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Mutmaßliche Block-Entführer mit Namen White, Blue und Black

Doris White oder Olga – die unter diesen Aliasnamen bekanntgewordene Frau soll zu den Entführern der Block-Kinder gehört haben. Lange wurde nach ihr gefahndet. Doch es gibt Neuigkeiten.

Eine mutmaßliche Entführerin hat bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt.
Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Doris White, George Blue oder John Black: Im Luxushotel der Familie Block haben die mutmaßlichen Entführer unter fiktiven Farben-Namen gewohnt. Das berichtete ein früherer Angestellter, der am Empfang arbeitete, als Zeuge am 29. Prozesstag vor dem Landgericht Hamburg. Warum die Gäste aus dem Ausland nicht unter ihren richtigen Namen dort wohnten, sei strikt unter Verschluss gehalten worden, sagte der 31-Jährige. «Über die ganze Situation wurde eine Art Schleier gelegt.» Seine Vorgesetzte habe ihm nur gesagt, das seien Bekannte von Christina Block.

Die Unternehmerin aus Hamburg wird beschuldigt, die Entführung ihrer Kinder in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben, obwohl sie zu dieser Zeit beim Vater in Dänemark lebten. Sie leugnet dies. Laut Staatsanwaltschaft war eine israelische Sicherheitsfirma für die Entführung verantwortlich.

Die 52-Jährige behauptet, dass das Unternehmen ausschließlich zur Überprüfung der Cybersicherheit des Elysée-Hotels angeworben wurde, das zur Block-Gruppe gehört, und dass es bei der Rückholaktion eigenmächtig gehandelt habe. Dem Vorfall ging ein jahrelanger Sorgerechtsstreit zwischen den geschiedenen Eltern voraus.

«Doris White» soll rechte Hand des Chefs gewesen sein

Der frühere Hotelangestellte schilderte die zentrale Rolle von «Doris White» bei der Unterbringung der Gäste unter Pseudonym. «Die hat immer mal wieder Gäste gebracht», berichtete der Zeuge. Sie habe die Kommunikation am Empfang auf Englisch geführt und Zimmerkarten entgegengenommen.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass es sich bei «Doris White» um «die rechte Hand» des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma handelte. Sie trat auch unter dem falschen Namen «Olga» auf und wurde in den Monaten in der Hansestadt zu einer engen Vertrauten von Christina Block. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war die Beschuldigte an der Rückholaktion in Dänemark beteiligt. Nach ihr war lange gefahndet worden.

Staatsanwaltschaft befragte mutmaßliche Entführerin

Die Vorsitzende Richterin teilte zu Beginn des Prozesstages überraschend mit, dass die mutmaßliche Entführerin am 8. und 12. Januar von der Staatsanwaltschaft Hamburg vernommen wurde. Es liegt noch kein Vernehmungsprotokoll vor und im Gerichtssaal wurde keine weitere Information dazu gegeben.

Die Sprecherin der Anklagebehörde teilte auf Anfrage mit, dass die Verteidigung der Beschuldigten im Dezember Kontakt zur Staatsanwaltschaft aufgenommen habe. Die Fahndung sei daraufhin eingestellt worden und ihr sei sicheres Geleit zugesichert worden. Der Grund dafür sei das hohe staatliche Interesse an der Aufklärung erheblicher Straftaten.

Die Staatsanwaltschaft hat auch den Chef der israelischen Sicherheitsfirma kontaktiert, der im Dezember vor dem Landgericht ausgesagt hat. Laut einer Gerichtssprecherin wird die Frau höchstwahrscheinlich als Zeugin im Prozess vorgeladen.

Ex-Hoteldirektor sagt als Zeuge aus

Auch ein früherer Hoteldirektor sagte am 29. Prozesstag als Zeuge aus. Im Frühjahr 2023 hätten eine Frau und ein Mann unter falschem Namen und ohne Meldeschein eingecheckt, berichtete er. Sie seien längere Zeit geblieben. Regelmäßig habe sich Christina Block mit der Frau getroffen. Schon nach wenigen Wochen seien mehrere Tausend Euro an Kosten angefallen.

Der mitangeklagte Anwalt der Familie Block habe als Aufsichtsratsvorsitzender der Elysée Hotel AG gesagt, dass er sich keine Sorgen machen solle, so der Ex-Hoteldirektor. Darum sei er davon ausgegangen, dass alles in Ordnung sei. «Dann habe ich das auch für mich ein bisschen abgehakt», sagte der 55-Jährige.

Mitte Dezember hatte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt dem mitangeklagten Anwalt einen rechtlichen Hinweis gegeben. Der 63-Jährige könne auch wegen Untreue verurteilt werden, weil er die Anweisung gegeben haben soll, die Israelis über Wochen und Monate umsonst im Hotel zu beherbergen. Dadurch sei der Elysée Hotel AG ein Schaden von mindestens 200.000 Euro entstanden. Christina Block könne in dieser Sache wegen Beihilfe oder Anstiftung verurteilt werden.

dpa