Ein Flugzeug stürzt ab, alle 62 Insassen kommen ums Leben. Eis auf den Flügeln könnte eine Rolle gespielt haben. Die Ermittler setzen auf die Auswertung der sogenannten Black Box.
Flugzeugabsturz in Brasilien: Experten suchen nach Ursache

Die Ermittler werten den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs mit 62 Toten aus. Die Black Box wurde geöffnet, wie in einem Video des Zentrums für die Untersuchung und Vorbeugung von Luftfahrtunfällen (Cenipa) zu sehen war. Die orangefarbenen Geräte sollen die Ursache der Tragödie nahe der brasilianischen Millionenmetropole São Paulo aufklären. Sie wurden zum Datenanalyse ins Labor von Cenipa in der Hauptstadt Brasília gebracht.
Es werden nun die flugbezogenen Aktivitäten, das Betriebsumfeld und die menschlichen Faktoren untersucht sowie eine Studie über die Komponenten und Systeme angefertigt, wie das örtliche Nachrichtenportal «G1» berichtete. Innerhalb von 30 Tagen will das Cenipa einen vorläufigen Bericht zu dem Absturz vorlegen.
Die Maschine der Fluggesellschaft VoePass – ein Turboprop-Passagierflugzeug vom Typ ATR 72 – stürzte am Freitagmittag (Ortszeit) auf dem Flug von Cascavel im Bundesstaat Paraná nach São Paulo kurz vor dem Ziel in ein Wohngebiet der Kleinstadt Vinhedo. Alle 58 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder kamen ums Leben – am Boden gab es keine Verletzten. Daten der Plattform Flightradar 24 legen nahe, dass das Flugzeug in weniger als einer Minute um fast 4.000 Höhenmeter absackte. Videoaufnahmen zeigten, wie das Flugzeug in der Luft trudelte, ehe es auf einem Grundstück eines Wohnhauses aufprallte und explodierte.
Bis Samstagabend (Ortszeit) – knapp 30 Stunden nach dem Unfall – wurden laut Feuerwehr alle Leichen geborgen. Unter den Opfern waren einem «G1»-Bericht zufolge unter anderem ein Vater und seine dreijährige Tochter, die den Vatertag, der in Brasilien am Sonntag gefeiert wird, gemeinsam verbringen wollten, sowie Ärzte, Geschäftsleute und Professoren.
Warnungen vor Unwetter und Eisbildung am Absturzort
Laut dem Leiter des Cenipa werden sowohl umweltbedingte und technische Faktoren als auch ein mögliches menschliches Versagen untersucht. Nach Angaben der Plattform Flightradar 24 deuten meteorologische Berichte für den Zeitraum rund um den Unfall auf Turbulenzen, Gewitter und Vereisung in der Umgebung hin.
Als mögliche Unglücksursache prüfen Experten beispielsweise eine Bildung von Eis auf den Flügeln – damit verwandle sich ein Flugzeug in «einen Stein ohne Auftrieb», schrieb etwa das brasilianische Nachrichtenportal UOL. Demnach gab es für den Ort des Absturzes eine Warnung vor Eisbildung. Auch der Geschäftsführer von VoePass, Eduardo Busch, schloss nicht aus, dass sich Eis auf den Tragflächen angesammelt haben könnte. Die Piloten seien aber erfahren gewesen und das Flugzeug sei mit funktionierenden Systemen gestartet. «Das Flugzeug war zum Zeitpunkt des Starts zu 100 Prozent einsatzbereit», sagte Busch. Nach Einschätzung anderer Experten könnten auch mehrere Ursachen gemeinsam zu dem Absturz geführt haben.
Eine der tödlichsten Unfälle in der brasilianischen Luftfahrt-Geschichte
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Laut Medienberichten gehört der Unfall zu den tödlichsten in der Geschichte der brasilianischen Luftfahrt. Im Jahr 2007 überquerte ein Flugzeug der Fluggesellschaft TAM die Landebahn des Flughafens Congonhas in São Paulo und fuhr in eine Tankstelle – dabei kamen 199 Menschen ums Leben.
Viele erinnern sich auch an den Absturz vom 28. November 2016, als das Flugzeug des brasilianischen Fußball-Clubs Chapecoense auf dem Weg nach Medellín zum Final-Hinspiel um die Copa Sudamericana, dem Südamerika-Pokal, in Kolumbien verunglückte. Damals kamen 71 Menschen ums Leben, darunter fast alle Spieler sowie Betreuer, Trainer und mitreisende Journalisten. Sechs Passagiere überlebten.
Die Unglücksmaschine vom Freitag war ein Turboprop-Passagierflugzeug vom Typ ATR 72 des französisch-italienischen Konsortiums Avions de Transport Régional. Im Januar 2023 kamen beim Absturz einer ATR 72-500, die sich in Nepal im Landeanflug auf den Flughafen der Stadt Pokhara befand, 72 Insassen ums Leben, darunter vier Besatzungsmitglieder.








