Ehec-Bakterien können schwere Erkrankungen verursachen. Aktuell gibt es Fälle in Mecklenburg-Vorpommern und in Seniorenheimen in Belgien. Ist das Zufall – oder gibt es eine gemeinsame Quelle?
Häufung von Ehec-Infektionen – wie gefährlich ist das?
In Mecklenburg-Vorpommern wurden kürzlich 17 Fälle von Ehec-Infektionen registriert, hauptsächlich betroffen sind Kinder – mehrere mussten auf Intensivstationen behandelt werden. In belgischen Seniorenheimen erkrankten rund 20 Personen an den Bakterien, mindestens vier Personen verstarben laut der flämischen Behörde für Pflege und Gesundheit. Die Ursache der Infektion ist jeweils noch unbekannt.
Die Häufung erinnert an den Ausbruch in Deutschland im Jahr 2011, bei dem etwa 3.800 Fälle registriert wurden und über 50 Menschen starben. Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht derzeit keine Anzeichen für eine Häufung von Ehec-Fällen in anderen Teilen Deutschlands. Die Situation wird jedoch weiterhin sehr genau überwacht.
Was ist Ehec?
Ehec ist die Abkürzung für enterohämorrhagische Escherichia coli und bezieht sich auf spezifische pathogene Stämme des Darmbakteriums, die hauptsächlich bei Wiederkäuern wie Rindern vorkommen. Diese Mikroben können beispielsweise durch verunreinigte Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden.
Sie stellen sogenannte Shigatoxine her: starke Zellgifte, die beim Menschen schwere Durchfallerkrankungen sowie das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) verursachen können, eine Komplikation, die zu Nierenversagen führen kann. Kinder sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem und ihre Organe noch nicht ausgereift sind.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Fällen?
Wie und ob die Ausbrüche in Deutschland und Belgien zusammenhängen, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Tobias Tenenbaum. Allgemein seien Kitas und Seniorenheime besonders sensible Bereiche für Durchfallerkrankungen. «Es braucht noch eine gewisse Zeit, um herauszufinden, was die Ursache ist», so der Kinderarzt. Die Dynamik unterscheide sich aber offensichtlich von Ehec-Fällen im vergangenen Jahr.
Tenenbaum erklärt, dass die Suche nach dem Ursprung der Infektionen wie Detektivarbeit sei. In Befragungen müsse festgestellt werden, ob die Betroffenen ähnliche Orte besucht oder ähnliche Mahlzeiten gegessen hätten. Er bezeichnet die aktuelle Situation derzeit nicht als besorgniserregend, betont jedoch die Dringlichkeit, alle wichtigen Fragen nun zu klären.
Kann ich mich gezielt vor einer Ansteckung schützen?
Bisher ist es schwierig, da die Quelle der aktuellen Infektionen in keinem der Fälle bekannt ist. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern untersuchen verschiedene mögliche Quellen wie Lebensmittel und Tierkontakte, haben jedoch bisher kein eindeutig identifizierbares Muster gefunden. In Belgien zeigten Laboranalysen, dass die Infektionen durch denselben Typ des Ehec-Bakteriums verursacht wurden, was auf eine gemeinsame Quelle für diese Infektionen hinweist – welche genau das ist, war zunächst ebenfalls unklar.
Es ist generell ratsam, beim Umgang mit Lebensmitteln auf Hygiene und Vorsicht zu achten. Rohe tierische Produkte sollten gründlich gekocht werden und Obst sowie Gemüse gründlich gewaschen werden. Als wahrscheinliche Ursache für den Ausbruch im Jahr 2011 gelten verunreinigte Sprossen aus Ägypten importierter Bockshornkleesamen.
Wie schnell merkt man, dass man infiziert ist?
Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dauert es im Durchschnitt drei bis vier Tage vom Verzehr eines verunreinigten Lebensmittels bis zum Ausbruch der Erkrankung. Typische Symptome sind wässriger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Bei schwereren Verläufen kann der Durchfall blutig werden und es können Komplikationen wie das HUS mit Nierenversagen folgen. Schon wenige Bakterien reichen aus, um eine Infektion auszulösen, zudem kann Ehec auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Wie ungewöhnlich sind Ehec-Infektionen?
Es gibt regelmäßig Ehec-Ansteckungen. Laut Daten des Robert Koch-Instituts wurden bundesweit im Jahr 2023 mehr als 3.440 Erkrankungen registriert, 2024 etwa 4.570 und in diesem Jahr bisher ungefähr 3.660 (Stand 27. August). Im Jahr 2023 wurden 5 und im folgenden Jahr 3 durch Hus verursachte Todesfälle gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern wurden im Jahr 2024 über 130 Fälle erfasst, im Vorjahr waren es 80. Trotzdem ist die Aufmerksamkeit im aktuellen Fall hoch, unter anderem, weil so viele Kinder in recht kurzer Zeit betroffen sind.