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Historisches Finale: «Mit ganz Bielefeld» nach Berlin

Fast 120 Jahre gibt es Arminia Bielefeld schon. Jetzt steht der Verein erstmals im DFB-Pokalfinale – als Drittligist. Fans und Spieler träumen sogar vom Europacup.

Die Arminia bejubelt den Pokaleinzug.
Foto: Friso Gentsch/dpa

Der Gedanke an das Finale von Berlin ließ Mitch Kniat breit grinsen. «Ich glaube, wir werden da mit ganz Bielefeld anreisen», sagte der Arminia-Trainer zu einer der größten deutschen Fußball-Sensationen seit Jahren. «Ich bin mal gespannt, ob es da so viele Hotelzimmer gibt, wie schon heute bei ‚Booking‘ gebucht wurden.»

Bielefeld wurde nach dem erstmaligen Finaleinzug der Club-Geschichte im DFB-Pokal zu einer einzigen Partymeile. Die frisch gedruckten T-Shirts der Pokalhelden brachten die historische Bedeutung des Erfolgs auf den Punkt. «In 120 Jahren von Bielefeld bis ins Finale von Berlin», prangte stolz auf der Brust der feierwütigen Arminia-Spieler. Den Doublesieger rausgeworfen, als erster Drittligist seit 24 Jahren das Ticket fürs Endspiel gelöst: Viel mehr geht nicht.

Kniats erster Gedanke nach Abpfiff: «Saufen»

Siegtorschütze Maximilian Großer kündigte an, ordentlich die Sau rauszulassen. Kniat, dessen erster Gedanke nach dem Abpfiff nach eigenen Angaben «Saufen» war, brach zur Feier des Tages eine persönliche Regel. Normalweise trinke er nie mit der Mannschaft Alkohol. Schließlich sei die Arbeit mit dem Team sein Beruf. «Aber heute lassen wir mal fünfe gerade sein. Dann ist Beruf und Euphorie mal ein bisschen zusammengemischt.»

Der 24. Mai soll nun für den gesamten deutschen Fußball historisch werden. Vor den Bielefeldern haben bislang drei Drittligisten den Sprung ins Endspiel geschafft – zuletzt Union Berlin 2001 – doch keiner hat bisher gewonnen.

Auf dem Weg zum Olympiastadion als Sehnsuchtsort hatten vier Bundesligisten und ein Zweitligist Schwierigkeiten mit der Arminia. Mit jedem Spiel wurde die Bielefelder Alm zu einer noch gefürchteteren Fußball-Festung. Dass selbst für den Meister – die Übermannschaft der Vorsaison unter Startrainer Xabi Alonso – diese uneinnehmbar ist, hatte wohl kaum jemand erwartet.

Bielefeld will das Alm-Gefühl mitnehmen nach Berlin

«Irgendwie passieren hier auf der Alm magische Sachen», sagte Außenbahnspieler und Torvorbereiter Louis Oppie und ergänzte mit Blick auf Berlin selbstbewusst: «Die Alm können wir nicht mitnehmen, aber das Gefühl können wir mitnehmen.»

Die Arminen wollen auch das Finale mit Mut, Einsatzbereitschaft und dem Glauben an die eigene Stärke angehen. Trainer Kniat zeigt dies vor – mit selbstbewussten Sprüchen, aber auch mit der richtigen Taktik gegen fußballerisch überlegene Mannschaften.

Für den 39-Jährigen ist das Erreichte auch persönlich der mit Abstand größte Karriereerfolg. «Ich habe einmal mit Blumenthal gegen Schwachhausen gewonnen. Das war auch ganz gut. Aber ich glaube, das ist schon ein bisschen höher anzusiedeln», sagte Kniat und lächelte.

Bielefeld bald gegen Manchester oder Juve?

Im Moment des Triumphs blickte er auch auf schwerere Zeiten zurück. In seinen ersten Monaten in Bielefeld habe er den Namen «Kniat-Raus» gehabt, erklärte er in der ARD. «Das hat sich jetzt ein bisschen geändert. Aber auch jetzt darf man nicht durchdrehen.»

Der Trainer, der zuvor den Blumenthaler SV, die zweite Mannschaft des SC Paderborn und den SC Verl betreut hatte, könnte in der nächsten Saison nun Pflichtspiele gegen Manchester City oder Juventus Turin leiten. Mit einem Pokalsieg würde die Arminia einen Startplatz in der Europa League sichern.

Die Fans sangen bereits von internationalen Reisen und auch Großer sagte zum Thema Europacup: «Ein Spiel, da ist alles möglich.» Eine Qualifikation würde den Drittliga-Aufstiegsanwärter auch finanziell in ganz neue Sphären heben.

Enorme Einnahmen für einen Drittligisten

Bisher hat die Arminia im DFB-Pokal allein durch Prämien Einnahmen von rund 9,4 Millionen Euro erzielt. Sollte Bielefeld auch das Finale gewinnen, würden es nochmal etwa 1,45 Millionen Euro mehr sein. Zuschauereinnahmen kommen noch hinzu.

Ans Konto wollte Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel aber erst einmal nicht denken. «Zum ersten Mal in Arminias Geschichte fahren wir nach Berlin. Das Finanzielle ist mir gerade auch egal», sagte er und lachte.

dpa