Geplante Änderungen umfassen weniger Fragen, kein Pflichtpräsenzunterricht und mögliche Simulator-Sonderfahrten für effizientes Training. Was spricht dafür und was dagegen?
Reform der Führerscheinausbildung: Kosten senken und modernisieren

Die Kosten für einen Autoführerschein sind mittlerweile alles andere als billig. Je nach Region können sie bis zu 3.500 Euro oder mehr betragen. Das Bundesverkehrsministerium plant, die Kosten durch eine Reform der Ausbildung zu senken.
Geplant ist unter anderem: Reduzierung der Anzahl von Fragen in der Theorieprüfung, Abschaffung des verpflichtenden Präsenzunterrichts und Verringerung der Anzahl von Sonderfahrten, insbesondere nachts oder auf Autobahnen. Was sind die Argumente dafür und dagegen?
Das spricht für die vorgeschlagenen Änderungen
Die aktuellen Anforderungen für Sonderfahrten sind laut Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung übertrieben. Es könnten Abstriche gemacht werden, solange jeweils eine Autobahn-, Nacht- und Überlandfahrt obligatorisch bleiben. Es wäre auch möglich, zusätzlich Sonderfahrten im Simulator durchzuführen, vorausgesetzt, die Technik erfüllt Qualitätsstandards.
Vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat heißt es: «Insbesondere das gefahrlose Überholen lässt sich effizient im Simulator trainieren». Eine Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung ist laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Auto Clubs Europa (ACE) ebenfalls offen für ergänzende Simulator-Fahrten, etwa um das Schalten zu üben.
Kirstin Zeidler, die Chef-Unfallforscherin im Gesamtverband der Versicherer, bemerkt, dass in der Theorieprüfung heutzutage viele technische Themen abgefragt werden, die nicht unbedingt erforderlich sind.
In dem Bereich seien sicherlich Kürzungen möglich, sofern sicherheitsrelevante Fragen erhalten blieben. Auch der Automobilclub von Deutschland hält eine «Entschlackung» der rund 1.200 Fragen, aus denen in der Prüfung ausgewählt wird, für möglich.
Laut dem ADAC liegen relevante Eckpunkte für eine Reform vor, die die Möglichkeit für mehr Online-Theorieunterricht oder den Einsatz von Simulatoren beinhalten.
Das spricht dagegen
«Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat das höchste Unfallrisiko», sagt Unfallforscherin Zeidler. Die jungen Menschen seien risikobereiter und hätten weniger Fahrerfahrung als ältere. Es sei daher wichtig, die Anforderungen an die Fahrausbildung nicht zu senken. «Für echtes Fahrerleben sollten Prüfungsdauer oder Zahl der Sonderfahrten erhalten bleiben.»
Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände fügt hinzu: „Sonderfahrten decken die Bereiche ab, in denen die meisten Unfälle passieren.“ Simulatoren könnten Sonderfahrten nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Sie seien nicht mit der Realität vergleichbar und zudem sehr teuer. Systeme, die aus mehr als nur drei Bildschirmen und einem Schalthebel bestehen, würden schnell bei 60.000 bis 70.000 Euro liegen.
Er lehnt auch ein Ende der Pflicht zur Präsenzlehre ab. Während der Corona-Pandemie wurde festgestellt, dass Fahrschüler, die ihren Theorieunterricht online absolviert haben, mehr praktische Fahrstunden benötigten. Es ist auch wichtig, dass die Fahrschüler die Theoriestunden schnell und ohne längere Lernpausen absolvieren – dies spart einerseits Kosten für die Fahrschule und führt andererseits zu einer höheren Bestehensquote.
Gemäß der Forsa-Umfrage für den ACE betrachten Erwachsene in Deutschland die meisten Veränderungen ebenfalls skeptisch. Weder eine Mehrheit sprach sich für Sonderfahrten im Simulator noch für die Streichung von Sonderfahrten, kürzere Prüfungen oder den Wegfall der Präsenzpflicht aus. Sowohl junge als auch ältere Erwachsene ähnelten sich in ihrer grundlegenden Einstellung, wie der ACE mitteilte.
Das sind mögliche Alternativen
Sinnvoll seien mehr Möglichkeiten für Lernstandserhebungen, damit Schüler erst in eine Prüfung gehen, wenn sie diese wahrscheinlich bestehen. So könnten Kosten für eine teure Wiederholungsprüfung vermieden werden, sind sich Fahrlehrer Bartels und Unfallforscherin Zeidler einig. Auch für den Deutschen Verkehrssicherheitsrat ist das «der wirksamste Hebel für Kosteneinsparungen».
Bartels fügt hinzu, dass es bereits ähnliche Regelungen gibt, aber einige Fahrschulen nachlässig sind. Dies muss besser überwacht werden. Laut Tüv Nord scheiterte im Jahr 2024 mehr als jeder Dritte in Deutschland an der Theorie- und Praxisprüfung – oft handelte es sich dabei bereits um Wiederholungsprüfungen.
Der ADAC schlägt außerdem vor, dass begleitetes Fahren mit den Eltern während der Fahrschulausbildung ermöglicht wird. Dadurch könnten Fahrschüler mehr Fahrpraxis sammeln, im Idealfall seltener durch die Praxisprüfung fallen und Kosten sparen.
Auch die Möglichkeit, den Führerschein steuerlich abzusetzen, wird von Fahrlehrer Bartels erwähnt. Der Auto Club Europa schlägt außerdem einen einmaligen Mobilitätszuschuss vor, beispielsweise für 17-Jährige. Darüber hinaus empfiehlt der Verein verpflichtende Verkehrsbildung im Schulunterricht als Basis für die Fahrschule.
Der Beruf des Fahrlehrers soll auch attraktiver werden. Der Mangel an Fahrlehrern würde zu höheren Kosten führen und oft eine längere Ausbildung erforderlich machen.
Thema bei Fachtagung
In den nächsten Tagen wird das Thema beim Verkehrsgerichtstag in Goslar diskutiert. Bei der Fachtagung treffen sich jedes Jahr Experten für Verkehrssicherheit und Verkehrsrecht. Am Ende geben sie Empfehlungen an Gesetzgeber, die in der Vergangenheit gelegentlich umgesetzt wurden.








