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Deutschland triumphiert gegen Italien

Kleindienst und Goretzka sorgen für Kopfballtore und führen DFB-Team zum Sieg im Viertelfinal-Hinspiel der Nations League.

Deutschland bejubelt einen großen Fußball-Abend.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Deutschland hat gegen Angstgegner Italien die Tür zum Final-Four-Turnier der Nations League geöffnet. Tim Kleindienst und Leon Goretzka haben mit ihren Kopfballtoren im Viertelfinal-Hinspiel für das 2:1 gesorgt.

Nachdem Nagelsmann eine klare Leistungssteigerung und erfolgreiche Personal-Korrekturen zur Halbzeitpause vorgenommen hat, geht das DFB-Team mit dem Heimvorteil in die entscheidende zweite Partie am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) im stimmungsvollen Dortmunder Stadion.

Beim ersten deutschen Auswärtssieg in Italien nach 39 Jahren zeigte auch Torwart Oliver Baumann eine starke Leistung, obwohl er im dritten Länderspiel von Sandro Tonali (9.) bezwungen wurde.

Kleindienst liefert, Baumann hält

Knapp neun Monate nach dem bitteren EM-K.o. gegen Spanien sah es vor 60.334 Zuschauern im Giuseppe-Meazza-Stadion zunächst alles andere als gut aus für die DFB-Elf. Ohne die Offensiv-Trümpfe Florian Wirtz, Kai Havertz und Niclas Füllkrug fehlte im Vorwärtsgang zunächst der Punch. Bayern-Star Jamal Musiala war als Einzelkämpfer überfordert. Hinten war vor allem der Leipziger David Raum ein Schwachpunkt. Dann kam Kleindienst, traf – und Goretzka legte nach. Beide Male war Kapitän Joshua Kimmich der Flankengeber.

Nagelsmann setzte im berühmten Fußball-Hexenkessel voll auf den Faktor Form. Der in der Bundesliga stark aufgelegte Goretzka stand nach langer DFB-Abstinenz ebenso in der Startelf wie das Duo Nadiem Amiri und Jonathan Burkardt, das den FSV Mainz 05 in Richtung Champions League führt.

Politano überrumpelt Raum

Das Trio spürte bereits vor dem Anpfiff die enorme Rivalität zwischen Italien und Deutschland sowie die Wirkung, die der im Westen von Mailand gelegene riesige Betonklotz entfalten kann. Die italienischen Fans pfiffen so laut während der deutschen Nationalhymne, dass die Stadionregie die Lautstärke schnell erhöhte.

Die 3.500 mitgereisten Anhänger aus Deutschland revanchierten sich ihrerseits bei der italienischen Hymne. «Wenn Du hier reinkommst, spürst Du, dass hier große Spiele stattgefunden haben», sagte Ex-Weltmeister Bastian Schweinsteiger am ARD-Mikrofon zum Mythos San Siro.

Die DFB-Elf kontrollierte zunächst den Ball auf dem Rasen. Bevor jedoch die Offensive um den blassen Bayern-Star Musiala eine erste Aktion starten konnte, schlug der Gastgeber bereits gnadenlos zu. Matteo Politano, Außenbahnspieler, nutzte einen Stellungsfehler des fahrig wirkenden Raum und startete über rechts bis zur Grundlinie durch. Jonathan Tah konnte seine Hereingabe nur unzureichend klären, wodurch Tonali unbedrängt zur Führung einschießen konnte.

Baumann verhindert zunächst Schlimmeres

Baumann kassierte nach 189 Minuten im Nationaltrikot sein erstes Gegentor, aber er hatte keine Schuld daran. Vielmehr war es Nagelsmann und der DFB-Defensive zu verdanken, dass es bis zur Pause nur bei einem Gegentor blieb.

Erneut war Tonali (30.) Torschütze und auch der wendige Moise Kean (32.) hatte die Chance zum 2:0, scheiterte jedoch am stark reagierenden Baumann. Die deutsche Mannschaft zeigte große Lücken auf der linken Abwehrseite und im defensiven Mittelfeld. Italien nutzte seine kompakte und gut organisierte Fünferkette, um gefährliche Nadelstiche zu setzen.

Goretzka zurück in Reihe eins

Während jede italienische Aktion zielgerichtet erschien, war in der Offensive von Deutschland vor allem Comebacker Goretzka präsent. Der 30-Jährige köpfte auf das Tor (16.) und schloss später mit einem kräftigen Dropkick ab (20.). Nagelsmann erwähnte vor dem Spiel eine längere Unterhaltung mit dem Spieler, den er für die Heim-EM im vergangenen Jahr nicht berücksichtigt hatte.

«Unser Gespräch war ganz sachlich, wir haben über den Sommer gesprochen und einen gemeinsamen Nenner gefunden. Jetzt greifen wir wieder an», beschrieb Nagelsmann. Goretzka, der nach Nagelsmanns Meinung keiner für die zweite Reihe ist, fühlte sich bei seiner Rückkehr in der ersten Reihe komplett wohl. Und wurde mit seinem Kopfballtor nach einer Ecke direkt Matchwinner.

Nagelsmanns Wechsel wirken direkt

Bereits nach 45 Minuten hatte Nagelsmann zwei Wechsel vorgenommen – und er traf damit genau ins Schwarze, genauso wie mit seiner Goretzka-Rückholaktion. Kleindienst und Nico Schlotterbeck ersetzten den anfälligen Raum und den unauffälligen Burkardt. Und die Wechsel zahlten sich sofort aus. Mit seinem ersten Einsatz bewies Kleindienst seine große Stärke und köpfte präzise an Donnarumma vorbei zum Ausgleich – Kimmich hatte präzise in die Mitte geflankt.

Kleindienst war nicht nur als Torschütze wichtig, sondern auch als fleißiger Fußballarbeiter. Durch Schlotterbeck anstelle von Raum wirkte das DFB-Spiel nicht nur stabiler, sondern auch flexibler. Kapitän Kimmich drängte immer wieder nach vorne und belebte das Angriffsspiel.

Besonders Baumann verdiente sich Bestnoten in beiden Halbzeiten, da er auch nach dem Seitenwechsel einer der stärksten Deutschen war und unter anderem mit einer starken Fußabwehr gegen Giacomo Raspadori (67.) das Remis hielt. Während die deutschen Fans in der Nachspielzeit sangen und jubelten, verließen bereits vor Abpfiff zahlreiche italienische Anhänger das Stadion.

dpa