren kämpfen gegen Waldbrand am Brocken

Einsatzkräfte am Boden und aus der Luft im Dauereinsatz gegen großen Wald- und Flächenbrand. Löschhubschrauber und -flugzeuge im Einsatz.

Der Brand am Brocken im Harz ist noch nicht unter Kontrolle.
Foto: Matthias Bein/dpa

Lange Rauchschwaden am Brocken, Feuerwehren im Dauereinsatz bei Sommerhitze: Am höchsten Berg des Harzes kämpfen Einsatzkräfte am Boden und aus der Luft gegen einen großen Wald- und Flächenbrand. Nach Angaben des Landkreises Harz brennt es auf einer Länge von 1000 Metern. Am Nachmittag ein erster Lichtblick: «Es ist uns gelungen, unter dem Einsatz von viel Manpower und auch Technik, das Feuer jetzt zu fixieren. Das heißt, es breitet sich im Moment nicht weiter aus», sagte der Harzer Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse.

Das Dröhnen der Löschhubschrauber ist rund um den Gipfel immer wieder zu hören, während sie nacheinander Wasser über den Flammen abwerfen. Auch Löschflugzeuge sind regelmäßig im Einsatz. Rauch zieht über den Brocken in den Himmel. Bis zur Dunkelheit wird weiterhin gelöscht – vorerst. Die Feuerwehr bereitet sich auf einen langwierigen Einsatz vor.

Aktuell ist die Gefahr von Waldbränden in weiten Teilen von Sachsen-Anhalt sehr hoch. Laut dem Deutschen Wetterdienst bleibt es am Samstag und Sonntag weiterhin warm und trocken. In Schierke, einem Ortsteil von Wernigerode auf 600 Metern Höhe, können die Temperaturen bis zu 27 Grad erreichen. Brandexperten führen die erhöhte Brandgefahr und die erschwerte Brandbekämpfung im Harz auf das viele Totholz und die Topographie in den höheren Lagen zurück.

Feuer brach an mehreren Stellen aus

Das Feuer brach am Freitag an mehreren Stellen aus – warum, ist noch nicht bekannt. Die Brandherde vereinigten sich später zu einer größeren Feuerfront. Vor zwei Jahren wurde der Katastrophenfall im Landkreis Harz aufgrund eines Brandes am Brocken ausgerufen. Es handelte sich um genau dieselbe Stelle wie jetzt. Es handelt sich um den Königsberg, eine Nebenkuppe des Brockens.

Einsatzleiter Jerry Grunau sagte dem MDR: «Im Vergleich zu vor zwei Jahren ist die Lage auf jeden Fall schwieriger und schlimmer anzuerkennen.» Die Lage sei angespannt, sagte Wernigerodes Oberbürgermeister Tobias Kascha dem Sender. Der Wind erschwere die Löscharbeiten. 

Laut Feuerwehr sind 180 Einsatzkräfte vor Ort. Der Kreisbrandmeister erwähnte vier Löschflugzeuge und zwei Hubschrauber. Außerdem sei ein Erkundungshubschrauber der Landespolizei Thüringen im Einsatz. Es werden noch drei Löschhubschrauber der Bundeswehr erwartet. Derzeit wird die Logistik aufgebaut, da die Hubschrauber und Flugzeuge nicht überall landen können.

Feuerwehr stellt sich auf tagelangen Einsatz ein

Zur erwarteten Dauer des Einsatzes sagte Lohse: «Wir rechnen mit mehreren Tagen, hoffen aber, dass mit Änderung der Großwetterlage am Montag hier Schluss ist.» Erst dann soll es regnen. Sorgen bereitet der Feuerwehr, dass Glutnester in der Erde neue Brände entfachen könnten.

Um zu verhindern, dass sich die Flammen weiter ausbreiten, werden zusätzliche Schutzstreifen am Boden angelegt und Wege geschaffen. Diese dienen dem Wassertransport. Einige Feuerwehrkräfte mussten in der Nacht zurückweichen, da das Feuer einzelne Schutzstreifen übersprungen hatte. Auch während der Nacht hatten sich die Flammen ausgebreitet.

500 Menschen in Sicherheit gebracht

Nach Angaben vom Freitag ist das gesamte Gebiet im Nationalpark gesperrt, alle Veranstaltungen rund um den Brocken wurden abgesagt. Der Kreis forderte die Menschen auf, Straßen und Zufahrtswege rund um Schierke und den Brocken freizuhalten und die Einsatzkräfte nicht zu behindern. Die Harzer Schmalspurbahnen gaben bekannt, dass die Strecke zwischen Drei Annen Hohne und dem Brocken aufgrund des Waldbrandes gesperrt ist.

Am Freitagnachmittag wurden ungefähr 500 Personen mit Bussen vom Brocken evakuiert. Ein Sprecher des Landkreises erklärte, dass es sich um Wanderer und Sportler handelte. Der Weg zum Brocken zählt zu den am meisten frequentierten Wanderwegen im Nationalpark Harz.

Weitere Brände in Sachsen-Anhalt

Es gibt nicht nur einen Brand, der in Sachsen-Anhalt wütet: Bei Oranienbaum im Osten des Landes ist eine Fläche von 50 bis 55 Hektar betroffen, wie der Kreisbrandmeister Peter von Geyso am Mittag mitteilte. Aufgrund des auffrischenden Windes und der Hitze konnte die Ausbreitung des Brandes bisher nicht vollständig gestoppt werden. Insgesamt sind etwa 280 Einsatzkräfte vor Ort, und auch zwei Löschhubschrauber unterstützen die Arbeiten. Am Samstag wurden bisher fast 50.000 Liter Wasser von den Hubschraubern abgeworfen, so der Landkreis.

Laut den Angaben sei das Feuer auch auf munitionsbelastete Flächen gelangt. Jedoch konnte die Ausbreitung darauf verhindert werden. Am Mittag inspizierte Landesinnenministerin Tamara Zieschang (CDU) die Lage. Sie bezeichnete die Löscharbeiten als herausfordernd. Der Brand war am Freitag in der Nähe der Bundesstraße 107 und eines Wohngebietes ausgebrochen. Zu Beginn war auch die Wohnsiedlung bedroht.

Nach einem Brand auf dem Truppenübungsplatz Altmark wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Ein Panzergrenadierbataillon übt derzeit, sagte der Presseoffizier des Gefechtsübungszentrums des Heeres, Alexander Helle. Am Freitag hatte die Heide großflächig gebrannt, starke Winde trieben das Feuer an. Der Auslöser war ein Rauchtopf, mit dem der Abschuss eines Panzers simuliert werden sollte, so der Presseoffizier. Dieses Gerät wurde sehr heiß und entzündete die Heide.

dpa