Der Einzug ins Halbfinale der Königsklasse war für Borussia Dortmund in weite Ferne gerückt – doch dann trifft ein Joker. Vor allem in der ersten Halbzeit ist Atlético Madrid aber eine Klasse besser.
1:2 in Madrid – Haller rettet BVB-Hoffnungen aufs Halbfinale

Borussia Dortmund hat sich trotz eines kapitalen Fehlstarts die Chance auf das erste Halbfinale in der Champions League seit elf Jahren gerade noch erhalten.
Trotz eines frühen Rückstandes und einer zunächst bedenklichen Vorstellung konnte das Team von Trainer Edin Terzic beim 1:2 (0:2) gegen Atlético Madrid eine wohl vorentscheidende höhere Niederlage verhindern. Aufgrund einer Steigerung in der zweiten Halbzeit und des Treffers von Sébastien Haller (81. Minute) ist der Bundesliga-Fünfte nicht chancenlos für das Viertelfinal-Rückspiel sechs Tage später zu Hause.
Vor 70.000 Zuschauern in hitziger Stadionatmosphäre erzielten Rodrigo de Paul (4. Minute) und Samuel Lino (32.) die Tore für die Madrilenen, die in der ersten Halbzeit dominant auftraten. Unter Trainer Diego Simeone bleiben sie in K.-o.-Heimspielen der Königsklasse weiterhin ungeschlagen und führten verdient mit 2:0.
Hummels mit Jubiläum
Vor allem für Mats Hummels war es ein besonderes Spiel, da er zum 500. Mal im schwarz-gelben Trikot auflief. Allerdings sah der Jubilar schon kurz nach dem Anpfiff schlecht aus, als er sich bei einem Konter der Madrilenen verschätzte und so die Großchance durch Álvaro Morata (2.) ermöglichte. Ian Maatsen blockte den Ball mit einer Grätsche noch ab.
Der ohrenbetäubende Lärm von den Rängen des Estadio Metropolitano hatte einen starken Einfluss auf die BVB-Profis und führte zu einem katastrophalen Start. Die Dortmunder schienen überfordert zu sein und kamen mit dem aggressiven Pressing der Gastgeber überhaupt nicht zurecht. Das 0:1 nach nicht einmal vier Spielminuten war bezeichnend dafür: Torhüter Gregor Kobel verzögerte unnötigerweise den Pass auf Maatsen, der den Ball mit dem Außenrist genau in die Beine von Torschütze de Paul spielte.
Die frühe Führung gab dem spielfreudigen Tabellenvierten der spanischen Primera División noch mehr Rückenwind. Der BVB hatte in den direkten Zweikämpfen zu oft das Nachsehen, beim eigenen Spielaufbau folgte aufgrund des gegnerischen Drucks häufig ein Fehlpass. Dabei hatte Sportdirektor Sebastian Kehl unmittelbar vor dem Anpfiff genau vor dieser «intensiven Spielweise» der Madrilenen gewarnt und gefordert: «Diese Widerstandsfähigkeit müssen wir zeigen.»
BVB mit vielen Fehlern
Trainer Terzic hatte aus diesem Grund den physisch stärkeren Felix Nmecha anstelle von Julian Brandt in die Startelf berufen, aber in Bezug auf Körperlichkeit war Atlético eine Klasse besser. Und der BVB machte zu viele Fehler. Ein eklatantes Missverständnis zwischen den beiden BVB-Innenverteidigern Hummels und Nico Schlotterbeck ermöglichte Lino nach Vorarbeit von Antoine Griezmann das zweite Tor des Abends.
Der fünfte in der Bundesliga kam erst in der 35. Minute durch Karim Adeyemi zu seiner ersten Torchance. Kurz vor dem Halbzeitpfiff prüfte Maatsen mit einem Fernschuss Madrids Torhüter Jan Oblak, auch der lange Zeit blasse Jadon Sancho kam noch einmal gefährlich vor das Tor.
Auch nach der Halbzeitpause versuchten die Dortmunder, mit dem eingewechselten Brandt, mehr Druck auf den Gegner auszuüben. Allerdings fehlte es ohne Donyell Malen, der aufgrund muskulärer Probleme erneut ausfiel, an einer wichtigen Anspielstation in der Offensive. Atlético mit dem ehemaligen BVB-Profi Axel Witsel hatte nur selten ernsthafte Probleme in der Defensive gegen die Bemühungen des BVB. Kobel musste sogar in höchster Not gegen Lino nach einem Freistoß das dritte Gegentor verhindern (76.). Nach Hallers Anschlusstreffer gab es noch Chancen auf beiden Seiten.








