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Finnen bleiben die Glücklichsten – Deutschland auf Platz 22

Finnland top, Deutschland gar nicht mal so schlecht, die USA auf dem absteigenden Ast: Der Weltglücksbericht zeigt, wie zufrieden die Länder der Erde sind. Und was Glück eigentlich bedeutet.

Einmal lächeln, bitte! Die Zufriedenheit in Deutschland ist größer, als der allgemeine Eindruck vermittelt. (Symbolbild)
Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Finnen bleiben auch im achten Jahr in Folge die glücklichste Bevölkerung der Welt. Sie belegen erneut den Spitzenplatz in der weltweiten Glücksrangliste vor Dänemark, Island und Schweden, wie aus dem aktuellen Weltglücksbericht hervorgeht.

Die Niederlande sind zurück in den Top 5, während Costa Rica (6) und Mexiko (10) erstmals in die Top 10 vorrücken. Die Schweiz bleibt das glücklichste deutschsprachige Land, fällt jedoch von Platz 9 auf 13 – vor drei Jahren waren die Eidgenossen noch auf Rang 4. Österreich verliert ebenfalls und landet drei Plätze weiter hinten als im Vorjahr auf Position 17. Deutschland hingegen verbessert sich von Rang 24 auf 22.

Der Weltglücksbericht wird jedes Jahr vom Wellbeing Research Centre der Universität Oxford veröffentlicht, anlässlich des Weltglückstags am 20. März. Er bietet Einblicke in die Zufriedenheit und Lebensqualität der Menschen weltweit auf der Grundlage subjektiver Einschätzungen. Die Bewertung berücksichtigt verschiedene Faktoren wie die nationale Wirtschaftsleistung, Gesundheit, Freiheit, Großzügigkeit, Korruptionswahrnehmung und das Vertrauen in der Gemeinschaft.

Nicht nur Liebe verdoppelt sich, wenn man sie teilt

Diesmal untersuchen die Forscherinnen und Forscher genau, wie sich das fürsorgliche Miteinander und das gemeinsame Teilen auf das Glück der Menschen auswirken. Eine ihrer Erkenntnisse besagt: Das Vertrauen in die Freundlichkeit anderer ist viel wichtiger für das Glücklichsein als bisher gedacht – und die Menschen sind viel freundlicher zueinander, als es oft angenommen wird.

«Menschliches Glück wird von unseren Beziehungen mit anderen angetrieben», sagt eine der Autorinnen des Berichts, die Sozialpsychologin Lara B. Aknin von der kanadischen Simon Fraser University. Das Investieren in positive soziale Verbindungen führe ebenso zu größerer Zufriedenheit wie wohlwollendes Handeln. Oder wie es der Chef des beteiligten Meinungsforschungsinstituts Gallup, Jon Clifton, formuliert: «Beim Glück geht es nicht nur um Reichtum oder Wachstum – es geht um Vertrauen, Verbundenheit und die Erkenntnis, dass andere hinter einem stehen.» Der diesjährige Bericht beweise, dass unterschätzt werde, wie freundlich die Welt in Wirklichkeit sei.

Das deutsche Glücksgefühl

Jeder definiert den Begriff Glück auf seine eigene Weise. Forscher definieren Glück unter anderem anhand eines Experiments, bei dem untersucht wird, wie stark die Menschen in verschiedenen Ländern darauf vertrauen und erwarten können, dass andere ihr verlorenes Portemonnaie zurückgeben würden. Auch in diesem Punkt sind die Bewohner der nordischen Länder führend. Gleichzeitig wird die Bereitschaft anderer, bei dem Experiment zu helfen, weltweit generell viel zu pessimistisch eingeschätzt.

In Bezug auf Pessimismus: Im Allgemeinen kann man derzeit in Deutschland leicht den Eindruck gewinnen, dass die Stimmung schlecht ist. Der Glücksbericht widerlegt diese Wahrnehmung nicht: Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Bundesrepublik um zwei Plätze, auch die durchschnittliche Bewertung der Lebensqualität über drei Jahre auf einer Skala von 0 bis 10 hat sich leicht auf 6,75 verbessert.

Deutschland liegt immer noch hinter vielen kleineren EU-Staaten wie Irland, Belgien oder Litauen, aber es liegt vor den größeren europäischen Nationen Großbritannien (Platz 23), Polen (26), Frankreich (33), Spanien (38) und Italien (40).

«Keine der Daten der Jahre 2022 bis 2024 kann die aktuelle Stimmung einfangen, die durchaus in komplexer Weise davon abweichen könnte», erläutert der Ökonom John F. Helliwell von der University of British Columbia, einer der Gründungsväter des Weltglücksberichts. Die deutschen Jahresdaten für das abgelaufene Jahr lägen jedoch über denen für 2022 und 2023 – ein Rückgang der Zufriedenheit in jüngster Zeit sei also nicht ersichtlich. Beim Portemonnaie-Experiment etwa zeigten die Deutschen sehr hohe Vertrauenswerte – einer der möglichen Gründe, warum es ihnen gut geht.

Trumps USA auf dem absteigenden Ast

Deutschland überholt damit in diesem Jahr auch die USA, die mit Rang 24 ihre bislang schlechteste Platzierung überhaupt einnehmen. «Die USA, Kanada und andere Länder der englischsprachigen Welt befinden sich in einem generellen Abwärtstrend, der besonders dadurch angetrieben wird, dass die jungen Menschen zur am wenigsten glücklichen Gruppe werden», erklärt Helliwell.

Dieser Rückgang der Zufriedenheit hat auch politische Folgen: Das abnehmende Glücksgefühl und das sinkende soziale Vertrauen in den USA und in Teilen Europas seien ein wesentlicher Grund für zunehmende politische Polarisierung und Wählerstimmen gegen «das System», heißt es im Bericht. Helliwell fasst es so zusammen: «Unzufriedenheit führt zu Polarisierung, und Polarisierung führt dazu, dass Menschen einander nicht mehr zuhören und andere Quellen für Fakten und Meinungen nutzen, was wiederum zu weiterer Polarisierung führt.»

Afghanistan bleibt das Schlusslicht

In den letzten 15 Jahren haben die Glücksforscher beobachtet, dass die ungleiche Verteilung des Glücks innerhalb der Länder zugenommen hat, während sie im internationalen Vergleich relativ konstant geblieben ist. Von den glücklichen Finnen mit einem Glückswert von knapp 7,74 bis zum abgeschlagenen Schlusslicht Afghanistan auf Platz 147 mit nur 1,36 reicht die Skala. Bei den Frauen in dem von den radikalislamischen Taliban geführten Staat liegt der Wert sogar nur bei 1,16. Zu den unglücklichsten Ländern zählen hauptsächlich afrikanische Staaten wie Sierra Leone, Malawi und Simbabwe sowie der Libanon (145) und der Jemen (140).

dpa