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Handys verboten: So läuft die Wahl des neuen IOC-Chefs

Nach zwölf Jahren unter der Führung von Thomas Bach wählt das IOC einen neuen Präsidenten oder erstmals eine Präsidentin. Für das Votum hinter verschlossenen Türen gelten strikte Regeln.

IOC-Präsident Thomas Bach tritt nach zwölf Jahren ab.
Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa

Sechs Männer und eine Frau nehmen heute (15.00 Uhr) an der Wahl des neuen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees teil. Nach zwölf Jahren tritt der Deutsche Thomas Bach als IOC-Präsident zurück. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird in einem griechischen Luxusresort gewählt, das mehr als drei Autostunden von Athen entfernt liegt.

Warum wird ein neuer IOC-Präsident gewählt?

Gemäß den Regeln der olympischen Charta kann der 71-jährige Bach keine weitere Amtszeit erhalten. Der Unterfranke wurde 2013 zum IOC-Chef gewählt und 2021 wiedergewählt. Nach dem aktuellen Regelwerk ist keine weitere Amtszeit möglich. Einige IOC-Mitglieder hatten Bach ermutigt, weiterzumachen. Doch am Ende der Sommerspiele von Paris 2024 gab er bekannt, aufhören zu wollen und keine Änderung der Charta anzustreben.

Welche Kandidaten haben die besten Chancen?

Als Favoritin für die Position des Präsidenten gilt die ehemalige Top-Schwimmerin Kirsty Coventry (41). Die Sportministerin von Simbabwe würde die Agenda-Reformen des scheidenden Präsidenten als erste Frau an der Spitze der Dachorganisation fortsetzen. Bei der Kandidaten-Präsentation im Januar hinterließ Coventry jedoch einen eher blassen Eindruck. Weitere Favoriten sind der Brite Sebastian Coe (68), Chef des Leichtathletik-Weltverbands und zuletzt als klarer Widerpart von Bach aufgetreten, und der Spanier Juan Antonio Samaranch jr. (65). Der Sohn eines früheren IOC-Chefs könnte mit seinen Beziehungen und seinem Programm für viele der Kompromisskandidat sein.

Wer bewirbt sich noch?

Außenseiter-Chancen haben vermutlich der französische Radsport-Weltverbandschef David Lappartient (51) und Prinz Feisal al-Hussein (62) aus Jordanien. Noch geringer sind wohl die Chancen des umstrittenen schwedischen Ski-Weltverbandspräsidenten Johan Eliasch (63) und des Japaners Morinari Watanabe (66), Chef des Turn-Weltverbands und mit dem radikalsten Reformprogramm.

Welche Regeln gelten für die Wahl?

Die etwa 100 aktuellen IOC-Mitglieder sind wahlberechtigt. Die gesamte Wahl findet hinter verschlossenen Türen statt, die Handys und anderen elektronischen Geräte der IOC-Funktionäre werden vor der Abstimmung eingesammelt. Der Kandidat, der bei der geheimen Wahl die absolute Mehrheit aller Stimmen erhält, gewinnt. Wenn keiner der Kandidaten in den Wahlgängen mehr als die Hälfte der Stimmen erhält, scheidet der Bewerber mit den wenigsten Stimmen aus. Sollten die letzten beiden Bewerber in den finalen Wahlgängen jeweils die gleiche Anzahl an Stimmen erhalten, entscheidet das Votum von Thomas Bach. Bis dahin verzichtet Bach auf sein Wahlrecht.

Wie läuft die Amtsübergabe?

Die Amtszeit des neuen IOC-Präsidenten beginnt erst am 24. Juni. Bis dahin führt Bach weiterhin die Geschäfte. Ihm habe die kurze Eingewöhnungszeit bei seinem Amtsantritt 2013 nicht gefallen, ließ Bach wissen. Die lange Übergangszeit sei «nichts, was wir erfunden haben». So etwas gebe es auch in Regierungen und großen Unternehmen. «Es ist ein Angebot an den gewählten Präsidenten, sich mit den vielen Institutionen und dem Management vertraut zu machen», erklärte Bach.

Welche Baustellen erwarten den neuen IOC-Chef?

Die Frage, wie man mit Russland umgeht, beschäftigt das IOC seit langem. Mit der Rückkehr von Donald Trump ins Amt des US-Präsidenten ist das weltpolitische Klima noch angespannter geworden. Die nächsten Sommerspiele werden 2028 in Los Angeles stattfinden, und Trump wird als Gesprächspartner für das IOC wahrscheinlich unberechenbarer sein als seine Vorgänger – zum Beispiel in der kontroversen Frage der Zulassung von Transgender-Athleten. Der Klimawandel wird die olympische Welt mehr denn je herausfordern. Außerdem haben die meisten Bewerber für den Chefposten vor, für mehr Offenheit und eine größere Mitsprache für IOC-Mitglieder und Athleten zu sorgen.

dpa