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Habeck: Lösung für Meyer Werft greifbar – Kanzler erwartet

Gibt es eine Zukunft für die Meyer Werft? Die Zeichen dafür sehen gut aus – auch, wenn viele Details noch nicht abschließend geklärt sind.

Die Beschäftigten der Meyer Werft warten auf die Nachricht, dass das Unternehmen gerettet wird. (Archivfoto)
Foto: Lars Penning/dpa

Es geht um die Existenz der Meyer Werft und um mehr als 3.000 Arbeitsplätze im strukturschwachen Nordwestniedersachsen: Eine Lösung sei in «greifbare Nähe» gekommen, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Rande der Computerspiele-Messe Gamescom in Köln. Die Meyer Werft sei eine traditionsreiche und «sehr, sehr leistungsfähige» Werft in Deutschland. «Wir haben im Wirtschaftsministerium in den letzten Wochen intensiv an Lösungen gearbeitet», berichtete der Grünen-Politiker. 

Laut der Geschäftsführung des Unternehmens haben Bund, Land und Banken grundsätzlich einer Rettung der Werft zugestimmt. Eine Betriebsversammlung ist für heute geplant, bei der auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) anwesend sein wird.

Wie die Rettung aussehen könnte

Es scheint, dass die Entscheidung getroffen wurde, dass der Bund und das Land Niedersachsen vorübergehend an dem Unternehmen beteiligt sind. Die öffentliche Hand wird auch das Eigenkapital der Werft um 400 Millionen Euro erhöhen. Dies ist eine Bedingung der Banken, damit das Unternehmen in Zukunft den Bau von Kreuzfahrtschiffen finanzieren kann.

Da 80 Prozent der Baukosten für Kreuzfahrtschiffe von der Werft vorfinanziert werden müssen, ist sie auf Bürgschaften angewiesen, für die die öffentliche Hand bürgen soll. Bis 2027 benötigt das Unternehmen fast 2,8 Milliarden Euro.

Noch nicht alle Fragen geklärt

Die Banken, der Staat und das Unternehmen samt Eigentümerfamilie haben sich laut Meyer Werft grundsätzlich auf das Rettungspaket geeinigt. Es gibt jedoch noch einige wichtige Details, die geklärt werden müssen. Dazu gehören die Umsiedlung der Holdinggesellschaft von Luxemburg nach Papenburg und die Organisation eines Konzernbetriebsrats.

Die Zustimmung der Haushaltsausschüsse des Bundestags und des niedersächsischen Landtags sowie der EU-Kommission ist ebenfalls erforderlich. Die Zeit drängt jedoch: Bis zum 15. September muss die Einigung stehen, sonst geht der Werft das Geld aus.

Volle Auftragsbücher

Die Werft hat viele Aufträge. Vor kurzem wurde der größte Auftrag der Firmengeschichte für vier Kreuzfahrtschiffe mit dem amerikanischen Disney-Konzern abgeschlossen. Es wurde auch mit dem Bau von Plattformen für Konverter begonnen, um Windstrom von der Nordsee auf das Land zu leiten. Nachdem das Unternehmen während der Corona-Pandemie Verluste verzeichnete, sehen die Banken die Kreditwürdigkeit des Unternehmens kritisch.

Gutachten sieht gute Zukunftsaussichten

Ein Gutachten hatte der Werft zuletzt unter bestimmten Voraussetzungen gute Zukunftsaussichten zugesprochen. Vor allem muss das Unternehmen wieder Gewinne machen. Die Werft sei in den vergangenen Jahren «keine Ertragsperle» gewesen, hatte Chefsanierer Ralf Schmitz vor einigen Wochen gesagt. Bis 2028 soll die Sanierung des Unternehmens abgeschlossen sein. 340 der mehr als 3.000 Stellen sollen abgebaut werden.

Werft wichtig für Region

Für die Landesregierung in Niedersachsen wäre das Ende der Werft eine Katastrophe. Laut Berechnungen von Wirtschaftsverbänden wären insgesamt bis zu 18.000 Menschen indirekt von der Insolvenz betroffen. Das Land hat in den letzten Jahrzehnten viel investiert, um die Werft am umstrittenen Standort Papenburg zu halten. Die Werft wird auch von ihren Befürwortern als Technologieführerin in der maritimen Wirtschaft angesehen – ein Ende würde daher nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der Branche in Deutschland insgesamt schaden.

dpa